| Autor: Nicolas Blanchard | 5. Mai 2009 |
In der aktuellen Ausgabe von Beobachter Natur ist ein Portrait über Ursula Brunner erschienen:
http://www.beobachter.ch/natur/natuerlich-leben/artikel/fairtrade_die-bananenfrau/
| Autor: Seraina Peña | 3. November 2008 |
Gerechtigkeit
Gerechtigkeit für alle Menschen war für uns von Anfang an nicht nur eine Vision und ein Ziel für unsere Arbeit, sondern auch die Kraft, die unser Handeln bestimmte. Schon früh erkannten wir aber, dass wir nicht sagen können: ‚Hier haben wir ein gerechtes Produkt, für das wir einen gerechten Preis bezahlen’. Wir haben immer nur mit grosser Behutsamkeit den Begriff Gerechtigkeit in den Mund genommen. Wir erkannten, dass das, was wir zu erreichen versuchten, mit Gerechtigkeit etwas zu tun hatte, aber noch lange nicht wirklich Gerechtigkeit war.
Mein Traum
Hunger und Armut sind nicht Schicksal. Millionen reicher Menschen kaufen und geniessen Güter, für deren Herstellung die Menschen der Dritten Welt nur einen Hungerlohn erhalten.
Wenn ich von Gerechtigkeit spreche, geht es um die Veränderung der Lebenssituation benachteiligter Menschen. In meinem Traum verhandeln alle, die an der Produktion und dem Handel eines Produktes beteiligt sind, die Preise, Margen und Kosten. Am Ende würde es keine Grossverdiener geben, aber auch keine Verlierer. Es würde jeder erhalten, was er braucht.
Auf dem Weg
Gerechter Handel ist eine Gratwanderung. Er bedeutet gerade für kleine Unternehmen wie die gebana ag immer wieder finanzielle Engpässe und Durststrecken. Es ist ein langer Prozess, für alle Beteiligten gerechte Ausgangslagen zu schaffen. Er erfordert viel Geduld und kommt oft nicht ohne Kompromisse aus.
Dabei ist es wichtig, zum Unvollendeten zu stehen und zugleich die Menschen zum Tun des Vorläufigen zu ermutigen. Für uns war die Frage nach dem gerechten Preis, dem gerechten Handel, immer ein Prozess geblieben und die Frage nach der Gerechtigkeit ein Weg.
Hoffnung
Auch wenn wir mit der Arbeit für einen Fairen Handel oft an Grenzen stossen, ist es notwendig, diese Bestrebungen fortzuführen. Jeder Schritt in diese Richtung, gibt Menschen Hoffnung auf eine gerechtere Welt. Wir KonsumentInnnen sind die letzten Glieder in einer langen Kette und haben als solche konkrete Möglichkeiten, vieles zu bewegen.
Es braucht noch sehr viel mehr, mehr Menschen, mehr Bewusstsein, mehr Bereitschaft, mehr Kenntnisse, mehr Tatkraft und mehr Hoffnung, etwas bewirken zu können, damit mehr Gerechtigkeit möglich wird. Gerechter Handel ist eine Hoffnung, die wir nie aufgeben dürfen.
Ursula Brunner, Pionierin des Fairen Handels
Gedanken aus den Jahren 1994-2008
| Autor: Nicolas Blanchard | 29. Oktober 2008 |
Voranzeige für Gruppenreise
terrafair* fördert den Fairen Handel durch Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und gibt u.a. ein Magazin heraus für Nachhaltigkeit in Produktion, Handel und Konsum.
*terrafair ist die Nachfolgeorganisation der Arbeitsgemeinschaft für Gerechten Bananenhandel (Verein gebana).
Im Rahmen dieser Arbeit plant terrafair im März 2009 eine Gruppenreise in die Dominikanische Republik durchzuführen, mit dem Schwerpunkt :
Die Reise bietet die Möglichkeit, an der Basis der Kakaoproduktion die Arbeit der Kleinproduzenten kennen zu lernen, die vielfältigen Probleme und Schwierigkeiten, sowie den Nutzen der fairen Produktion und des Handels mitzuerleben. Wir erfahren etwas über ihre Lebensbedingungen und über die Projekte, die sie realisieren möchten.
Die Begegnungspunkte finden vor allem in der Kakao-, sowie in der Kaffee- und Bananenproduktion statt. Wir werden Zeit haben zur Diskussion untereinander und für Gespräche mit einheimischen Menschen.
“Wir werden die Schönheit des Landes geniessen können und etwas über die Geschichte und Kultur des Landes erfahren. Die Reise soll abgeschlossen werden mit einigen Ruhetagen am Meer. Wir stellen uns für diese Reise, die ca 12 Tage dauern wird, 10 - 12 TeilnehmerInnen vor.”
Genauere Auskünfte über das Programm der Reise sind ab anfangs Dezember 2008 erhältlich, und unverbindliche Anmeldungen können Sie ab sofort richten an :
Ursula Brunner, terrafair
Freie Str. 10, 8500 Frauenfeld
Tel. 052 720 17 48 pr. / 052 722 45 39 g (nur vormittags)
Email: Ursula Brunner
| Autor: Seraina Peña | 7. Oktober 2008 |
Um der Bananenbewegung mehr Gewicht zu verleihen, wurde 1988 der Verein gebana - Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel - gegründet. Die gebana feiert 2008 also ein doppeltes Jubiläum: 10 Jahre gebana ag und 20 Jahre Vereinsgründung gebana.
Von Ruedi Looser, Grafiker aus Basel, erhielt die gebana ein bedeutungsvolles Geschenk: ein Poster, welches eine Bananenbrücke von der EU nach Zentralamerika darstellt, auf welcher sich Menschen entgegengehen. Die Brücke vom Bauern zu Ihnen ist auch heute noch das Logo der gebana.
1992: Max Havelaar
Die grossen Schweizer Hilfswerke gründen die Stiftung Max Havelaar. Der „gerechte Handel” erhält allgemeine Bekanntheit und Akzeptanz. Leider wurden die Bananenfrauen bei dieser Gründung in keiner Weise miteinbezogen.
1993 Pablitos
Die Nica-Bananen waren schon von Anfang an mit Problemen behaftet - schlechte Qualität, unregelmässige Lieferungen, etc.. Schliesslich läutete der Machtwechsel in Nicaragua 1990 das Ende der unabhängigen Bananenproduktion ein. Die neue Hoffnung unabhängiger Produzenten fand sich in Costa Rica: Ab 1993 hiessen die Solidaritätsbananen mit einem Aufpreis von 15 Rappen Pablitos.
Ab 1994 verkauften auch die Volg-Läden die Pablito- Bananen mit dem Solidaritätsbeitrag.
1997 wurden Max Havelaar-zertifizierte Bananen aus Ecuador auf den Markt gebracht. Die Pablitos waren jedoch ein Sorgenkind geblieben und konnten letztlich nicht mehr unabhängig produziert werden. So legten die Bananenfrauen ihre jahrelange Bananen- Arbeit nieder.
1998: gebana ag
Und doch ging es weiter, anfänglich nur in den Köpfen, doch im August 1998 wurde der Aufbruch zu neuen Ufern gewagt: Mit einem Aktienkapital von Fr. 150′000.- fand in Frauenfeld die Gründung der gebana ag statt. So wurde ein Instrument geschaffen, um den fairen Handel von der Produktion über die Vermarktung bis zu den KonsumentInnen vorwärts bringen zu können.
| Autor: Seraina Peña | 30. September 2008 |
Fortsetzung zur Serie “Die Geschichte der Bananenfrauen und der gebana”:
Teil 1 Der Entschluss zu handeln
Teil 2 Bewusstseinsbildung der KonsumentInnen
Nebst der Informationsarbeit in der Schweiz sollten auch praktische Schritte hin zu einer “fairen” Banane folgen. Dies beinhaltete die Suche nach unabhängigen Produzenten. Denn der ganze Bananenmarkt wurde von den drei nordamerikanischen Firmen Chiquita Co., Standard Fruit Co. und Del Monte beherrscht.
Die ersten unabhängig produzierten Bananen, die im Rahmen der Bananenarbeit verkauft werden konnten waren die sogenannten Nica- Bananen. Da die USA 1985 das Handelsembargo gegen Nicaragua verhängte, brauchte dieses Land dringend einen alternativen Absatzmarkt. Die Einführung der Nica-Bananen fand durch eine Verkaufsaktion statt, die in Zusammenarbeit der Bananenfrauen mit OS3, der Organisation Schweiz-Dritte Welt organisiert wurde. OS3 war an dieser Zusammenarbeit interessiert, da die Dritte-Welt-Läden Nica-Bananen mit einem Solidaritätsaufpreis verkaufen wollten. Im Anschluss wurden die Nica-Bananen in Dritte-Welt-Läden und Reformhäusern mit einem Solidaritätsaufpreis von 10 Rappen verkauft Der Erlös aus dem 10- Rappen-Aufpreis wurde zur Hälfte für die Informationsarbeit der Bananenfrauen verwendet, zur andern Hälfte für einen Solidaritätsfonds.
Auch in Deutschland wurden Nica-Bananen mit dem Solidaritätsaufpreis verkauft - dies in guter Zusammenarbeit mit der Schweiz und mit einem gemeinsamen Solidaritätsfonds. Die Projekte, die mit letzterem realisiert werden konnten, wurden in Zusammenarbeit mit Oxfam Belgien durchgeführt. Es handelte sich dabei unter anderem um das Einrichten von Gesundheitszentren und Kindertagesstätten für die PlantagenarbeiterInnen.
Ambulanz, die mit Hilfe des Solidaritätsfonds finanziert wurde.
Auf Wunsch der Gewerkschaft wurde 1990 auch der Sesamanbau unterstützt. Zur Erntezeit war jedoch der Sesampreis zusammengebrochen. So kaufte Oxfam die ganze Sesamernte zu einem kostendeckenden Preis und stellte daraus Sesamriegel her. Die Barrita- Riegel, die Sie auch heute noch bei der gebana kaufen können, waren entstanden.
| Autor: Seraina Peña | 12. September 2008 |
Fortsetzung zur Serie “Die Geschichte der Bananenfrauen und der gebana”:
Teil 1 Der Entschluss zu handeln
Im Oktober 1973 führten die sogenannten Bananenfrauen eine Aktion durch, die der Beginn eines jahrelangen Einsatzes für mehr Gerechtigkeit im Bananenhandel werden sollte. Ausgerüstet mit einer eigens verfassten Bananenzeitschrift und Leiterwagen gefüllt mit Bananen zogen sie durch die Strassen von Frauenfeld und regten die Passanten mit folgender Einstiegsfrage zu Gesprächen und Gedanken an: „Haben Sie auch schon darüber nachgedacht, warum Bananen so billig sind?”
Mit der Zeit kristallisierte sich eine Gruppe von sieben Frauen heraus, die den Kern der Bananenarbeit bildeten und regelmässige Sitzungen durchführten. Sie gaben sich den Namen „Schweizerische Bananen- Aktion”. Das Ziel dabei war die Bewusstseins-Bildung der KonsumentInnen. 1976 erhielten die Bananenfrauen für ihre Arbeit den Schalompreis des Christlichen Friedensdienstes.
1974 verkaufte in St.Gallen der erste Detailhändler Bananen mit einem Solidaritätsaufpreis von 15 Rappen. In der Folge wurden von 1974 bis 1985 in ca. 100 Lebensmittelgeschäften in der Schweiz Chiquita- oder Dole-Bananen mit diesem Solidaritätsbeitrag verkauft. Dabei kam eine Summe von 117′350 Fr. zusammen.
Um eine wirklich glaubwürdige und fundierte Informationsarbeit leisten zu können, unternahm Ursula Brunner 1976 die erste Reise nach Zentralamerika. Im Laufe der Jahre folgten unzählige weitere Reisen. Dabei verfolgte Ursula Brunner den ganzen Weg der Bananenproduktion und des -handels und traf sich und diskutierte mit unzähligen Personen der Bananenbranche. So wurde sie je länger je mehr zur “Bananenspezialistin”. Dabei war es ihr wichtig, die Situation der ArbeiterInnen in den Plantagen kennen zu lernen, aber auch mit den Produzenten und Importeuren in gutem Kontakt zu stehen.
| Autor: Seraina Peña | 5. September 2008 |
Die gebana ag feiert 2008 ihr 10-jähriges Bestehen – aus diesem Anlass möchten wir auf die Wurzeln der gebana zurückschauen, die in der Bewegung der Bananenfrauen liegen.
Januar 1973: „Bananera Libertad“
Man könnte an vielen Punkten ansetzen; ausschlaggebend war aber sicher der Film von Peter von Gunten „Bananera Libertad“, welcher die Gegensätze zwischen den harten Bedingungen in den Bananenplantagen und den billigen Bananen, die in Europa verkauft wurden und werden, aufzeigt. Im Rahmen eines Frauen- Diskussionsabends schaute sich eine Gruppe von Frauen in Frauenfeld diesen Film im Januar 1973 an. Einige unter ihnen waren danach so erschüttert, dass sie die Entscheidung fassten, etwas gegen diese ungerechten Umstände zu unternehmen.
Missgestaltetes Mädchen einer Bananenplantage
Februar 1973: Brief an die Migros
Wie es der Zufall wollte, proklamierte die Migros im Februar 1973 das sogenannte Bananenwunder: „Dank“ der Dollarabwertung kosteten die Bananen pro Kilo nur noch Fr. 1.35 statt 1.50. Dies inspirierte die aufgerüttelten Frauen zu konkretem Handeln. In einem ersten Schritt wurde ein Brief an die Migros verfasst: Anstatt die Bananen um 15 Rappen billiger zu verkaufen, könnten diese in Entwicklungsprojekte in Zentralamerika investiert werden.
Doch die Migros war nicht empfänglich für solche Ideen, weder bei diesem ersten Versuch, noch bei verschiedenen weiteren Anläufen, welche die Frauen in den folgenden Jahren unternahmen. Auf die Ablehnung der Migros reagierten die Frauen mit einer witzigen Aktion: Mit der breitgestreuten Aufforderung, die 15 Rappen der Migros zurückzusenden. So wurde die Migros mit vielen Einzahlungen von 15, 30 oder 45 Rappen belästigt, begleitet vom Vermerk „Bananengeld, es gehört nicht uns, wir wollen es nicht“.
| Autor: Nicolas Blanchard | 20. Mai 2008 |
Am Montag 19. Mai 2008 erschien in der NZZ ein Portrait über Ursula Brunner, die Gründungsmutter der gebana und Aktivistin für den fairen Handel.
http://www.nzz.ch/…/fairer_handel_darf_nicht_zum_blossen_lifestyle_verkommen.html
In diesem Artikal wehrt sich Ursula Brunner gegen Fairtrade als Modetrend. Dass der faire Handel salonfähig geworden ist, wertet sie zwar als Fortschritt. Nach der Pionierphase sei der faire Handel nun aber institutionalisiert und bürokratisiert worden. Dabei gerate in Vergessenheit, dass Fairtrade eine politische Bewegung sei. Damit es den Menschen im Süden besser geht, braucht es auch politische Rahmenbedingungen. “Fairer Handel darf nicht zum blossen Lifestyle verkommen”, sagt Ursula Brunner.
Zum Artikel in der NZZ gibt es noch eine Richtigstellung:
Falsch ist: “Wenig später hörten die Pionierinnen der Gebana AG auf und übergaben 1997 ihr Unternehmen für fairen Handel jüngeren Generationen. Diese führen heute die Firma unter dem Namen Terrafair weiter.”
Richtig ist: Die gebana AG heisst noch immer gebana AG. Unter dem Namen Terrafair formierte sich der ehemalige Verein gebana neu. Sie vertretten heute die KonsumentInnensicht im Fairen Handel. Sie leisten aktive Informations- und Bildungsarbeit zum Fairen Handel, recherchieren zu Produktionsbedingungen, Handelsmechanismen und Konsum und machen dieses Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugängig.
Anmerken wollen wir, dass die Journalistin Dorothee Vögeli trotz der Bitte von Ursula Brunner und der gebana nichts zu privaten Themen zu schreiben, es nicht sein lassen konnte.