Archiv für März 2010

„Die ganze Familie war damals mit Hab und Gut neun Tage lang auf der Ladefläche eines Lastwagens unterwegs”, erzählt Deuclides Peraro über die Reise seiner Familie aus dem südlichen Bundesstaat Santa Catarina in die Region Capanema, Brasilien. Das war 1955, heute braucht man noch wenige Stunden für dieselbe Strecke.

Der 60-jährige Deuclides sitzt zusammen mit seinen beiden Brüdern Dilço (62) und Dilo (58) in der schattigen Veranda seines Hauses, die drei erzählen aus ihrem Leben. Die Brüder wohnen zusammen mit der jüngsten Schwester noch immer in der Gegend, in die sie als Kinder mit ihren Eltern kamen und betreiben hier Landwirtschaft. Unweit voneinander angesiedelt, arbeiten alle drei seit den Anfängen mit der gebana Brasil zusammen. Umgestiegen auf biologischen Landbau sind sie aber bereits vor 15 Jahren, als die erste Firma nach Capanema kam, die mit biologischem Soja handelte. Dilo erinnert sich noch gut: „Wir wurden ausgelacht, weil wir uns diese Mehrarbeit auf dem Feld aufhalsten”.

Auswandern, weiterwandern
Doch Anstrengungen scheuen die Peraros nicht. Die geschilderte Reise nach Capanema war nicht die erste und bei weitem nicht die beschwerlichste in der Familiengeschichte. Deuclides zeigt auf das mit Kohle gemalte Portrait eines Ehepaars, das im Wohnzimmer hängt: Es sind die Grosseltern, die Ende des 19. Jahrhunderts in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus Norditalien nach Brasilien ausgewandert sind.
Die Weiterreise in den 1950er Jahren unternahm die Familie um von einem staatlichen Kolonisierungsprogramm zu profitieren, das kostenlos Ländereien an Siedler übergab. Das Land war damals noch mit Urwald bedeckt, den die Kolonisten in mühsamer Handarbeit roden mussten. Wie es damals hier ausgesehen hat, zeigt ein Blick auf die andere Seite des kaum anderthalb Kilometer entfernten Iguaçufluss: Dank dem Nationalpark ist der ursprüngliche Wald dort bis heute erhalten geblieben. „Wenn der Tiger im Wald brüllte, sammelte uns der Vater im Haus um sich, um uns zu beschützen”, erzählt Dilço. Man habe Feuer entfacht und die Hunde losgelassen, um die Tiere zu verscheuchen. „Tiger” wird im Volksmund der Jaguar genannt, der heute nur noch im Nationalpark lebt.

Mit acht Litern Milch zur Schule
Angebaut wurde zunächst nur für den Eigenverbrauch, erst später begann die Familie Milch und Schweinefleisch sowie Mais und Soja zu verkaufen. „Unsere Mutter hatte uns spezielle Westen genäht, mit denen wir auf dem Rücken und vor dem Bauch je drei Liter Milch in die Stadt mitnehmen konnten, wenn wir zur Schule gingen”, erinnert sich Deuclides, „einen weiteren Liter nahmen wir in jede Hand.”
Als die Mutter 1965 mit dem zehnten Kind schwanger war, starb Vater Peraro. „Von da an war unsere Mutter mit uns allein. Trotzdem entschied sie sich, auf dem Land zu bleiben”, erzählen Deuclides, Dilço und Dilo nicht ohne Stolz. Und trotz harter Zeiten ist die Frau bis heute geblieben: Zusammen mit ihrer jüngsten, behinderten Tochter lebt die heute 89-Jährige bei Deuclides und seiner Frau Salete, die sie liebevoll pflegen.

O-Ton aus Togo

Am 5. Februar 2010 haben wir von unserem Mitarbeiter in Togo folgende Zeilen mit dem Betreff “…ein typischer morgen in togo” erhalten

… ich wache auf durch beissenden rauch im zimmer, nebenan verbrennen sie wieder mal abfall. ok, aufstehen. super, kein Strom (später lerne ich, dass es für stunden keine strom geben wird und es auch nächste woche mit stromaufällen weitergehen wird). duschen? na ja, kein wasser, hole mit dem eimer wasser vom garten in den 2. stock.

ab richtung arbeit, auto springt nicht an, nachbarn helfen beim anstossen, hoffe nur dass ich am abend wieder nach hause komme. gut, ab zum beck, gipfeli… der hat aber kein wechselgeld auf 10 stutz, also gibt es nur brot zum frühstück.
dann weiter zur bank, hier gibt es ja keine bankautomaten, weshalb geld abheben jedes mal eine big operation ist. 30 leute am anstehen, geschätzte wartezeit über 1h, geh gleich wieder.

ankunft im büro, heute hat es seba geöffnet, nicht wie vorgestern, als ich nicht reinkonnte. natürlich immer noch kein strom… dh auch kein ventilator in der bruthitze. abgesehen vom strom gibt es auch internet nur sporadisch, gestern abend ist zudem das natelnetz zusammengebrochen.
sitze nun auf der terrasse, mal schauen wie lange der akku vom laptop hält…

…also …deshalb ist es halt hier nicht immer so effizient ha ha. lg andreas

Zum Glück bleibt Andreas auch in solchen Situationen cool und lässt sich seine Freude an der Arbeit nicht nehmen. Von hier aus wünschen wir ihm viel Ausdauer für die alltäglichen Pannen in Togo.

Kinderarbeit und Sklaverei auf Kakaoplantagen

Immer wieder wurde in der Vergangenheit über unmenschliche Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit auf westafrikanischen Kakaoplantagen berichtet. Die Alternative dazu ist Kakao aus fairem Handel, der Marktanteil von Fair Trade Schokolade ist jedoch noch verschwindend klein.

Durch die Kritik von Seiten verschiedener Organisationen, Medien und Öffentlichkeit unter Druck geraten, müssen sich langsam aber sicher auch die “grossen” unter den Schokoladeherstellern Gedanken darüber machen, woher sie ihren Kakao beziehen. Hoffen wir, dass sie dies auch tatsächlich tun.

Die Sendung Kassensturz auf SF1 sendete am 1. Dezember 2009 einen Beitrag über Kindersklaven in der Côte d’Ivoire. Sehen Sie den Fernsehbeitrag oder lesen Sie eine Zusammenfassung davon.