Fairer Handel in Krisenzeiten

Reisebericht aus Burkina Faso, April 2009

Was mich in Burkina Faso erwartet, kann ich nur knapp erahnen. Bereits sind vier Jahre vergangen, seit ich das letzte Mal dort war - vieles wird sich seither verändert haben!

Gestartet hat die gebana in Burkina Faso im Jahr 2000 mit dem Verkauf von 5 Tonnen getrockneten Mangos. Innerhalb der nächsten 7 Jahre konnte die Menge dank des Booms von Fairtrade-zertifizierten Produkten auf 400 Tonnen Mango gesteigert werden. Damit wurde tausenden von Bauernfamilien ein kleines Einkommen gesichert. Die zu optimistische Planung der Grosskunden, verbunden mit dem durch die Finanzkrise ausgelösten Lagerabbau, bewirkte einen drastischen Rückgang der Verkäufe. Im laufenden Jahr werden wir nicht einmal die Hälfte des Rekordumsatzes von 2007 erreichen. Zusätzlich geraten die Mango-Preise massiv unter Druck. Die Boomjahre der Fairtrade und Bio-Trockenmangos sind vorbei.

Das Land ist karg, die Hitze enorm, Wüstenstaub überall - angespannt und mit vielen Fragen im Kopf reise ich von Ouagadougou zu einem Bauerntreffen nach Bobo-Dioulasso. Es gilt, die Bauern über die schlechte Marktsituation in Europa zu informieren und Massnahmen zu diskutieren. Zahlreiche Bauernfamilien werden den Anschluss an den Markt verlieren: Wie können Sie sich das Überleben in einem Land sichern, wo das durchschnittliche Tageseinkommen bei einem Dollar liegt? Werden sie der gebana weiterhin vertrauen? Wir wissen, dass die Bauern diejenigen sind, die am meisten unter dieser Situation leiden.

Das Treffen war wie erwartet angespannt, viele Fragen wurden gestellt und auch mit Kritik an den Kunden und an der gebana wurde nicht gespart. Dennoch scheint es, dass das Vertrauen in die gebana trotz dem schwierigen Marktumfeld bestehen bleibt - gerade auch, weil wir uns der Auseinandersetzung stellen und gemeinsame Lösungen suchen. Ich war tief beeindruckt vom Mut, von der Intelligenz und dem bissigen Humor mit dem die Bauern auf die Situation reagiert haben. Den Tag lassen wir bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Fairer Handel ist und bleibt eine Gratwanderung. Er bedeutet für alle Beteiligten immer wieder finanzielle Engpässe und Durststrecken, die es zu überbrücken gilt. Es ist ein langer und fast unmöglicher Prozess, für alle Beteiligten gerechte Ausgangslagen zu schaffen. Er erfordert Geduld und kommt nicht ohne Kompromisse aus. Vertrauensvolle Beziehungen zwischen allen Akteuren der Handelskette ermöglicht es dennoch, in dieser schwierigen Situation zu bestehen und ausgleichend zu wirken.

Mein Gepäck steht bereit. Die Tage in Burkina Faso waren gefüllt mit Erlebnissen, Eindrücken und Bildern - die Menschen, die Farben, das Licht und der blaue Himmel werden mir fehlen. Zurück im Büro in Zürich werde ich nun doppelt motiviert sein und mein Bestes geben, um die getrockneten Mangos zu verkaufen.

Buchtipp: Die Zukunft des Fairen Handels

Zurzeit erlebt der Faire Handel einen Boom. Doch er sieht sich auch zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Wie bewältigt er sein eklatantes Wachstum und eröffnet neue Marktfelder? Bietet er überzeugende Antworten für die drängenden ökologischen Fragen? Gelingt es ihm, einen wirkungsvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten?

Diesen Themen gehen Carole Schaber und Geert van Dok nach. Sie nehmen die Fairhandels-Akteuer in die Pflicht, gemeinsam neue, bisweilen auch unsichere Wege für mehr Fairness im weltweiten Handeln zu beschreiten. Gleichzeitig fordern sie Politik und Wirtschaft auf, sich glaubhaft für die Anliegen des Fairen Handels zu engagieren. Damit dieser auch künftig eine Erfolgsgeschichte zugunsten benachteiligter Menschen im Süden schreibt.

“Die Zukunft des Fairen Handels” von Carole Schaber und Geert van Dok.

Erschienen im Caritas-Verlag. ISBN 978-3-85592-118-8

Ein Bananenproduzent aus Rio Verde (Brasilien) erzählt


Antonio Gonçalves da Silva: „Ich esse jeden Tag eine Banane“
„Mein Name ist Antonio Gonçalves da Silva, ich bin seit acht Jahren Präsident der ‚Associação de Produtores Pequenos Rurais de Rio Verde’.

Rio Verde ist eine Gemeinde in der Küstenregion im südlichen Brasilien. Etwa 60 Familien wohnen hier inmitten des subtropischen Regenwaldes. Das feuchtwarme Klima ist ideal für die Bananenpflanze, die eine wichtige Einkommensquelle für unsere Gemeinde ist. Weil die Kosten für den Transport der Bananen für uns Kleinbauern sehr hoch sind, haben sich im Jahr 1990 einige Bauern zusammengeschlossen und angefangen, den Bananentransport und die Kommerzialisierung gemeinschaftlich zu organisieren.

Mittlerweile hat die Vereinigung 28 Mitglieder. Seit 2001 kauft die Gebana unsere Bananen, um sie zu trocknen und in Europa zu verkaufen. Eigentlich sollten wir den Trocknungsvorgang selbst übernehmen, doch damit gab es Schwierigkeiten. Zurzeit werden unsere Bananen von einem kleinen Unternehmen in einer naheliegenden Ortschaft getrocknet, aber wir möchten dies gerne wieder selber machen - so bleibt die Arbeit und der Ertrag im Dorf. Die Gebana hat uns ihre Unterstützung zugesagt und wenn alles gut geht, produzieren wir bald in Rio Verde.


Das Dorf Rio Verde

Ein Teil der Mitglieder der Associacao von Rio Verde

Versammlung der Vereinigung der Bauernkooperative

Antonio bei der Versammlung


Fairer Handel ist nicht leicht

Der faire Handel hilft uns, dass wir von unserer Arbeit leben können und wir hoffen, dass so auch die nächste Generation in der Gemeinde bleibt. Aber die Bürokratie für die Zertifizierung bereitet uns grosse Schwierigkeiten. In der Associação teilen wir uns die Arbeit auf, jeder übernimmt freiwillig einen Teil. Das führt allerdings dazu, dass niemand den Überblick hat. Auch die Kommunikation war lange ein Problem, da unser Dorf sehr abgelegen liegt, wir die Post in der Stadt abholen müssen und wir nur ein einziges öffentliches Telefon haben. Aber die Situation verbessert sich stetig, seit neuestem funktionieren hier Mobiltelefone und bald soll es auch einen Internetanschluss geben. Ich selbst bin Lehrer an der Dorfschule, meine Bananenpflanzung betreibe ich nebenbei. Dabei helfen mir meine Frau Maria und meine fünf Kinder. Ausser mein ältester Sohn Erasmo, der ist in die Stadt gezogen und arbeitet jetzt in Paranaguá im Hafen.


Bananenhain in Rio Verde

Bananenstaude

Die Vielfalt an Bananensorten hier ist gross. Sie haben Namen wie ‚Silberbanane’ und ‚Goldbanane’, ‚Schwarze’ und ‚Graue Banane’. Ausserdem gibt es die ‚Erdbanane’, die ‚Apfelbanane’ und die ‚Schelmbanane’. Angebraten, gekocht oder gestampft verwenden wir die verschiedenen Sorten bei der Zubereitung von Speisen. Allerdings schätzen viele Leute in unserer Gegend die Banane als Nahrungsmittel nicht sonderlich, wahrscheinlich weil sie im Überfluss vorhanden ist. Ich sehe das anders: Die Banane ist eines der nährstoffreichsten Lebensmittel überhaupt. Deswegen esse ich jeden Tag mindestens eine Banane roh.”

Die Bananenpflanzer Antonio (rechts) und Ademir zu Besuch bei der Gebana Brasil in Capanema

Die getrockneten Bio&Fair Bananen von der Bauernkooperative Rio Verde sind über den gebana bio&fair Direktversand erhältlich.

Mango aus Fairem Handel: Beitrag in CashTV

Am Sonntag 23. Novemeber 2008 strahlte CashTV auf SF2 einen Beitrag über gebana Afrique und die Mango Produktion der Bauernkooperativen Wouol und TON aus.

Geschenke aus Fairem Handel Teil4: Sorgenpuppen aus Guatemala

Guatemala besitzt eine der lebendigsten Textilgeschichte Lateinamerikas. Handgewobene Stoffe bildeten die Lebensgrundlage tausender Familien im Hochland. Unter dem Preisdruck internationaler Konkurrenz begann ein rasanter Qualitätszerfall, mit dem der Zerfall der handwerklichen Textilproduktion einherging. Peter Höltschi von El Tucan, seit 1984 jährlich mehrere Wochen in Guatemala lebend, sah diesen Zerfall kommen und legte 1992 den Grundstein für eine Textilproduktion, die heute, 2008 zwei Dutzend Kunsthandwerker in den Departementen Solola, Totonicapan und Quiché beschäftigt.

Die Stoffe von El Tucan basieren auf den traditionellen kunsthandwerklichen Techniken, unterscheiden sich aber in der Qualität durch die benutzten Rohstoffe. So bilden mercerisierte Baumwolle (Veredelung von Baumwollerzeugnissen zur Erhöhung des Glanzes, des Farbstoffaufnahmevermögens, der Festigkeit, Dehnung und Elastizität durch Behandlung mit 20 bis 30% Natronlauge unter Spannung und/oder Streckung) und schadstofffreie Farbstoffe die Grundlage für Produkte mit europäischen Qualitätsstandards.

Das El Tucan Stoffdesign kombiniert guatemaltekisches Kulturgut und europäische Farbvorstellungen und sämtliche Schnittmuster - ob Kinderkleider oder Männerhemden - basieren auf internationalen Konfektionsstandards.

Sorgenpuppen aus Guatemala

SorgenpuppenKinder in Guatemala vertrauen diesen Puppen ihre Sorgen an und werden so ihre Sorgen los. Diese legen sie dann abends unters Kopfkissen, am Morgen sind dann nur noch die Puppen unter dem Kissen… Dieses schöne, emotionale Geschenk wird in Guatemala durch zwei Dutzend Kunsthandwerker hergestellt, welche sich dank der Initiative von El Tucan dem Qualitätszerfall der guatemaltekischen Textilproduktion entziehen konnten und dadurch ein existenzsicherndes Einkommen erzielen.

Weitere Infos: www.gebana.com/weihnachtsgeschenke_aus_fairem_handel.htm

Bio&Fair Weihnachtsgeschenke. Teil1:Keramikfiguren aus Guatemala, Teil2: Christbaumschmuck aus Mexiko, Teil3: Das Geheimnis der Bäume

Das Kunsthandwerk der Blechbearbeitung hat sich in verschieden Regionen Nord und Südamerikas entwickelt. So bei den Puebloindianer in den USA und in Ayacucho, Peru. Doch nirgends ist eine solche Dynamik entstanden wie in Oaxaca, wo das Kunsthandwerk mexikanische Lebensfreude in wunderschönsten Farben ausstrahlt.

Hammerschläge auf Metall tönen ins Quartier und empfangen die Besucher schon von weitem. An einer steilen Strasse, kurz vor der Kurve steht etwas erhöht das Haus und die Werkstatt von Hipolito Garcia. Schon als Junge erlernte er das Kunsthandwerk der Blechbearbeitung, das er heute mit seinem Sohn ausführt. Zusammen stehen sie in der Werkstatt, in der verschiedene 1.20 Meter hohe Holzstöcke stehen, auf denen das Blech mit dem Hammer getrieben wird. Jeder Punkt der das Blech ziert ist ein Hammerschlag, Ob eine Blume, ein Blatt oder Rankenmuster, einzelne, dutzende oder gar hunderte von Hammerschlägen zieren die Figuren. Bevor das Blech getrieben werden kann, müssen die Formen mit Zirkel und Reissnagel vorgezeichnet werden, danach mit riesigen Blechscheren ausgeschnitten. Je nach Produkten werden die Formen von Hand gebogen und gelötet. Ganz am Schluss der Produktion steht das Bemalen.

Hipolito Garcia und seine Frau Juliana betreiben dieses Gewerbe seit langer Zeit, in den letzten Jahren unterstütz durch Sohn und Schwiegertochter. Die Männer betätigen sich in der Werkstatt während die ruhigen Frauenhände malen. Durch die schwierigen Umstände in den letzten Jahren, durch Streiks und Volksaufstände, sind die Arbeits und Lebensumstände für die Kunsthandwerker in Oaxaca sehr schwierig geworden. Hipolito, dessen Arbeiten sich durch hohe Qualität auszeichnen freut sich sehr über den Arbeitsauftrag der Gebana, vergrössert sich dadurch sein Absatzmarkt und erlauben ihm und seiner Familie eine bessere Perspektive für das Ende des Jahres und auch für Weihnachten. So verhelfen die farbigen Weihnachtbaumanhänger zur doppelten Freude!

Bunter Christbaumschmuck aus Mexiko

Bunter Christbaumschmuck aus Mexiko, fair gehandeltDieser etwas andere Weihnachtsbaum-Schmuck besteht aus acht verschiedenen Motiven aus buntem Blech in  einer farbig verzierten Dose. Das Kunsthandwerk des getriebenen Blechs, welches zuerst in die gewünschte Form geschnitten, dann mit Hammerschlägen verziert und schlussendlich mit Farben bemalt wird.

Weitere Infos: www.gebana.com/weihnachtsgeschenke_aus_fairem_handel.htm

Bio&Fair Weihnachtsgeschenke. Teil1:Keramikfiguren aus Guatemala

Sind Sie auf der Suche nach originellen Weihnachtsgeschenken für Freunde und Bekannte? Wie jedes Jahr haben wir Geschenke aus aller Welt zusammengestellt. Dieses Jahr so viele wie noch nie! In einer Blogserie wollen wir die Geschenke näher vorstellen. Die Serie beginnen wir mit den Keramikfiguren von der Familie Gomez aus Guatemala.

Die Familie Gomez stammt aus Chinautla, welches in den Siebzigerjahren durch ein schreckliches Erdbeben völlig zerstört wurde. Durch internationale Hilfe wurde den Überlebenden als neues Zuhause in Guatemala Stadt das Viertel Chinautla gebaut. Die Bewohner brachten von ihrem alten Zuhause die Kenntnisse und Fähigkeiten des Töpferns mit, welche im neuen Viertel weiterlebten und sich entwickelten.

Hauptabsatzmarkt für die Kunsthandwerkerinnen sind die Händler im Mercado Central in Guatemala Stadt. Per Zufall lernte Peter Höltschi von El Tucan Gladiz Gomez kennen. Sie lernte von ihrer Mutter und Grossmutter das Kunsthandwerk. Zusammen mit ihrer Schwester betreibt sie nun eine Produktion unter eigener Regie, wo die verschiedenen Generationen sich natürlich gegenseitig unterstützen. Peter Höltschi ist der einzige ausländische Kunde von Gladys und ihrer Familie. Durch das ausschalten der Zwischenhändler erhöhte sich der Verdienst der Frauen. Doch ist dies nicht der einzige Pluspunkt dieser Beziehung, denn der Austausch zwischen Produzentin und Endverkäufer, zwischen Guatemaltekin und Schweizer, ist sehr befruchtend für die Kreativität und die Produktion.

Krippenfiguren-Set und Engel

Diese dekorativen Krippenfiguren aus Keramik bestehen einerseits aus einem Krippen-Set mit 12etwa 5 cm grossen Figuren und andererseits aus einem 10 cm grossen Engel mit integriertem Kerzenhalter.

Weitere Infos: www.gebana.com/weihnachtsgeschenke_aus_fairem_handel.htm

Fair gewinnt!

In den letzten Jahren ist der faire Handel weltweit stark gewachsen. Doch während die Umsatzzahlen steigen sollten wir uns fragen: was steckt eigentlich hinter dem Fairen Handel? Wer profitiert davon? Wer legt fest, was “fair” ist? Was hat das Ganze mit uns zu tun? Umfassende Informationen und wie wir im Alltag aktiv werden können findet man unter: www.youngcaritas.ch/fairgewinnt

YoungCaritas

youngCaritas ist eine Plattform zu sozialen Themen, ein Treffpunkt und Netzwerk von Interessierten. youngCaritas ist eine wachsende Gruppe aus jungen Menschen, die zumindest einen kleinen Teil dieser Welt positiv verändern wollen.

Gestern am 22. September erschien ein Artikel über gebana Afrique im St. Galler Tagblatt. Ab heute ist er online verfügbar: http://www.tagblatt.ch/…/art149,717021

Brückenbauer und Marktöffner

Der faire Handel dient als Wachstumstreiber für den Handel mit Mangos aus Westafrika

Niangoloko. Die Zürcher Gebana AG ebnet biologischen und fair gehandelten Mangos aus Westafrika den Weg zu Schweizer Konsumenten.

Text und Bild von Wolf Südbeck-Baur

Lagerchef Mahamadi Traoré weist stolz ins Mango-Lager der Produzenten-Kooperative TON, in dem einige Kisten frische Mangos auf ihre Auslese und Weiterverarbeitung in der Trocknungsanlage warten. Seine Kollegin Fati Ouedraogo ist in dem mit Wellblech gedeckten Lagerraum damit beschäftigt, jede einzelne Frucht von Hand zu drehen und auf ihre Konsistenz hin zu überprüfen; überreife und darum für die Trocknung zu weiche Mangos sortiert sie aus. Die 1991 gegründete Vereinigung von heute 33 Mango-Produzenten in Niangoloko, Burkina Faso, habe ein hartes Stück Arbeit bereits geschafft, sagt TON-Koordinator Issaka Sommandé. Die Kleinbauern schweissten 2007 bereits 25 Tonnen Trockenmangos für den Export nach Europa in Plastikbeutel ein. Im Jahr 2000, als die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Fairhandelsunternehmen Gebana AG begann, waren es zwei Tonnen.

Dank Prämie zur Schule

Laut Issaka bringt die Trockenmango-Produktion den 430 TON-Angestellten – mehrheitlich Frauen – ein Einkommen, das mit umgerechnet Fr. 2.50 pro Tag 20% über dem Jahresdurchschnittseinkommen von 500 Fr. in Burkina Faso liegt. Im Schatten der Bäume auf dem TON-Gelände zeugen die zahlreichen Töffs vom Entwicklungspotenzial der Kleinkredite, welche die Kooperativen-Mitglieder aus einem Fonds ihrer Organisation beziehen können.

Der Leiter der Kooperative unterstreicht, dass die erwirtschafteten Einkünfte inklusive der 24 000 Fr. Prämien den Kooperative-Mitgliedern «ein normales Leben erlauben». Diese Prämien wurden TON 2007 aufgrund des Max-Havelaar-Labels für fairen Handel unter anderem von Coop via Gebana Afrique ausbezahlt. Die Kooperative, bei der 154 Bauernfamilien Mitglied sind, verwendete die Prämie für den Kauf von Schulmaterial, für Impfungen der Kinder gegen Tetanus, Diphterie und Polio sowie für die Anschaffung einer Getreidemühle. Weiter erlaube die Prämie, Finanzreserven zu bilden, um den Unterhalt der Maschinen und der Trocknungsanlagen zu sichern.

Enorme Absatzsteigerung

Das Gedeihen der Kooperative TON ist eng verknüpft mit der Handelspartnerschaft der TON-Mangobauern mit Gebana Afrique. Das Handelsunternehmen mit Sitz in Zürich schlägt eine Brücke zwischen den Bauern und den Konsumenten in der Schweiz. David Heubi, Geschäftsleiter von Gebana Afrique, fungiert dabei als Marktöffner für die Kleinbauernfamilien. «Wir kaufen die Trockenmangos von unseren Partnern – insgesamt arbeiten wir in Burkina mit sechs Kooperativen zusammen – und kümmern uns um den Absatz in Europa, vorab in der Schweiz.» Das Exportvolumen von biologischen und fair gehandelten Mangos sei so innert fünf Jahren mehr als verzehnfacht worden. Diese enorme Steigerung habe vor allem dank dem Einstieg von Schweizer Grossverteilern realisiert werden können.

Wachstum dank Gütesiegel

Die Gebana AG wird 2008 über den Direktversand in der Schweiz mit voraussichtlich 5,5 Tonnen mehr als doppelt so viele Abnehmer für getrocknete Mangos finden als 2006. Einen wichtigen Beitrag zur Realisierung dieses Wachstums – Gebana setzt bewusst auf eine Wachstumsstrategie – sei dem fairen Handel und der Zertifizierung der Mangos mit dem Max-Havelaar-Gütesiegel zu verdanken, sagt Heubi. «Ohne dieses Label hätten wir den Zugang zum Schweizer und europäischen Markt nicht in diesem Ausmass geschafft.»

Gebana um Verwaltungsratspräsident Adrian Widmer freut es um so mehr, als die Erfolgsgeschichte der Mangos belegt, dass der Markt offensichtlich in der Lage ist, wirtschaftliche, ökologische und soziale Werte zu bezahlen; Werte notabene, die Kleinbauernfamilien und lokale Weiterverarbeiter wie die Kooperative TON in Burkina Faso schaffen.

http://www.tagblatt.ch/aktuell/wirtschaft/tb-wi/art149,717021

Zum Thema Wachstum im Fairen Handel diskutierten Ursula Brunner (Gründungsmitglied der Bananenfrauen und der gebana), Robin Cornelius (Social Entrepreneur, Gründer und VR-Präsident von Switcher), Beat Schuhmacher (CEO von claro fair trade) und Markus Schrader (SECO).

Wie bereits im NZZ Artikel erwähnt, wehr sich Ursula Brunner gegen Fairtrade als Modetrend. Dass der faire Handel salonfähig geworden ist, wertet sie zwar als Fortschritt. Nach der Pionierphase sei der faire Handel nun aber institutionalisiert und bürokratisiert worden. Dabei gerate in Vergessenheit, dass Fairtrade eine politische Bewegung sei. Siehe Beitrag vom 20. Mai.

Ganzes Video der Podiumsdiskussion:


Link zu Video: http://blip.tv/file/944746

Die Voten von Ursula Brunner


Link zu Video: http://blip.tv/file/932245

Statements aus der Podiumsdiskussion

Ursula Brunner: Mit den Labels wurde der Faire Handel Institutionalisiert. Die Menschen können heute ganz einfach Max Havelaar Produkte kaufen. Das ist nicht negativ - aber es gibt eine Verflachung, eine Verwässerung. Der Fairer Handel wurde salonfähig. Der Faire Handel hat aber noch eine andere Dimension als nur Wachstum. Der Faire Handel ist nicht eine Institution, die einfach immer grösser werden muss. Der Fairer Handel ist eine Bewegung, er ist ein Weg. Die KonsumentInnen müssen heute neu sensibilisert werden für den Fairen Handel. Der Faire Handel wird einerseits von den ProduzentInnen und ArbeiterInnen im Süden gelebt und auf der anderen Seite sind es die KonsumentInnen in der Schweiz, die Masse, welche dem Fairen Handel zum Erfolg verhelfen. Der Faire Handel ist aber ein System, dass wir KonsumentInnen über die ProduzentInnen im Süden gekippt haben. Es ist nicht von der Produzentenseite gekommen. Es ist etwas völlig fremdes für die Menschen im Süden. Es ist schwierig den Menschen im Süden die Idee des Fairen Handles näher zu bringen, wenn sie sich vorstellen, dass die wenigsten Schreiben und Lesen können. Um zertifiziert zu sein, müssen sie sich organisieren und sich der Zertifizierungsorganisation beugen. Das ist sehr fremd für diese Menschen. Wir müssen uns heute mehr um diese Frage kümmern.

Der Grundgedanke der Bananenfrauenbewegung war: Es braucht mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt. In diesem Sinne müssen wir vorwärts arbeiten. … Fairer Handel muss von der Basis aus gehen. … Der Faire Handel gibt uns Handlungsmöglichkeiten um etwas für die Welt zu tun. Dazu will ich aufmuntern.

Beat Schuhmacher: Es ist wichtig, das Thema Fairen Handel in die öffentliche Agenda zu setzen, mit dem Ziel, neue Konsumenten anzusprechen. Vom Fairtrade als Lifestyle sind wir noch weit weg. Beim Wachstum geht es nicht um den Wachstumswillen, sondern vom Wachstum profitieren vor allem die Kleinbauern im Süden.

Robin Cornelius: Fairtrade, resp. Vernünftig-Trade braucht Zeit. Zu schnelles Wachstum hat keine Wurzeln.

Heute fehlt es vor allem an politischem Engagement. Die Menschen müssen sich bewusst werden, wie ein Produkt hergestellt wird. Wir müssen bewusster leben und bewusster konsumieren. Dazu brauchen wir ein Instrument: die NGOs. Die NGOs sind die Jury, sie bewerten die Produkte, sie machen den Link zwischen den Produzenten und den Konsumenten. Die NGOs sind die weiblichen Polizisten der Wirtschaft. Die Firmen haben eine kurzfristige ökonomische Vision, die NGOs dagegen eine langfristige politische. Es braucht beides: NGOs öffnen der Wirtschaft die Augen. Heute kann es sich kein CEO mehr leisten NGOs zu ignorieren. Die Wirtschaft braucht deshalb einen politischen Auftritt.