Lotti und Josef Stöckli drehen derzeit einen Dokumentarfilm über den Sojaanbau in Brasilien. Dazu haben Sie im März die gebana Brasil und einige Bio-Sojabauern besucht. Dabei entstand das nachfolgende Interview über ihren Film und ihre Arbeit in Capanema.

Die Filme von Lotti und Josef Stöckli haben immer einen sozialen Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die am Rande leben, sich dabei jedoch für ein besseres Leben einsetzen und nicht dem Fatalismus verfallen sind. Das letzte Werk der Stöcklis ist eine Dokumentation über den Kampf der Landlosen in Brasilien. Der Film wurde am Internationalen Nord-Süd-Filmfestival in Genf ausgezeichnet und von verschiedenen europäischen Fernsehsendern ausgestrahlt.

1. Lotti und Josef Stöckli, was ist eure Filmidee?

Wir werden jetzt in der Erntezeit verschiedene Soja-Anbaugebiete Brasiliens besuchen, kleine und grosse. Der biologische Anbau wird ebenso thematisiert wie der gentechnische und der konventionelle. Und dann sollen auch Gegner und Befürworter des RTRS (Round table for sustainable Soy) zu Wort kommen. Welche Botschaft am Schluss im Zentrum steht und wo die Prioritäten gesetzt werden, kann jetzt noch nicht schlüssig gesagt werden, da die Dreharbeiten eben erst begonnen haben.

2. Welche Wichtigkeit hat für euch die Soja-Thematik?

Soja ist eine Wunderbohne, hat aber leider viele Schattenseiten, ökologisch und sozial. In Brasilien wird heute bereits 1/3 der gesamten Ackerfläche mit Soja bebaut, insgesamt etwa 21 Mio ha, und es sollen in den nächsten Jahren noch einige Millionen ha dazukommen. In der Schusslinie sind vor allem der Cerrado und das Amazonasgebiet. Die Sojaexpansion aber führt immer mehr zu Landkonflikten, Vertreibungen und illegaler Landnahme. Die Bodenkonzentration nimmt zu, der Primärwald wird abgeholzt, Tiere und Pflanzen verschwinden. Der Anbau von Grundnahrungsmitteln geht zurück, die Preise steigen, die lokale Bevölkerung hat das Nachsehen.

Die Schweiz importiert jährlich etwa 250 000 Tonnen Soja für die Herstellung von Futtermitteln, fast alles kommt aus Brasilien. Der Konsument will Fleisch und Eier essen, die nicht gentechnisch vergiftet sind und der brasilianische Soja erfülle diese Voraussetzungen, heisst es. Ob das stimmt ist aber mehr als fraglich: Fachleute sagen, dass im Matto Grosso bereits die Hälfte der Produktion Gen-Soja ist und in Rio Grande do Sul seien es schon über 90%. Im Film soll auch ein Bezug zu den Importländern, u.a. die Schweiz, hergestellt werden.

3. Wie habt ihr die Soja-Produktion der hiesigen Kleinbauern erlebt?

Filmisch konzentrieren wir uns auf die Arbeit eines einzigen Produzenten. Es ist ein Bio-Kleinbauer, der im Gegensatz zu den meisten anderen noch mit der Sichel schneidet. Er bezieht die Samen von der gebana und benützt eine Dreschmaschine, die er nicht an andere Bauern ausleiht. Bei der Ernte hilft die ganze Familie mit und das Jäten erfordert sehr viel Zeit. Was der Gensoja-Produzent mit seinem Glyphosat in einer Stunde an Unkraut vernichtet, dafür braucht der Kleinbauer eine ganze Woche. Er nimmt diese Mehrarbeit gerne auf sich. So stellt er sicher, dass sein Soja nicht genverseucht ist, der Boden bleibt fruchtbar, sein Soja hat eine hohe Qualität und er bekommt einen guten Preis dafür.

4. Was hat euch hier in Capanema am meisten beeindruckt?

Wir sind beeindruckt von der guten Zusammenarbeit zwischen der gebana und den Soja-Kleinbauern. Wir haben verschiedentlich gehört, dass die Institution gebana für sie eine grosse Hilfe ist. Die kleinen Produzenten schätzen es sehr, dass ihre Anliegen ernst genommen werden, dass man ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht und dass sie für ihre Produkte und für ihre Arbeit gerecht entlöhnt werden.

5. Möchtet ihr am Schluss noch etwas anmerken?

Ja, wir möchten der Gebana ganz herzlich danken für die spontane Bereitschaft, uns bei den Dreharbeiten behilflich zu sein. Ohne die permanente Unterstützung und Begleitung wäre die filmische Arbeit nicht möglich gewesen.
Und noch dies: Meinungen, Hinweise und Vorschläge für unser Soja-Filmprojekt sind sehr willkommen: stockli@gmx.ch

Gentechnik im Biosoja

Brasiliens Biobäuerinnen und -bauern befinden sich auf dem steinigen Weg zur Nachhaltigkeit. Der Anbau von genverändertem Soja ist eines der Hauptprobleme brasilianischer Biobauern. Im Südwesten des  Bundesstaates Paraná bauen Kleinbauern erfolgreich Biosoja an. Doch die sich ausbreitende Gentechnik bedroht die nachhaltige Produktion. Ein Bericht von Sandra Dütschler in der aktuellen Ausgabe von Lateinamerika Nachrichten. Sie ist Mitarbeiterin bei gebana Brasil.

Die Sonne steht am höchsten Punkt, der Himmel ist tiefblau, die Hitze drückt in die Senke. Kühe liegen im Schatten der Bäume, die das Bächlein säumen, welches zwischen den Feldern und Wiesen hindurchfließt. Neben der Weide wächst ein Streifen Zuckerrohr, dahinter steigen rund um die Senke Wald die Hügel empor. Die Szenerie ist äußerst idyllisch – wäre da nicht das unablässige Rattern eines Mähdreschers.

Es ist Erntezeit in Capanema, im Süden Brasiliens. Roberto Rama, der in der zweiten Generation auf diesem Boden Landwirtschaft betreibt, erntet heute sein Soja. Dabei helfen ihm Vater und Bruder, mit denen er das Land teilt. Ein Nachbar stellt gegen ein Entgelt seinen Lastwagen für den Transport der Ernte zur Verfügung, von einem weiteren Bekannten wurde der Mähdrescher samt Fahrdiensten gemietet. Einen Lastwagen oder eigene Landwirtschaftsmaschinen können sich die Ramas als Kleinbauern nicht leisten.

“Monsanto hat die Preise in der Hand und kann sie beliebig der Rentabilität des Sojaanbaus anpassen.”

Wer das gängige Bild vom brasilianischen Großgrundbesitzer kennt, der die Mähdrescher gleich zu Dutzenden über seine Felder schickt, stutzt spätestens an dieser Stelle: Ein Sojabauer, der sich keine eigenen Maschinen leisten kann? Doch damit nicht genug: Roberto Rama wirtschaftet nach internationalen Richtlinien des biologischen Landbaus und führt seinen Hof nach den Regeln der biodynamischen Landwirtschaft, die Rudolf Steiner um 1924 entworfen hat. Roberto Rama ist einer von rund 300 Kleinbauern in der Region um Capanama, im Südwesten des brasilianischen Bundesstaates Paraná, die biologisches Soja produzieren. Viele von ihnen haben nie etwas anderes als Biolandwirtschaft betrieben: „Auf meinen Feldern wurde noch nie Gift angewandt“, so Roberto Rama nicht ohne Stolz. Andere haben zu einer Zeit auf ökologischen Landbau umgestellt, als Bio in Europa noch eine Randerscheinung war: Angetrieben von Vergiftungsvorfällen in ihren Familien und vom Fischsterben in den Flüssen, stellte eine Gruppe von Landwirten die konventionelle Anbauweise in Frage. Sie entschieden sich, auf die Anwendung von Chemikalien zu verzichten und suchten nach nachhaltigeren, für Mensch und Umwelt unschädlichen Produktionsmethoden. 1994 entstand in der Region die erste Firma, die mit biologischem Soja handelte und den Bauern für den deutlich größeren Arbeitsaufwand einen entsprechenden Aufpreis zahlte.

Heute ist die gebana Brasil im Geschäft mit Biosoja aktiv. Die 2002 gegründete Firma ist ein Schwesterunternehmen der gebana Schweiz, die aus einer der ersten Initiativen für gerechten Handel mit Bananen („gebana“ steht für „gerechte Banane“) hervorgegangen ist. Bis heute basieren die Grundsätze der gebana auf denjenigen des fairen Handels und der Nachhaltigkeit: Der Schwerpunkt der Produktion liegt bei Kleinbauern, denen ein direkter Marktzugang ermöglicht wird und für das bio-zertifizierte Soja werden Preise bezahlt, die bis zu 50 Prozent über dem üblichen Marktpreis liegen. In Kürze sollen außerdem die ersten Produzentenvereinigungen mit dem Fairhandelslabel FLO zertifiziert werden.

Doch die Wege der Bioproduzenten in Südbrasilien sind steinig, wie das Beispiel von Roberto Rama zeigt. Der junge Familienvater kann mit seiner Ernte eigentlich zufrieden sein: Die blassgelben Erbsen sind fest und gleichförmig groß, die Schoten hängen zahlreich von den Pflanzen. Dies ganz im Gegensatz zu vielen anderen Sojabauern der Region, die aufgrund einer ausgedehnten Trockenperiode einen Großteil ihrer Ernte verloren haben. Als Roberto seine Ladung jedoch am Firmensitz der gebana Brasil abliefert, zeigt ein Schnelltest, dass die Bohnen Spuren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aufweisen. Die Verunreinigung durch fremdes Pflanzengut kommt wahrscheinlich von dem Mähdrescher, der zuvor genverändertes Soja geerntet hatte, oder durch den Lastwagen, der solches transportiert hatte. Selbst bei gründlicher Reinigung können diese Maschinen durch kleinste Rückstände eine ganze Ladung verseuchen. Doch die kleinen Familienbetriebe sind auf die geliehenen Geräte angewiesen, eigene Maschinen sind für sie unerschwinglich. Roberto Rama bekommt trotz GVO-Spuren den vollen Demeter-Preis für sein Soja ausbezahlt, doch die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben: „Ich baue bewusst biologisch an und bemühe mich, alles richtig zu machen – und alles nützt nichts“, bemerkt Roberto ernüchtert und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Genverändertes Soja ist ein ernsthaftes Problem für uns“. Darin kann ihm Eduardo Mattioli Rizzi, Leiter des Sektors landwirtschaftliche Produktion der gebana Brasil, nur zustimmen. Bereits jetzt ist er daran, GVO-freies Saatgut für den nächsten Sommer zu besorgen, doch dies ist ein schwieriges Unterfangen. Die Saatgutproduktion ist mehrheitlich auf genveränderte Sorten ausgerichtet und selbst konventionelles Saatgut weist nicht selten GVOSpuren auf, denn auch die Saatgutproduzenten sind vor Kontamination durch den Blütenstaub benachbarter GVO-Felder nicht gefeit.

Das zweite große Problem der gebana Brasil sind Soja-Lieferungen der Bäuerinnen und Bauern, die durch Blütenstaub oder durch verschmutzte Maschinen kontaminiert worden sind. Während winzige Spuren, wie sie in der Ladung von Roberto Rama gefunden wurden, von den Bio-Normen noch toleriert werden, ist dies bei einer stärkeren Verseuchung nicht mehr der Fall. „Dieses Jahr mussten wir die Lieferung von zehn Bauern ablehnen, weil sie GVO-Werte aufwiesen, die über der Toleranzgrenze lagen“, erklärt Eduardo Rizzi. Dies tue niemand gern, meint er, doch die verseuchten Bohnen dürften auf keinen Fall in den firmeneigenen Verarbeitungsprozess gelangen. Den Frust abgewiesener Bäuerinnen und Bauern, die ihre Felder immer gemäß der Regeln gepflegt und in mühsamer Handarbeit gejätet haben, kann man sich nur allzu gut vorstellen.

Der Gefahr der Kontamination seines Biosojas durch GVO beugt Bauer Abelino Murinelli auf seine eigene Art und Weise vor. Einige Kilometer Luftlinie entfernt von Roberto Rama macht er sich zusammen mit seiner Frau, zwei Nachbarn und seinen beiden Söhnen auf zu seinem Feld. Lächelnd weist Abelino auf sein Arbeitsgerät, eine Sichel: „Ich mähe mein Soja immer von Hand“, erkärt er, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt. In der immer noch erbarmungslos auf die Erde prallenden Nachmittagssonne machen sich Abelino und seine HelferInnen daran, die ausgetrockneten Stängel büschelweise durchzuschneiden, zusammenzutragen und in einer benzinbetriebenen Dreschmaschine die Bohnen vom Rest der Pflanze zu trennen. Man scherzt und lacht zusammen, gönnt sich ab und zu einen Schluck Wasser aus der mitgebrachten Kanne und nimmt die körperlich harte Arbeit in Kauf: „So weiß ich wenigstens mit Sicherheit, dass mein Soja sauber bleibt“, erklärt Abelino.

Für die 1,5 Hektar Soja, die Abelino Murinelli diesen Sommer angebaut hat, mag die Handernte eine Alternative sein, doch selbst unter Kleinbäuerinnen und -bauern erntet heute kaum noch jemand manuell. Neben der anstrengenden körperlichen Arbeit hindert vor allem das Fehlen von Arbeitskräften, verursacht durch die Abwanderung der jungen Leute in städtische Gebiete, die Bäuerinnen und Bauern daran, mit der Sichel zu ernten. Es sind einerseits dieser Arbeitskräftemangel, vor allem aber die Kosten von Arbeitskräften, der in Brasilien immer mehr GroßgrundbesitzerInnen, aber auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe, zu genveränderten Sojasorten greifen lässt. Denn die aktuelle Generation genveränderten Sojas ist resistent gegen das aggressive Pflanzengift Glyphosat, das sämtliches Unkraut effizient abtötet und dem Anwender dadurch eine Menge Arbeit und Geld erspart. So lautet jedenfalls die Argumentationslogik, mit der 2004 die brasilianische Regierung nicht nur von Seiten des GVO-Herstellers Monsanto, sondern auch von Bauernvereinigungen massiv unter Druck gesetzt wurde, um den Anbau genveränderter Pflanzen freizugeben. Die oft massiv verschuldeten Landwirte sollten es so endlich schaffen, rentabel zu wirtschaften, hieß es damals. Doch wie sieht die finanzielle Situation der brasilianischen Bäuerinnen und Bauern heute, fünf Jahre nach der Einführung der Gentechnik, aus? „Kaum anders als ohne Gentechnik“, sagt der Agronom Eduardo Mattioli Rizzi und erklärt auch gleich, warum: „Monsanto bot ihr glyphosathaltiges Herbizid zu Beginn tatsächlich günstig an und der Anbau von genverändertem Soja verschaffte dem Bauern eine höhere Gewinnmarge. Doch dann sind die Preise massiv angestiegen und die Marge war Vergangenheit.“ Aufgrund ihrer Patentrechte hat das multinationale Unternehmen Monsanto die Preise in der Hand und kann sie beliebig der Rentabilität des Sojaanbaus anpassen. Dass die Bäuerinnen und Bauern von dieser Situation langfristig profitieren, ist kaum zu erwarten.

Die brasilianischen Bäuerinnen und Bauern haben mit vielerlei Arten von Abhängigkeit zu kämpfen, das zeigt das Beispiel von Oswaldo Jair Woiechowski. Er hatte zwölf Jahre lang für einen Verarbeitungsbetrieb Hühner gemästet. „Dabei habe ich nicht einmal gemerkt, dass ich ausgebeutet wurde“, sagt der heute 38-Jährige und schiebt seine Che Guevara-Mütze zurück. Doch irgendwann hat es Oswaldo gereicht, er hat die Hühnerfarm aufgegeben und begonnen, biologischen Ackerbau zu betreiben. „Damit du anfängst umzudenken, musst du ganz unten ankommen“, sagt er nachdenklich, und: „Heute verdiene ich weniger, aber mein Leben ist selbstbestimmt und ich bin unabhängiger – und glücklicher“.
Zum Anbau von genverändertem Soja meint Oswaldo: „Das Zerstörungspotential von GVO ist riesig, es trifft nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch Luft und Wasser.“ All diese Effekte würden von den Großkonzernen, die GVO-Saatgut und Spritzmittel anbieten, natürlich verschwiegen und gerade auf dem Land hätten die Leute nicht die Möglichkeit, diese Mechanismen zu hinterfragen, so Oswaldo. Der kritische Bauer spricht von „Bewusstseinsbildung“ und Widerstandskampf“. Doch die Zukunft der brasilianischen Landwirtschaft im Zusammenhang mit GVO sieht er pessimistisch: „Der Mensch gibt den Dingen erst dann Wert, wenn er sie nicht mehr hat. Zu diesem Effekt muss es mit dem Anbau von Gensoja kommen“, meint er und zieht den Vergleich mit dem eigenen Leben: „Erst wenn wir ganz unten angekommen sind, werden wir merken, dass Gentechnik das falsche Mittel ist.“

„Erst wenn wir ganz unten angekommen sind, werden wir merken, dass Gentechnik das falsche Mittel ist.“

Eduardo Mattioli Rizzi sieht es nicht ganz so düster, wenigstens nicht für die biologische Landwirtschaft. Die größte Herausforderung sei es, die Anbaukosten zu reduzieren, „das bedeutet vor allem, dass wir das Unkrautproblem mechanisch in den Griff kriegen müssen“, erklärt er. Darin, dass eine Erleichterung des ökologischen Anbaus zusammen mit der steigenden Nachfrage nach biologischen Produkten auch bei Großkonzernen das Interesse wecken könnte, sieht Eduardo sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits könnten diese Unternehmen die Forschung entscheidend vorantreiben, andererseits ist sich der Agronom bewusst, dass damit auch die Preise und damit die Gewinne der Bauern sinken würden.

Eine Chance könnte das steigende Interesse an nicht-genverändertem Soja bedeuten. Vor allem aus Europa werden zur Förderung vom Anbau von Sorten ohne Genveränderung derzeit Prämien und Projektgelder gesprochen. Werden diese finanziellen Mittel effektiv umgesetzt und gelangen bis zu den Produzenten, könnten auch in der Region Capanema die Bauern wieder vermehrt zur konventionellen oder sogar biologischen Landwirtschaft zurückkehren. Dies würde die Kontaminationsgefahr einschränken und den 300 Bio-Kleinbauern in der Region das Wirtschaften erheblich erleichtern.

Aus dem Leben eines Biobauern in Santa Izabel (Brasilien)

Es ist heiß an diesem Vormittag in Santa Izabel do Oeste, sehr heiß. Osvaldo Woicheowski ist gerade dabei, mit der Hacke seine Felder von Unkraut zu befreien. Das ist bei 37 Grad zwar mühsam, aber unumgänglich, denn Osvaldo baut biologisch an. Osvaldo und seine Familie leben in einem 13 km entfernten Städtchen, während der Woche arbeitet er jedoch auf dem Land, wo er den Kleinbetrieb der Eltern mittlerweile alleine führt. Die Mutter mache noch ein wenig Käse, der Vater kümmere sich um das Vieh, aber das Alter mache ihnen zunehmend zu schaffen, erzählt Osvaldo.

Osvaldo Woicheowski ist 37 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Santa Izabel do Oeste im Südwesten Brasiliens. Er hat sich vor zehn Jahren entschieden auf Biolandbau umzustellen und produziert seit einigen Jahren Soja, Mais, Bohnen und Weizen für die gebana Brasil. Er ist aktives Mitglied der ASSESOAR, einer brasilianischen NRO, die sich für die Belange der Bauern engagiert.

Die Hitze an diesem Tag ist nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, wohl aber die Trockenheit der letzten Wochen. Der Klimawandel macht dem Biobauer Sorgen: „Wir haben der Natur soviel Gewalt angetan, nun müssen wir alle uns fragen, wo die Ursachen für diese Trockenperioden liegen und endlich Verantwortung übernehmen.”

Aufgrund des ausgebliebenen Regens haben die meisten Bauern in der Gegend Ernteverluste zu beklagen. Osvaldo kann dennoch lächeln: „Die Lage ist ernst, doch es ist nicht alles verloren und wir sind weniger betroffen als andere Familien. Es war damals die richtige Entscheidung, auf Biolandbau umzustellen.” Mit ernster Miene erzählt Osvaldo, dass diejenigen Nachbarn, die konventionelle und gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen gezwungen seien, mit Pestiziden zu arbeiten, die die Erde zusätzlich austrocknen und die Bauern zwingen, noch mehr dieser Mittel einzusetzen. Osvaldo kennt diesen „Teufelskreis”, wie er es selbst nennt, und ist froh, ihn hinter sich gelassen zu haben: „Die Entscheidung biologisch anzubauen, bedeutet für uns mehr Unabhängigkeit. Wir selber können bestimmen, was und wie wir anbauen, können selbstständig planen - und wir produzieren unseren eigenen Dünger! Alles in allem geht es uns besser; wirtschaftlich und gesundheitlich.” Er weiß aber, dass es vielen Bauern nicht leicht fällt biologisch zu produzieren, denn die Umstellung kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Dabei kritisiert er, dass vom Staat immer noch zu wenig in die biologische Landwirtschaft und in Familienbetriebe investiert wird. „Wenn wir als Kleinbetriebe und Biobauer überleben wollen, brauchen wir auch eine grundlegende Bildung in diesem Bereich”, gibt er zu bedenken.

Auf die Frage hin, wie er angesichts des ausbleibenden Regens in den letzten Wochen die Zukunft auf dem Land sieht, erzählt er, dass er in den nächsten Monaten hierhin zurückziehen wird: „Die nächste Stadt ist nur wenige Kilometer entfernt und meine Töchter können es kaum erwarten, wieder auf dem Land zu leben. Es wird schon alles gut gehen und diese Woche soll es auch wieder regnen. Hier sagen wir, der Regen kommt nie zu spät.” Und tatsächlich: Seit einigen Tagen regnet es wieder im Südwesten Paranás.