| Autor: Janine Rossmann | 8. April 2010 |
Lotti und Josef Stöckli drehen derzeit einen Dokumentarfilm über den Sojaanbau in Brasilien. Dazu haben Sie im März die gebana Brasil und einige Bio-Sojabauern besucht. Dabei entstand das nachfolgende Interview über ihren Film und ihre Arbeit in Capanema.
Die Filme von Lotti und Josef Stöckli haben immer einen sozialen Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die am Rande leben, sich dabei jedoch für ein besseres Leben einsetzen und nicht dem Fatalismus verfallen sind. Das letzte Werk der Stöcklis ist eine Dokumentation über den Kampf der Landlosen in Brasilien. Der Film wurde am Internationalen Nord-Süd-Filmfestival in Genf ausgezeichnet und von verschiedenen europäischen Fernsehsendern ausgestrahlt.
1. Lotti und Josef Stöckli, was ist eure Filmidee?
Wir werden jetzt in der Erntezeit verschiedene Soja-Anbaugebiete Brasiliens besuchen, kleine und grosse. Der biologische Anbau wird ebenso thematisiert wie der gentechnische und der konventionelle. Und dann sollen auch Gegner und Befürworter des RTRS (Round table for sustainable Soy) zu Wort kommen. Welche Botschaft am Schluss im Zentrum steht und wo die Prioritäten gesetzt werden, kann jetzt noch nicht schlüssig gesagt werden, da die Dreharbeiten eben erst begonnen haben.
2. Welche Wichtigkeit hat für euch die Soja-Thematik?
Soja ist eine Wunderbohne, hat aber leider viele Schattenseiten, ökologisch und sozial. In Brasilien wird heute bereits 1/3 der gesamten Ackerfläche mit Soja bebaut, insgesamt etwa 21 Mio ha, und es sollen in den nächsten Jahren noch einige Millionen ha dazukommen. In der Schusslinie sind vor allem der Cerrado und das Amazonasgebiet. Die Sojaexpansion aber führt immer mehr zu Landkonflikten, Vertreibungen und ille
galer Landnahme. Die Bodenkonzentration nimmt zu, der Primärwald wird abgeholzt, Tiere und Pflanzen verschwinden. Der Anbau von Grundnahrungsmitteln geht zurück, die Preise steigen, die lokale Bevölkerung hat das Nachsehen.
Die Schweiz importiert jährlich etwa 250 000 Tonnen Soja für die Herstellung von Futtermitteln, fast alles kommt aus Brasilien. Der Konsument will Fleisch und Eier essen, die nicht gentechnisch vergiftet sind und der brasilianische Soja erfülle diese Voraussetzungen, heisst es. Ob das stimmt ist aber mehr als fraglich: Fachleute sagen, dass im Matto Grosso bereits die Hälfte der Produktion Gen-Soja ist und in Rio Grande do Sul seien es schon über 90%. Im Film soll auch ein Bezug zu den Importländern, u.a. die Schweiz, hergestellt werden.
3. Wie habt ihr die Soja-Produktion der hiesigen Kleinbauern erlebt?
Filmisch konzentrieren wir uns auf die Arbeit eines einzigen Produzenten. Es ist ein Bio-Kleinbauer, der im Gegensatz zu den meisten anderen noch mit der Sichel schneidet. Er bezieht die Samen von der gebana und benützt eine Dreschmaschine, die er nicht an andere Bauern ausleiht. Bei der Ernte hilft die ganze Familie mit und das Jäten erfordert sehr viel Zeit. Was der Gensoja-Produzent mit seinem Glyphosat in einer Stunde an Unkraut vernichtet, dafür braucht der Kleinbauer eine ganze Woche. Er nimmt diese Mehrarbeit gerne auf sich. So stellt er sicher, dass sein Soja nicht genverseucht ist, der Boden bleibt fruchtbar, sein Soja hat eine hohe Qualität und er bekommt einen guten Preis dafür.
4. Was hat euch hier in Capanema am meisten beeindruckt?
Wir sind beeindruckt von der guten Zusammenarbeit zwischen der gebana und den Soja-Kleinbauern. Wir haben verschiedentlich gehört, dass die Institution gebana für sie eine grosse Hilfe ist. Die kleinen Produzenten schätzen es sehr, dass ihre Anliegen ernst genommen werden, dass man ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht und dass sie für ihre Produkte und für ihre Arbeit gerecht entlöhnt werden.
5. Möchtet ihr am Schluss noch etwas anmerken?
Ja, wir möchten der Gebana ganz herzlich danken für die spontane Bereitschaft, uns bei den Dreharbeiten behilflich zu sein. Ohne die permanente Unterstützung und Begleitung wäre die filmische Arbeit nicht möglich gewesen.
Und noch dies: Meinungen, Hinweise und Vorschläge für unser Soja-Filmprojekt sind sehr willkommen: stockli@gmx.ch
| Autor: Hafid Derbal | 22. Januar 2009 |
Es ist heiß an diesem Vormittag in Santa Izabel do Oeste, sehr heiß. Osvaldo Woicheowski ist gerade dabei, mit der Hacke seine Felder von Unkraut zu befreien. Das ist bei 37 Grad zwar mühsam, aber unumgänglich, denn Osvaldo baut biologisch an. Osvaldo und seine Familie leben in einem 13 km entfernten Städtchen, während der Woche arbeitet er jedoch auf dem Land, wo er den Kleinbetrieb der Eltern mittlerweile alleine führt. Die Mutter mache noch ein wenig Käse, der Vater kümmere sich um das Vieh, aber das Alter mache ihnen zunehmend zu schaffen, erzählt Osvaldo.

Osvaldo Woicheowski ist 37 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Santa Izabel do Oeste im Südwesten Brasiliens. Er hat sich vor zehn Jahren entschieden auf Biolandbau umzustellen und produziert seit einigen Jahren Soja, Mais, Bohnen und Weizen für die gebana Brasil. Er ist aktives Mitglied der ASSESOAR, einer brasilianischen NRO, die sich für die Belange der Bauern engagiert.
Die Hitze an diesem Tag ist nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, wohl aber die Trockenheit der letzten Wochen. Der Klimawandel macht dem Biobauer Sorgen: „Wir haben der Natur soviel Gewalt angetan, nun müssen wir alle uns fragen, wo die Ursachen für diese Trockenperioden liegen und endlich Verantwortung übernehmen.”
Aufgrund des ausgebliebenen Regens haben die meisten Bauern in der Gegend Ernteverluste zu beklagen. Osvaldo kann dennoch lächeln: „Die Lage ist ernst, doch es ist nicht alles verloren und wir sind weniger betroffen als andere Familien. Es war damals die richtige Entscheidung, auf Biolandbau umzustellen.” Mit ernster Miene erzählt Osvaldo, dass diejenigen Nachbarn, die konventionelle und gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen gezwungen seien, mit Pestiziden zu arbeiten, die die Erde zusätzlich austrocknen und die Bauern zwingen, noch mehr dieser Mittel einzusetzen. Osvaldo kennt diesen „Teufelskreis”, wie er es selbst nennt, und ist froh, ihn hinter sich gelassen zu haben: „Die Entscheidung biologisch anzubauen, bedeutet für uns mehr Unabhängigkeit. Wir selber können bestimmen, was und wie wir anbauen, können selbstständig planen - und wir produzieren unseren eigenen Dünger! Alles in allem geht es uns besser; wirtschaftlich und gesundheitlich.” Er weiß aber, dass es vielen Bauern nicht leicht fällt biologisch zu produzieren, denn die Umstellung kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Dabei kritisiert er, dass vom Staat immer noch zu wenig in die biologische Landwirtschaft und in Familienbetriebe investiert wird. „Wenn wir als Kleinbetriebe und Biobauer überleben wollen, brauchen wir auch eine grundlegende Bildung in diesem Bereich”, gibt er zu bedenken.
Auf die Frage hin, wie er angesichts des ausbleibenden Regens in den letzten Wochen die Zukunft auf dem Land sieht, erzählt er, dass er in den nächsten Monaten hierhin zurückziehen wird: „Die nächste Stadt ist nur wenige Kilometer entfernt und meine Töchter können es kaum erwarten, wieder auf dem Land zu leben. Es wird schon alles gut gehen und diese Woche soll es auch wieder regnen. Hier sagen wir, der Regen kommt nie zu spät.” Und tatsächlich: Seit einigen Tagen regnet es wieder im Südwesten Paranás.
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| Autor: Sandra Dütschler | 19. Dezember 2008 |
Mittlerweile hat die Vereinigung 28 Mitglieder. Seit 2001 kauft die Gebana unsere Bananen, um sie zu trocknen und in Europa zu verkaufen. Eigentlich sollten wir den Trocknungsvorgang selbst übernehmen, doch damit gab es Schwierigkeiten. Zurzeit werden unsere Bananen von einem kleinen Unternehmen in einer naheliegenden Ortschaft getrocknet, aber wir möchten dies gerne wieder selber machen - so bleibt die Arbeit und der Ertrag im Dorf. Die Gebana hat uns ihre Unterstützung zugesagt und wenn alles gut geht, produzieren wir bald in Rio Verde.
![]() Das Dorf Rio Verde |
![]() Ein Teil der Mitglieder der Associacao von Rio Verde |
![]() Versammlung der Vereinigung der Bauernkooperative |
![]() Antonio bei der Versammlung |
Der faire Handel hilft uns, dass wir von unserer Arbeit leben können und wir hoffen, dass so auch die nächste Generation in der Gemeinde bleibt. Aber die Bürokratie für die Zertifizierung bereitet uns grosse Schwierigkeiten. In der Associação teilen wir uns die Arbeit auf, jeder übernimmt freiwillig einen Teil. Das führt allerdings dazu, dass niemand den Überblick hat. Auch die Kommunikation war lange ein Problem, da unser Dorf sehr abgelegen liegt, wir die Post in der Stadt abholen müssen und wir nur ein einziges öffentliches Telefon haben. Aber die Situation verbessert sich stetig, seit neuestem funktionieren hier Mobiltelefone und bald soll es auch einen Internetanschluss geben. Ich selbst bin Lehrer an der Dorfschule, meine Bananenpflanzung betreibe ich nebenbei. Dabei helfen mir meine Frau Maria und meine fünf Kinder. Ausser mein ältester Sohn Erasmo, der ist in die Stadt gezogen und arbeitet jetzt in Paranaguá im Hafen.
![]() Bananenhain in Rio Verde |
![]() Bananenstaude |
Die Vielfalt an Bananensorten hier ist gross. Sie haben Namen wie ‚Silberbanane’ und ‚Goldbanane’, ‚Schwarze’ und ‚Graue Banane’. Ausserdem gibt es die ‚Erdbanane’, die ‚Apfelbanane’ und die ‚Schelmbanane’. Angebraten, gekocht oder gestampft verwenden wir die verschiedenen Sorten bei der Zubereitung von Speisen. Allerdings schätzen viele Leute in unserer Gegend die Banane als Nahrungsmittel nicht sonderlich, wahrscheinlich weil sie im Überfluss vorhanden ist. Ich sehe das anders: Die Banane ist eines der nährstoffreichsten Lebensmittel überhaupt. Deswegen esse ich jeden Tag mindestens eine Banane roh.”
Die Bananenpflanzer Antonio (rechts) und Ademir zu Besuch bei der Gebana Brasil in Capanema
Die getrockneten Bio&Fair Bananen von der Bauernkooperative Rio Verde sind über den gebana bio&fair Direktversand erhältlich.