Bei den Dattelbauern am grossen Salzsee

Lesen Sie hier den Beitrag des Journalisten Stefan Hartmann von seinem Besuch bei den Dattelbauern der gebana Maghreb, der vor Weihnachten in der Zeitschrift Bioterra erschienen ist.

Besichtigung der beiden Verarbeitungsbetriebe von gebana Maghreb

Seit Anfang Jahr besitzt gebana Maghreb eine zweite Fabrik und der Ablauf der Dattelverarbeitung wurde komplett umstrukturiert. Hier eine kurze Schilderung des Ablaufs.

Die frisch geernteten Datteln werden von den Bauern in die neue Fabrik geliefert. Nach der Eingangskontrolle und der Gewichtsmessung werden die Datteln von den Fabrikarbeiterinnen verlesen: Datteln, die nicht den europäischen Qualitätsnormen entsprechen werden aussortiert, um später als Futter für Ziegen und Schafe zu dienen.

Noch grüne Datteln werden separat gelagert, damit sie ihren Reifungsprozess weiterführen können.
Die Datteln können nun in einer der vier Kühlkammern zwischen 0.9 und 2.4 eingelagert werden oder direkt in die zweite Fabrik zur Weiterverarbeitung geliefert werden. Dort ist momentan der Umbau im Gange. Da bisher alles in dieser Fabrik gemacht wurde, ist nun viel mehr Platzt vorhanden. Die Räumlichkeiten werden angepasst und das gesamte Mobiliar erneuert. Die angelieferten Datteln werden im ersten Schritt erneut geprüft, mit einer neuen Anlage gewaschen und getrocknet. Daraufhin wird je nach Kundenwunsch entsteint oder gleich an der Rispe abgepackt und palettisiert. Fast 350 Tonnen verlassen im Jahr 2007 auf diesem Weg die Fabrik und gelangen nach Europa. Für diesen gesamten Ablauf hat die gebana Maghreb ein ausgeklügeltes HACCP-System (Hazad analysis and critical control points) mit dem gesundheitsgefährdende Risiken ausgeschlossen werden können. So steht zum Beispiel am Ende der Verarbeitungskette ein Metalldetektor bereit um jede Kiste nach möglichen Fremdkörpern zu überprüfen. Aufbauend zu diesem System strebt die gebana Maghreb die Zertifizierung nach ISO22000 Standard an. Taieb Foudhaili rechnet mit der Zertifizierung noch für dieses Jahr.

Besuch der Palmgärten von Barghoutia

Am Nachmittag chauffiert uns Adel (Ein Portrait von Adel folgt im Blog) in die Oase Barghoutia. Etwa zwanzig Minuten fahren wir durch das hier übliche karge Land, Sand soweit das Auge reicht, ab und zu niedrige trockene Stauden. Der Fahrtwind liefert eine angenehme Erfrischung bei diesem heissen Wetter. Dann sehen wir die ersten Palmen und bald haben wir das kleine Oasendörfchen mit gerade etwa 400 Einwohnern erreicht.

Adel kennt sich bestens aus in dem Palmgartenlabyrinth, in dem wir die Orientierung längst verloren hätten. Kleine Parzellen von durchschnittlich etwa 50 Aren reihen sich hier aneinander. Zäune aus getrockneten Palmblättern trennen die verschiedenen Palmgärten voneinander. Beim Eingang einer dieser Gärten empfängt uns Abdallah Bubaker. Er ist der Präsident der Dattelbauerkooperative von Barghoutia und besitzt selber einen Palmgarten, den er mit Hilfe seiner Familie bewirtschaftet.

Name: Abdallah Bubaker
Alter: 44 Jahre alt
Familie: verheiratet und 2 Kinder
Funktion: Dattelbauer und seit 2007 Präsident der Kooperative von Barghoutia

Im Schatten einer Palme sitzt eine runzlige alte Frau und lacht uns mit ihrem Zahnlückenmund entgegen. Daneben sitzt eine viel jüngere Frau und ein junger Mann ist zwischen den Palmen an der Arbeit. Wie wir erfahren handelt es sich dabei um Bubakers Mutter und Geschwister, die ihm bei der Arbeit helfen, oder einfach die Zeit draussen mit ihrer Familie geniessen.

Informationen rund um den Palmgarten

Die Palmen tragen bereits Rispen mit den kleinen grünen Dattelknospen. Zur Bestäubung wurden die Blüten der weiblichen Palmen zu kleinen Büscheln zusammengebunden. In die Mitte der Büschel wurde jeweils von Hand ein Zweig einer männlichen Palme platziert. Dieser ist voller Pollen, die im Laufe weniger Wochen vom Wind auf die Blütenstände verteilt werden.

Im Palmgarten von Bubaker gibt es nur 4 männliche Palmen.
- Im Moment brauchen die Palmen praktisch keine Pflege. Arbeit gibt es erst wieder im August, wenn die Dattelrispen mit einem Plastik umhüllt und so vor dem Regen geschützt werden müssen.
- Während dem Jahr pflegen die Bauern ihre Parzellen selber oder mit Hilfe ihrer Familie. Während der Erntezeit im Oktober und November müssen sie zusätzliche Helfer anstellen, um die viele Arbeit bewältigen zu können.
- Um den Palmgarten besser auszunützen, findet man neben den Palmen noch viele andere Pflanzen auf Bubakers Land. Somit hat er eine eigene kleine Nahrungsmittelquelle für sich und seine Familie. Ausser Datteln liefert sein Palmgarten ein wenig Getreide, Trauben, Zwiebeln, Zucchetti und Kräuter. Viele andere Bauern machen es genau so.

- Die Datteln sind nicht das einzige Produkt, das von den Palmen geliefert wird. Mit grossen getrockneten Palmblättern werden Zäune rund um die verschiedenen Parzellen gebaut. Diese dienen einerseits zur Eingrenzung des jeweiligen Besitzes. Wichtiger ist aber die Funktion als Schutz vor der Ausbreitung des Sandes, der vom Ostwind in die Oase getragen wird.

Die Fasern der langen Palmblätter werden zu Schnüren umfunktioniert. Bei der manuellen Bestäubung der Dattelblüten werden die Dattelrispen z.B. mit solch einer Palmfaser zusammengebunden.
- Die Palme besitzt Stacheln.
- Im Moment gibt es genügend Wasser für die Oase Barghoutia, doch Bubaker macht sich Gedanken, wie lange es noch reichen wird. Schon heute wird das Wasser sehr ökonomisch gebraucht: Drei Angestellte der Bauernkooperative regeln die Verteilung des Wassers unter den Mitgliedern der Kooperative genau: pro Aare Land, die ein Bauer bewirtschaftet, erhält er während 7 Minuten 2 Sekunden den Zugang zum Wasser. Die verschiedenen Parzellen werden so im regelmässigen Turnus bewässert. Das Wasser läuft von 7 Uhr morgens bis um 23 Uhr Abends.

Zum Schluss unseres Besuches demonstriert uns Bubaker, wie er die Palme hinaufklettert, z.B. für die Dattelernte. Anstatt gewöhnlich wieder hinunter zu klettern, rutscht er elegant an einem langen Palmblatt wieder zu uns auf den Boden.

Nach unserer Ankunft auf der Touristeninsel Djerba wird uns gleich bewusst, dass die Zeit hier in Tunesien eine andere Bedeutung hat. Die Flughafenpolizei prüft alle Pässe mit Liebe zum Detail und ist ganz interessiert an unserem kompletten Reiseprogramm. Draussen vor dem Flughafengebäude bläst uns die warme Luft ins Gesicht und in der Ferne über dem flachen, sandigen Boden erspähen wir das Meer. Wir machen uns auf die Suche nach einem Sammeltaxi, taxi louage, in Richtung Kebili. Das Taxi fährt erst, wenn alle acht Plätze besetzt sind, und bis dahin gilt es gelassen zu warten. Einmal unterwegs geht es dafür umso schneller: Der Fahrer rast über die holprigen Strassen und lässt Mofas und Privatwagen gekonnt hinter sich – dazu schallt aus dem Radio ununterbrochen arabische Musik. Wir staunen über die gewagten Manöver. Bei der Überfahrt mit der Fähre aufs Festland kommen wir mit einem Reisegenossen ins Gespräch. Bicher kehrt von seinem zwei Monatigen Arbeitseinsatz auf Djerba zurück zu seiner Familie in El Hamma. (Ob es das El Hamma von Mani Matter’s Sidi abdel Assar ist können wir nicht mit Sicherheit sagen, da es in Tunesien zwei El Hamma gibt.)

Unser Weg führt weiter ins Landesinnere, vorbei an kleinen sandigen Dörfern, Olivenbäumen, einzelnen Ziegen und Schafen, trockenen Feldern und Palmgärten. Die Strassen sind voller Leben und alle 500 Meter werden am Strassenrand aufeinandergestapelte Benzinkanister zum Kauf angeboten. Bei der grossen Station der taxi louage in Gabes müssen wir umsteigen. Der letzte Abschnitt unserer Reise führt durch karges Land entlang dem Gebirgsgzug Djebel Tebaga. Schliesslich gibt es einen Unterbruch in der Hügelkette und wie durch ein riesiges Tor gelangen wir in das Städtchen Kebili. Taieb Foudhaili, der Geschäftsleiter von gebana Maghreb empfängt uns herzlich. Müde von all den neuen Eindrücken und gespannt auf die kommende Woche sinken wir bald darauf ins Bett.

gebana-Praktikanten in Tunesien

Zum Abschluss und Höhepunkt unseres mehrmonatigen Praktikums bei gebana reisen wir gemeinsam nach Kebili, im Südwesten von Tunesien. Hier arbeiten wir während einer Woche mit unseren KollegInnen von gebana Maghreb zusammen. Gemeinsam mit den Dattelbauern diskutieren wir Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten des Fairen Handels. Zudem informieren wir unsere tunesischen PartnerInnen in Schulungen über die Neuerungen des FLO-Zertifizierungssystems.

Aktuelle Informationen zu gebana Maghreb und Berichte unserer Erlebnisse in Tunesien veröffentlichen wir möglichst regelmässig hier im gebana-blog.

Wir, das sind:


Sandro Fornallaz
Alter: 21 Jahre
Dauer des Praktikums bei gebana: 20 Monate
Zukunft: Betriebsökonomiestudium an der ZHAW
Sonstiges: Pfadi mit Leib und Seele (www.pfadi-zueriberg.ch)


Andrea Oertli
Alter: 20 Jahre
Dauer des Praktikums bei gebana: 8 Monate
Zukunft: Politologie- und Arabischstudium

Artikel in der TAZ

Am Samstag 29. März 2008 erschien in der deutschen TAZ ein schöner Bericht über unsere Pressereise nach Tunesien.

Viel Spass beim Lesen.

http://www.taz.de/4/reise/afrika/tunesien/artikelseite/1/
fair-trade-in-der-oase/?src=SE&cHash=1a351bb51d