| Autor: Adrian Widmer | 27. März 2009 |
César Colussi ist Geschäftsführer und Teilhaber der gebana Brasil, die im September 2002 in Zusammenarbeit mit ihm gegründet wurde. Der heute 45-Jährige stammt aus Capanema selbst und ist Vater von zwei Töchtern.
Welche Aufgaben nimmt die gebana Brasil im Bereich (Vor-)Finanzierung der angeschlossenen Kleinbauern wahr?
Die gebana Brasil finanziert den Bauern die gesamte Produktion im Vorfeld: Saatgut und biologische Düngemittel werden zur Verfügung gestellt, ebenso werden die Mietkosten für landwirtschaftliche Maschinen zur Bearbeitung des Bodens und für die Ernte vorgestreckt. Wenn nötig, helfen wir den Bauern aber auch mit Geld, wenn es ihre finanzielle Lage nicht erlaubt, den Arzt oder die Nahrungsmittel für den nächsten Monat zu bezahlen.
Wie wirkt sich die aktuelle Finanzkrise in Brasilien aus? Mit welchen Problemen kämpft die gebana Brasil?
In einigen Sektoren macht sich die Finanzkrise stark bemerkbar, zum Beispiel in der Nahrungsmittelproduktion: Die Preise für Milch und Fleisch sind stark am Fallen. Bezüglich des Absatzes unserer Produkte merken wir von der gebana Brasil die Krise kaum. Allerdings ist es durch die aktuelle Situation für uns viel schwieriger, genügend Geld von den Banken zu erhalten, um den Bauern die Ernte abzukaufen.
Wie konkret hilft das neue Instrument der gebana Familie, die Handelsfinanzierung der gebana Brasil?
Die Handelsfinanzierung hilft uns sehr, denn die Banken verlangen als Geldgeber viel Bürokratie und es dauert lange, bis Geld freigegeben wird und schliesslich bei uns ankommt. Für uns ist das ein Problem, denn der Bauer will und braucht das ihm zustehende Geld an dem Tag, an dem er seine Ernte hier abliefert. Ausserdem sind die Zinsen der Banken enorm. Da es mehrere Monate dauert, bis die Ware beim Kunden ankommt und bezahlt wird, sind wir gezwungen, monatelang extrem hohe Zinssätze zu bezahlen. Hier bringt uns die neue Handelsfinanzierung der gebana grosse Vorteile: Wir können Geld einsparen und an sinnvolleren Orten einsetzen!
| Autor: Adrian Widmer | 27. März 2009 |
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise geht auch an der gebana nicht spurlos vorbei. Im Schatten der Geschehnisse an den internationalen Finanzmärkten haben die Finanzinstitute ihre Kreditvergabepolitik massiv verschärft. Dies führt in der gesamten Realwirtschaft zu Liquiditätsengpässen. Es werden kaum mehr Kredite vergeben, respektive nur mit sehr hohen Zinssätzen. So sind 13% und mehr Prozent keine Seltenheit mehr.
Konkret spüren wir diese Problematik bei der Aufnahme von Geldmitteln für gebana Afrique, gebana Maghreb und gebana Brasil. Die Mittel werden für die Vorfinanzierung von Saatgut und Betriebsmittel der Bauern, aber auch für die sofortige Bezahlung der Ware nach der Ernte benötigt. Zwischen der Ernte und der Bezahlung von Grosskunden vergehen zum Teil bis zu 12 Monate. Diese Zeitspanne muss die gebana überbrücken.
Um die globale Geldknappheit zu umgehen und den Betrieb unserer Partner vor Ort aufrecht zu erhalten, haben wir Sie, unsere geschätzten Kundinnen und Kunden angeschrieben und um eine Handelsfinanzierung gebeten. Mit grossem Erfolg! So sind bis heute knapp 2 Millionen Schweizer Franken zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 5% zusammengekommen. Ihre Handelsfinanzierung sichert den Marktzugang für unsere Kleinbauern im Süden auch in der Krise.
An dieser Stelle wollen wir uns herzlich für Ihre grosse Unterstützung bedanken. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit solch treuen Kunden wie Ihnen, die Krise meistern werden. Es macht uns Freude zu sehen, dass unser Motto „Die Brücke vom Bauern zu Ihnen“ dank der Handelsfinanzierung auch in umgekehrter Richtung funktioniert!
Herzliche Ostergrüsse wünscht die gesamte gebana Familie!