Archiv für April 2010

Zu Ostern konnten unsere Schweizer KundInnen ein Bio-Lamm von der Familie Flepp aus Curaglia im Bündnerland bestellen. Bauer Marius Flepp berichtet von der Zusammenarbeit:

Biohof Flepp, Curaglia

Anfangs Jahr wurde ich angefragt ob ich interessiert wäre, meine Biolämmer als Osterlämmer über die Gebana Zürich zu vermarkten. Zuerst musste ich mir Klarheit verschaffen und mich orientieren was hinter den Namen „Gebana” steht. Ein kurzer Besuch auf die Hompage, und mir war klar, dass Gebana eine gute und seriöse Organisation ist. So stimmte ich der Anfrage gerne zu. Kurz darauf besuchte Simon Brassel unseren Betrieb um die Herkunft der Lämmer kennenzulernen.

Das Organisatorische verlief schnell und reibungslos. Die Zusammenarbeit mit Gebana war angenehm und sehr professionell. Bio und fair wird nicht nur propagiert, sondern auch gelebt. Um den Kunden gerecht zu werden, wurden wir durch Sandra Dütschler auf jedes kleinste Detail aufmerksam gemacht. Gebana organisierte die Bestellungen, stellte das Verpackungsmaterial, Adressen und Frankatur zur Verfügung, was uns die Arbeit sehr vereinfachte.

Lämmer der Familie Flepp

Dieses neue Angebot fand bei den Kunden von Gebana grossen Anklang und so wurden wir, sehr zu unserer Freude, von der Anzahl Bestellungen regelrecht überrumpelt. Da der Dorfmetzger in der Osterwoche nicht so viel Kapazität hatte, mussten wir einen Teil der Bestellungen um eine Woche vordatieren. Zum Glück waren einige Kunden damit einverstanden. Leider klappte diese erste Sendung nicht überall optimal. Die Poststelle in Curaglia, die um solche Aufträge froh ist, hat die Pakete sehr sorgfältig verladen. Doch leider war dies in der Verteilzentrale nicht immer der Fall. Einige Etiketten wurden offenbar zerrissen, was die rechtzeitige Auslieferung verzögerte. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Nachdem Gebana mit der Post nochmal Kontakt aufgenommen hat, klappte die zweite Sendung zu unserer Zufreidenheit.

Familie Flepp

An diesem Projekt hatten wir grosse Freude, sind um einige Erfahrungen reicher geworden und hoffen, dass auch die Kunden mit unserem Lammfleisch zufrieden sind. Herzlichen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüssen Familie Marius Flepp

Lotti und Josef Stöckli drehen derzeit einen Dokumentarfilm über den Sojaanbau in Brasilien. Dazu haben Sie im März die gebana Brasil und einige Bio-Sojabauern besucht. Dabei entstand das nachfolgende Interview über ihren Film und ihre Arbeit in Capanema.

Die Filme von Lotti und Josef Stöckli haben immer einen sozialen Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die am Rande leben, sich dabei jedoch für ein besseres Leben einsetzen und nicht dem Fatalismus verfallen sind. Das letzte Werk der Stöcklis ist eine Dokumentation über den Kampf der Landlosen in Brasilien. Der Film wurde am Internationalen Nord-Süd-Filmfestival in Genf ausgezeichnet und von verschiedenen europäischen Fernsehsendern ausgestrahlt.

1. Lotti und Josef Stöckli, was ist eure Filmidee?

Wir werden jetzt in der Erntezeit verschiedene Soja-Anbaugebiete Brasiliens besuchen, kleine und grosse. Der biologische Anbau wird ebenso thematisiert wie der gentechnische und der konventionelle. Und dann sollen auch Gegner und Befürworter des RTRS (Round table for sustainable Soy) zu Wort kommen. Welche Botschaft am Schluss im Zentrum steht und wo die Prioritäten gesetzt werden, kann jetzt noch nicht schlüssig gesagt werden, da die Dreharbeiten eben erst begonnen haben.

2. Welche Wichtigkeit hat für euch die Soja-Thematik?

Soja ist eine Wunderbohne, hat aber leider viele Schattenseiten, ökologisch und sozial. In Brasilien wird heute bereits 1/3 der gesamten Ackerfläche mit Soja bebaut, insgesamt etwa 21 Mio ha, und es sollen in den nächsten Jahren noch einige Millionen ha dazukommen. In der Schusslinie sind vor allem der Cerrado und das Amazonasgebiet. Die Sojaexpansion aber führt immer mehr zu Landkonflikten, Vertreibungen und illegaler Landnahme. Die Bodenkonzentration nimmt zu, der Primärwald wird abgeholzt, Tiere und Pflanzen verschwinden. Der Anbau von Grundnahrungsmitteln geht zurück, die Preise steigen, die lokale Bevölkerung hat das Nachsehen.

Die Schweiz importiert jährlich etwa 250 000 Tonnen Soja für die Herstellung von Futtermitteln, fast alles kommt aus Brasilien. Der Konsument will Fleisch und Eier essen, die nicht gentechnisch vergiftet sind und der brasilianische Soja erfülle diese Voraussetzungen, heisst es. Ob das stimmt ist aber mehr als fraglich: Fachleute sagen, dass im Matto Grosso bereits die Hälfte der Produktion Gen-Soja ist und in Rio Grande do Sul seien es schon über 90%. Im Film soll auch ein Bezug zu den Importländern, u.a. die Schweiz, hergestellt werden.

3. Wie habt ihr die Soja-Produktion der hiesigen Kleinbauern erlebt?

Filmisch konzentrieren wir uns auf die Arbeit eines einzigen Produzenten. Es ist ein Bio-Kleinbauer, der im Gegensatz zu den meisten anderen noch mit der Sichel schneidet. Er bezieht die Samen von der gebana und benützt eine Dreschmaschine, die er nicht an andere Bauern ausleiht. Bei der Ernte hilft die ganze Familie mit und das Jäten erfordert sehr viel Zeit. Was der Gensoja-Produzent mit seinem Glyphosat in einer Stunde an Unkraut vernichtet, dafür braucht der Kleinbauer eine ganze Woche. Er nimmt diese Mehrarbeit gerne auf sich. So stellt er sicher, dass sein Soja nicht genverseucht ist, der Boden bleibt fruchtbar, sein Soja hat eine hohe Qualität und er bekommt einen guten Preis dafür.

4. Was hat euch hier in Capanema am meisten beeindruckt?

Wir sind beeindruckt von der guten Zusammenarbeit zwischen der gebana und den Soja-Kleinbauern. Wir haben verschiedentlich gehört, dass die Institution gebana für sie eine grosse Hilfe ist. Die kleinen Produzenten schätzen es sehr, dass ihre Anliegen ernst genommen werden, dass man ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht und dass sie für ihre Produkte und für ihre Arbeit gerecht entlöhnt werden.

5. Möchtet ihr am Schluss noch etwas anmerken?

Ja, wir möchten der Gebana ganz herzlich danken für die spontane Bereitschaft, uns bei den Dreharbeiten behilflich zu sein. Ohne die permanente Unterstützung und Begleitung wäre die filmische Arbeit nicht möglich gewesen.
Und noch dies: Meinungen, Hinweise und Vorschläge für unser Soja-Filmprojekt sind sehr willkommen: stockli@gmx.ch