In der aktuellen Ausgabe von Beobachter Natur ist ein Portrait über Ursula Brunner erschienen:

http://www.beobachter.ch/natur/natuerlich-leben/artikel/fairtrade_die-bananenfrau/

Gedanken zum fairen Handel

Gerechtigkeit

Gerechtigkeit für alle Menschen war für uns von Anfang an nicht nur eine Vision und ein Ziel für unsere Arbeit, sondern auch die Kraft, die unser Handeln bestimmte. Schon früh erkannten wir aber, dass wir nicht sagen können: ‚Hier haben wir ein gerechtes Produkt, für das wir einen gerechten Preis bezahlen’. Wir haben immer nur mit grosser Behutsamkeit den Begriff Gerechtigkeit in den Mund genommen. Wir erkannten, dass das, was wir zu erreichen versuchten, mit Gerechtigkeit etwas zu tun hatte, aber noch lange nicht wirklich Gerechtigkeit war.

Mein Traum

Hunger und Armut sind nicht Schicksal. Millionen reicher Menschen kaufen und geniessen Güter, für deren Herstellung die Menschen der Dritten Welt nur einen Hungerlohn erhalten.
Wenn ich von Gerechtigkeit spreche, geht es um die Veränderung der Lebenssituation benachteiligter Menschen. In meinem Traum verhandeln alle, die an der Produktion und dem Handel eines Produktes beteiligt sind, die Preise, Margen und Kosten. Am Ende würde es keine Grossverdiener geben, aber auch keine Verlierer. Es würde jeder erhalten, was er braucht.

Auf dem Weg

Gerechter Handel ist eine Gratwanderung. Er bedeutet gerade für kleine Unternehmen wie die gebana ag immer wieder finanzielle Engpässe und Durststrecken. Es ist ein langer Prozess, für alle Beteiligten gerechte Ausgangslagen zu schaffen. Er erfordert viel Geduld und kommt oft nicht ohne Kompromisse aus.
Dabei ist es wichtig, zum Unvollendeten zu stehen und zugleich die Menschen zum Tun des Vorläufigen zu ermutigen. Für uns war die Frage nach dem gerechten Preis, dem gerechten Handel, immer ein Prozess geblieben und die Frage nach der Gerechtigkeit ein Weg.

Hoffnung

Auch wenn wir mit der Arbeit für einen Fairen Handel oft an Grenzen stossen, ist es notwendig, diese Bestrebungen fortzuführen. Jeder Schritt in diese Richtung, gibt Menschen Hoffnung auf eine gerechtere Welt. Wir KonsumentInnnen sind die letzten Glieder in einer langen Kette und haben als solche konkrete Möglichkeiten, vieles zu bewegen.
Es braucht noch sehr viel mehr, mehr Menschen, mehr Bewusstsein, mehr Bereitschaft, mehr Kenntnisse, mehr Tatkraft und mehr Hoffnung, etwas bewirken zu können, damit mehr Gerechtigkeit möglich wird. Gerechter Handel ist eine Hoffnung, die wir nie aufgeben dürfen.

Ursula Brunner, Pionierin des Fairen Handels
Gedanken aus den Jahren 1994-2008

Reise zu ProduzentInnen mit Ursula Brunner

Voranzeige für Gruppenreise

terrafair* fördert den Fairen Handel durch Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und gibt u.a. ein Magazin heraus für Nachhaltigkeit in Produktion, Handel und Konsum.

*terrafair ist die Nachfolgeorganisation der Arbeitsgemeinschaft für Gerechten Bananenhandel (Verein gebana).

Im Rahmen dieser Arbeit plant terrafair im März 2009 eine Gruppenreise in die Dominikanische Republik durchzuführen, mit dem Schwerpunkt :

Produzenten und Konsumenten begegnen sich

Die Reise bietet die Möglichkeit, an der Basis der Kakaoproduktion die Arbeit der Kleinproduzenten kennen zu lernen, die vielfältigen Probleme und Schwierigkeiten, sowie den Nutzen der fairen Produktion und des Handels mitzuerleben. Wir erfahren etwas über ihre Lebensbedingungen und über die Projekte, die sie realisieren möchten.

Die Begegnungspunkte finden vor allem in der Kakao-, sowie in der Kaffee- und Bananenproduktion statt. Wir werden Zeit haben zur Diskussion untereinander und für Gespräche mit einheimischen Menschen.

“Wir werden die Schönheit des Landes geniessen können und etwas über die Geschichte und Kultur des Landes erfahren. Die Reise soll abgeschlossen werden mit einigen Ruhetagen am Meer. Wir stellen uns für diese Reise, die ca 12 Tage dauern wird, 10 - 12 TeilnehmerInnen vor.”

Genauere Auskünfte über das Programm der Reise sind ab anfangs Dezember 2008 erhältlich, und unverbindliche Anmeldungen können Sie ab sofort richten an :

Ursula Brunner, terrafair
Freie Str. 10, 8500 Frauenfeld
Tel. 052 720 17 48 pr. / 052 722 45 39 g (nur vormittags)
Email: Ursula Brunner

10 Jahre gebana: Ein Grund zum Feiern!

Dass es die gebana AG heute, 10 Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1998, noch immer gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Gestählt in einem schwierigen Marktumfeld und gestärkt durch zahlreise Krisen steht das Fundament der gebana nun aber stabiler als je zuvor, was bedeutet, dass wir nicht nur überlebt haben, sondern auch zuversichtlich in die Zukunft blicken können und bereit sind den fairen Handel in den kommenden Jahren weitere wichtige Schritte vorwärts zu bringen. Und die gebana wäre nicht die gebana, wenn sie diese Tatsache nicht als Anlass für eine würdige Geburtstagsfeier mit ihren Freunden und Partnern, Aktionären und Unterstützern, sowie den gegenwärtigen und ehemaligen Mitarbeiten genommen hätte. So trafen sich am Samstag, 13. September 2008, rund 160 Personen im Eisenwerk in Frauenfeld, um im gemütlichen Rahmen drei spannenden Reden zu lauschen, ein feines Abendessen zu geniessen und daraufhin bei Live-Musik Gedanken auszutauschen oder gar das Tanzbein zu schwingen.

Die gesamte gebana Crew, inkl. ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Mit einem Vortrag über die ethischen Grundlagen des Fairen Handels wandte sich Ethikprofessor Prof. Dr. Hans Ruh nach dem Apéro (mit feinen gebana-Cashewnüssen) an die Gäste. Entscheidend sei nicht nur der Wille Gutes zu tun, so Prof. Ruh, sondern dieser Wille so in die Tat umzusetzen, dass er in unserem System die grösstmögliche Wirkung entfalten kann. Daraus lasse sich die kontroverse Handlungsdevise „Tue Gutes, sprich darüber und verdiene Geld damit!” ableiten. (Bücher von Hans Ruh: Die Zukunft ist ethisch - oder gar nicht, und Ethik im Management)

Als Zweiter trat gebana-Mitgründer und Verwaltungsrat Peter Teuscher ans Rednerpult. Er bemerkte, dass nur 44 % der neu gegründeten Handelsunternehmen die ersten 10 Jahre überleben und betonte sogleich, weshalb die gebana zu dieser erfolgreichen Minderheit gehöre: „Die Erfolgsfaktoren der gebana waren und sind die Menschen in der Produktion, in den Produktions gebanas und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gebana Schweiz. Hinzu kommt die Ausdauer und das nötige Geld.”

Nach einem stärkenden Abendessen schloss Ursula Brunner den offiziellen Teil der Geburtstagsfeier mit einer bewegenden Rede ab. Dabei erinnerte Sie an die ideelen Wurzeln der gebana, die im von ihr und ihren Frauenfelder-„Bananenfrauen” in den 70er Jahren begonnen Kampf gegen die herrschenden Ungerechtigkeiten im Nord-Süd Handel zu finden sind (die Geschichte dieses Kampfes gibt es in Buchform - „Bananenfrauen” von Ursula Brunner - und ist im Webshop erwerbbar).

Die drei Reden regten zum Diskutieren an, wozu der gemütliche Teil des Abends auch reichlich genutzt wurde. Und so war die Nacht schon weit fortgeschritten als die Letzten die Feier verliessen, einig in der Überzeugung, dass die gebana in 10 Jahren wieder Grund für ein solches Fest haben soll.

Herzlichen Dank an Alle fürs kommen und die tolle Stimmung!

Adrian Widmer, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer Peter Teuscher, Verwaltungsratsmitglied und Grundungsmitglied Ethikprofessor Prof. Dr. Hans Ruh Ursula Brunner, Gründerin der Bananenfrauen und der gebana
Ethikprofessor Prof. Dr. Hans Ruh
     

Bananenfrauen Teil 2: Bewusstseins-Bildung der KonsumentInnen

Fortsetzung zur Serie “Die Geschichte der Bananenfrauen und der gebana”:

Teil 1 Der Entschluss zu handeln

Oktober 1973: Bananen-Aktionstag

Im Oktober 1973 führten die sogenannten Bananenfrauen eine Aktion durch, die der Beginn eines jahrelangen Einsatzes für mehr Gerechtigkeit im Bananenhandel werden sollte. Ausgerüstet mit einer eigens verfassten Bananenzeitschrift und Leiterwagen gefüllt mit Bananen zogen sie durch die Strassen von Frauenfeld und regten die Passanten mit folgender Einstiegsfrage zu Gesprächen und Gedanken an: „Haben Sie auch schon darüber nachgedacht, warum Bananen so billig sind?”

Mit der Zeit kristallisierte sich eine Gruppe von sieben Frauen heraus, die den Kern der Bananenarbeit bildeten und regelmässige Sitzungen durchführten. Sie gaben sich den Namen „Schweizerische Bananen- Aktion”. Das Ziel dabei war die Bewusstseins-Bildung der KonsumentInnen. 1976 erhielten die Bananenfrauen für ihre Arbeit den Schalompreis des Christlichen Friedensdienstes.

1974: erste Solidaritätsbananen

1974 verkaufte in St.Gallen der erste Detailhändler Bananen mit einem Solidaritätsaufpreis von 15 Rappen. In der Folge wurden von 1974 bis 1985 in ca. 100 Lebensmittelgeschäften in der Schweiz Chiquita- oder Dole-Bananen mit diesem Solidaritätsbeitrag verkauft. Dabei kam eine Summe von 117′350 Fr. zusammen.

Ab 1976: Informations-Reisen

Um eine wirklich glaubwürdige und fundierte Informationsarbeit leisten zu können, unternahm Ursula Brunner 1976 die erste Reise nach Zentralamerika. Im Laufe der Jahre folgten unzählige weitere Reisen. Dabei verfolgte Ursula Brunner den ganzen Weg der Bananenproduktion und des -handels und traf sich und diskutierte mit unzähligen Personen der Bananenbranche. So wurde sie je länger je mehr zur “Bananenspezialistin”. Dabei war es ihr wichtig, die Situation der ArbeiterInnen in den Plantagen kennen zu lernen, aber auch mit den Produzenten und Importeuren in gutem Kontakt zu stehen.

Bananenfrauen Teil 1: Der Entschluss zu handeln

Die gebana ag feiert 2008 ihr 10-jähriges Bestehen – aus diesem Anlass möchten wir auf die Wurzeln der gebana zurückschauen, die in der Bewegung der Bananenfrauen liegen.

Januar 1973: „Bananera Libertad“

Man könnte an vielen Punkten ansetzen; ausschlaggebend war aber sicher der Film von Peter von Gunten „Bananera Libertad“, welcher die Gegensätze zwischen den harten Bedingungen in den Bananenplantagen und den billigen Bananen, die in Europa verkauft wurden und werden, aufzeigt. Im Rahmen eines Frauen- Diskussionsabends schaute sich eine Gruppe von Frauen in Frauenfeld diesen Film im Januar 1973 an. Einige unter ihnen waren danach so erschüttert, dass sie die Entscheidung fassten, etwas gegen diese ungerechten Umstände zu unternehmen.

Missgestaltetes Mädchen einer Bananenplantage

Februar 1973: Brief an die Migros

Wie es der Zufall wollte, proklamierte die Migros im Februar 1973 das sogenannte Bananenwunder: „Dank“ der Dollarabwertung kosteten die Bananen pro Kilo nur noch Fr. 1.35 statt 1.50. Dies inspirierte die aufgerüttelten Frauen zu konkretem Handeln. In einem ersten Schritt wurde ein Brief an die Migros verfasst: Anstatt die Bananen um 15 Rappen billiger zu verkaufen, könnten diese in Entwicklungsprojekte in Zentralamerika investiert werden.

Doch die Migros war nicht empfänglich für solche Ideen, weder bei diesem ersten Versuch, noch bei verschiedenen weiteren Anläufen, welche die Frauen in den folgenden Jahren unternahmen. Auf die Ablehnung der Migros reagierten die Frauen mit einer witzigen Aktion: Mit der breitgestreuten Aufforderung, die 15 Rappen der Migros zurückzusenden. So wurde die Migros mit vielen Einzahlungen von 15, 30 oder 45 Rappen belästigt, begleitet vom Vermerk „Bananengeld, es gehört nicht uns, wir wollen es nicht“.