| Autor: Seraina Peña | 30. September 2008 |
Fortsetzung zur Serie “Die Geschichte der Bananenfrauen und der gebana”:
Teil 1 Der Entschluss zu handeln
Teil 2 Bewusstseinsbildung der KonsumentInnen
Nebst der Informationsarbeit in der Schweiz sollten auch praktische Schritte hin zu einer “fairen” Banane folgen. Dies beinhaltete die Suche nach unabhängigen Produzenten. Denn der ganze Bananenmarkt wurde von den drei nordamerikanischen Firmen Chiquita Co., Standard Fruit Co. und Del Monte beherrscht.
Die ersten unabhängig produzierten Bananen, die im Rahmen der Bananenarbeit verkauft werden konnten waren die sogenannten Nica- Bananen. Da die USA 1985 das Handelsembargo gegen Nicaragua verhängte, brauchte dieses Land dringend einen alternativen Absatzmarkt. Die Einführung der Nica-Bananen fand durch eine Verkaufsaktion statt, die in Zusammenarbeit der Bananenfrauen mit OS3, der Organisation Schweiz-Dritte Welt organisiert wurde. OS3 war an dieser Zusammenarbeit interessiert, da die Dritte-Welt-Läden Nica-Bananen mit einem Solidaritätsaufpreis verkaufen wollten. Im Anschluss wurden die Nica-Bananen in Dritte-Welt-Läden und Reformhäusern mit einem Solidaritätsaufpreis von 10 Rappen verkauft Der Erlös aus dem 10- Rappen-Aufpreis wurde zur Hälfte für die Informationsarbeit der Bananenfrauen verwendet, zur andern Hälfte für einen Solidaritätsfonds.
Auch in Deutschland wurden Nica-Bananen mit dem Solidaritätsaufpreis verkauft - dies in guter Zusammenarbeit mit der Schweiz und mit einem gemeinsamen Solidaritätsfonds. Die Projekte, die mit letzterem realisiert werden konnten, wurden in Zusammenarbeit mit Oxfam Belgien durchgeführt. Es handelte sich dabei unter anderem um das Einrichten von Gesundheitszentren und Kindertagesstätten für die PlantagenarbeiterInnen.
Ambulanz, die mit Hilfe des Solidaritätsfonds finanziert wurde.
Auf Wunsch der Gewerkschaft wurde 1990 auch der Sesamanbau unterstützt. Zur Erntezeit war jedoch der Sesampreis zusammengebrochen. So kaufte Oxfam die ganze Sesamernte zu einem kostendeckenden Preis und stellte daraus Sesamriegel her. Die Barrita- Riegel, die Sie auch heute noch bei der gebana kaufen können, waren entstanden.
| Autor: Mirjam Güntert | 27. September 2008 |
Dass es die gebana AG heute, 10 Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1998, noch immer gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Gestählt in einem schwierigen Marktumfeld und gestärkt durch zahlreise Krisen steht das Fundament der gebana nun aber stabiler als je zuvor, was bedeutet, dass wir nicht nur überlebt haben, sondern auch zuversichtlich in die Zukunft blicken können und bereit sind den fairen Handel in den kommenden Jahren weitere wichtige Schritte vorwärts zu bringen. Und die gebana wäre nicht die gebana, wenn sie diese Tatsache nicht als Anlass für eine würdige Geburtstagsfeier mit ihren Freunden und Partnern, Aktionären und Unterstützern, sowie den gegenwärtigen und ehemaligen Mitarbeiten genommen hätte. So trafen sich am Samstag, 13. September 2008, rund 160 Personen im Eisenwerk in Frauenfeld, um im gemütlichen Rahmen drei spannenden Reden zu lauschen, ein feines Abendessen zu geniessen und daraufhin bei Live-Musik Gedanken auszutauschen oder gar das Tanzbein zu schwingen.
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| Die gesamte gebana Crew, inkl. ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter |
Mit einem Vortrag über die ethischen Grundlagen des Fairen Handels wandte sich Ethikprofessor Prof. Dr. Hans Ruh nach dem Apéro (mit feinen gebana-Cashewnüssen) an die Gäste. Entscheidend sei nicht nur der Wille Gutes zu tun, so Prof. Ruh, sondern dieser Wille so in die Tat umzusetzen, dass er in unserem System die grösstmögliche Wirkung entfalten kann. Daraus lasse sich die kontroverse Handlungsdevise „Tue Gutes, sprich darüber und verdiene Geld damit!” ableiten. (Bücher von Hans Ruh: Die Zukunft ist ethisch - oder gar nicht, und Ethik im Management)
Als Zweiter trat gebana-Mitgründer und Verwaltungsrat Peter Teuscher ans Rednerpult. Er bemerkte, dass nur 44 % der neu gegründeten Handelsunternehmen die ersten 10 Jahre überleben und betonte sogleich, weshalb die gebana zu dieser erfolgreichen Minderheit gehöre: „Die Erfolgsfaktoren der gebana waren und sind die Menschen in der Produktion, in den Produktions gebanas und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gebana Schweiz. Hinzu kommt die Ausdauer und das nötige Geld.”
Nach einem stärkenden Abendessen schloss Ursula Brunner den offiziellen Teil der Geburtstagsfeier mit einer bewegenden Rede ab. Dabei erinnerte Sie an die ideelen Wurzeln der gebana, die im von ihr und ihren Frauenfelder-„Bananenfrauen” in den 70er Jahren begonnen Kampf gegen die herrschenden Ungerechtigkeiten im Nord-Süd Handel zu finden sind (die Geschichte dieses Kampfes gibt es in Buchform - „Bananenfrauen” von Ursula Brunner - und ist im Webshop erwerbbar).
Die drei Reden regten zum Diskutieren an, wozu der gemütliche Teil des Abends auch reichlich genutzt wurde. Und so war die Nacht schon weit fortgeschritten als die Letzten die Feier verliessen, einig in der Überzeugung, dass die gebana in 10 Jahren wieder Grund für ein solches Fest haben soll.
Herzlichen Dank an Alle fürs kommen und die tolle Stimmung!
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| Autor: Seraina Peña | 26. September 2008 |
Am vergangenen Dienstag war eine Delegation der gebana bei den Paysans Solidaires in Apples zu einem gegenseitigen Austausch eingeladen.
Die Paysans Solidaires
Bei den Paysans Solidaires handelt es sich um eine Gruppe von rund zehn Familien im Kanton Waadt, die seit rund 20 Jahren einen Austausch mit Bauern aus Burkina Faso pflegen. Ihre Ansprechsperson ist dabei Antoine Sombié, der Präsident der Association Wouol, welche für die gebana die wichtigste Partner-Association in Burkina Faso darstellt. Das Ziel der Gruppe ist einerseits ein Austausch zwischen den Schweizer Bauern und den Bauern Burkina Fasos, andererseits soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Die Finanzierung hierzu findet durch ein jährliches Baumnuss-Knacken und der Herstellung eines Solidaritätsweines statt. Hierzu bringt jeder Produzent einen Teil seiner Traubenernte. Wein und Baumnuss-Öl, in Gemeinschaftsarbeit hergestellt, werden mit einem Aufpreis verkauft. Der Erlös kommt Projekten in den Ortschschaften Bérégadougou und Barga in Burkina Faso zu Gute. In zehn Jahren konnten die Paysans Solidaires Unterstützung im Umfang von 40′000 Franken leisten.
Jährliches Nussknacken Jeder Produzent bringt einen Teil seiner Trauben
Aktuelles Projekt: Das Kompost-Problem
Die Kompostierung der grossen Mengen an Abfall, die bei der Verarbeitung der Mangos und Cashews anfallen, stellt in Burkina Faso ein Problem dar. Denn die Abfälle enthalten viel holziges Material (Mango-Kerne und Nussschalen) und es ist zu wenig Grünmaterial vorhanden, welches für eine gute Kompostierung notwendig wäre. Zudem enthalten die Schalen der Cashewnüsse Giftstoffe. So starteten die Paysans Solidaires einen Versuch, die Abfälle zu verbrennen und damit Energie zu gewinnen.
Gegenseitige Besuche
Der Austausch zwischen den Bauern findet durch gegenseitige Besuche statt. Der nächste Besuch der Paysans Solidaires in Burkina Faso findet im November statt. Wir wünschen ihnen viel Erfolg bei ihren Projekten und bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft, die wir in Apples geniessen durften.
| Autor: Nicolas Blanchard | 24. September 2008 |
In den letzten Jahren ist der faire Handel weltweit stark gewachsen. Doch während die Umsatzzahlen steigen sollten wir uns fragen: was steckt eigentlich hinter dem Fairen Handel? Wer profitiert davon? Wer legt fest, was “fair” ist? Was hat das Ganze mit uns zu tun? Umfassende Informationen und wie wir im Alltag aktiv werden können findet man unter: www.youngcaritas.ch/fairgewinnt
youngCaritas ist eine Plattform zu sozialen Themen, ein Treffpunkt und Netzwerk von Interessierten. youngCaritas ist eine wachsende Gruppe aus jungen Menschen, die zumindest einen kleinen Teil dieser Welt positiv verändern wollen.
| Autor: Nicolas Blanchard | 23. September 2008 |
Gestern am 22. September erschien ein Artikel über gebana Afrique im St. Galler Tagblatt. Ab heute ist er online verfügbar: http://www.tagblatt.ch/…/art149,717021
Lagerchef Mahamadi Traoré weist stolz ins Mango-Lager der Produzenten-Kooperative TON, in dem einige Kisten frische Mangos auf ihre Auslese und Weiterverarbeitung in der Trocknungsanlage warten. Seine Kollegin Fati Ouedraogo ist in dem mit Wellblech gedeckten Lagerraum damit beschäftigt, jede einzelne Frucht von Hand zu drehen und auf ihre Konsistenz hin zu überprüfen; überreife und darum für die Trocknung zu weiche Mangos sortiert sie aus. Die 1991 gegründete Vereinigung von heute 33 Mango-Produzenten in Niangoloko, Burkina Faso, habe ein hartes Stück Arbeit bereits geschafft, sagt TON-Koordinator Issaka Sommandé. Die Kleinbauern schweissten 2007 bereits 25 Tonnen Trockenmangos für den Export nach Europa in Plastikbeutel ein. Im Jahr 2000, als die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Fairhandelsunternehmen Gebana AG begann, waren es zwei Tonnen.
Laut Issaka bringt die Trockenmango-Produktion den 430 TON-Angestellten – mehrheitlich Frauen – ein Einkommen, das mit umgerechnet Fr. 2.50 pro Tag 20% über dem Jahresdurchschnittseinkommen von 500 Fr. in Burkina Faso liegt. Im Schatten der Bäume auf dem TON-Gelände zeugen die zahlreichen Töffs vom Entwicklungspotenzial der Kleinkredite, welche die Kooperativen-Mitglieder aus einem Fonds ihrer Organisation beziehen können.
Der Leiter der Kooperative unterstreicht, dass die erwirtschafteten Einkünfte inklusive der 24 000 Fr. Prämien den Kooperative-Mitgliedern «ein normales Leben erlauben». Diese Prämien wurden TON 2007 aufgrund des Max-Havelaar-Labels für fairen Handel unter anderem von Coop via Gebana Afrique ausbezahlt. Die Kooperative, bei der 154 Bauernfamilien Mitglied sind, verwendete die Prämie für den Kauf von Schulmaterial, für Impfungen der Kinder gegen Tetanus, Diphterie und Polio sowie für die Anschaffung einer Getreidemühle. Weiter erlaube die Prämie, Finanzreserven zu bilden, um den Unterhalt der Maschinen und der Trocknungsanlagen zu sichern.
Das Gedeihen der Kooperative TON ist eng verknüpft mit der Handelspartnerschaft der TON-Mangobauern mit Gebana Afrique. Das Handelsunternehmen mit Sitz in Zürich schlägt eine Brücke zwischen den Bauern und den Konsumenten in der Schweiz. David Heubi, Geschäftsleiter von Gebana Afrique, fungiert dabei als Marktöffner für die Kleinbauernfamilien. «Wir kaufen die Trockenmangos von unseren Partnern – insgesamt arbeiten wir in Burkina mit sechs Kooperativen zusammen – und kümmern uns um den Absatz in Europa, vorab in der Schweiz.» Das Exportvolumen von biologischen und fair gehandelten Mangos sei so innert fünf Jahren mehr als verzehnfacht worden. Diese enorme Steigerung habe vor allem dank dem Einstieg von Schweizer Grossverteilern realisiert werden können.
Die Gebana AG wird 2008 über den Direktversand in der Schweiz mit voraussichtlich 5,5 Tonnen mehr als doppelt so viele Abnehmer für getrocknete Mangos finden als 2006. Einen wichtigen Beitrag zur Realisierung dieses Wachstums – Gebana setzt bewusst auf eine Wachstumsstrategie – sei dem fairen Handel und der Zertifizierung der Mangos mit dem Max-Havelaar-Gütesiegel zu verdanken, sagt Heubi. «Ohne dieses Label hätten wir den Zugang zum Schweizer und europäischen Markt nicht in diesem Ausmass geschafft.»
Gebana um Verwaltungsratspräsident Adrian Widmer freut es um so mehr, als die Erfolgsgeschichte der Mangos belegt, dass der Markt offensichtlich in der Lage ist, wirtschaftliche, ökologische und soziale Werte zu bezahlen; Werte notabene, die Kleinbauernfamilien und lokale Weiterverarbeiter wie die Kooperative TON in Burkina Faso schaffen.
http://www.tagblatt.ch/aktuell/wirtschaft/tb-wi/art149,717021
| Autor: Seraina Peña | 12. September 2008 |
Fortsetzung zur Serie “Die Geschichte der Bananenfrauen und der gebana”:
Teil 1 Der Entschluss zu handeln
Im Oktober 1973 führten die sogenannten Bananenfrauen eine Aktion durch, die der Beginn eines jahrelangen Einsatzes für mehr Gerechtigkeit im Bananenhandel werden sollte. Ausgerüstet mit einer eigens verfassten Bananenzeitschrift und Leiterwagen gefüllt mit Bananen zogen sie durch die Strassen von Frauenfeld und regten die Passanten mit folgender Einstiegsfrage zu Gesprächen und Gedanken an: „Haben Sie auch schon darüber nachgedacht, warum Bananen so billig sind?”
Mit der Zeit kristallisierte sich eine Gruppe von sieben Frauen heraus, die den Kern der Bananenarbeit bildeten und regelmässige Sitzungen durchführten. Sie gaben sich den Namen „Schweizerische Bananen- Aktion”. Das Ziel dabei war die Bewusstseins-Bildung der KonsumentInnen. 1976 erhielten die Bananenfrauen für ihre Arbeit den Schalompreis des Christlichen Friedensdienstes.
1974 verkaufte in St.Gallen der erste Detailhändler Bananen mit einem Solidaritätsaufpreis von 15 Rappen. In der Folge wurden von 1974 bis 1985 in ca. 100 Lebensmittelgeschäften in der Schweiz Chiquita- oder Dole-Bananen mit diesem Solidaritätsbeitrag verkauft. Dabei kam eine Summe von 117′350 Fr. zusammen.
Um eine wirklich glaubwürdige und fundierte Informationsarbeit leisten zu können, unternahm Ursula Brunner 1976 die erste Reise nach Zentralamerika. Im Laufe der Jahre folgten unzählige weitere Reisen. Dabei verfolgte Ursula Brunner den ganzen Weg der Bananenproduktion und des -handels und traf sich und diskutierte mit unzähligen Personen der Bananenbranche. So wurde sie je länger je mehr zur “Bananenspezialistin”. Dabei war es ihr wichtig, die Situation der ArbeiterInnen in den Plantagen kennen zu lernen, aber auch mit den Produzenten und Importeuren in gutem Kontakt zu stehen.
| Autor: Seraina Peña | 5. September 2008 |
Die gebana ag feiert 2008 ihr 10-jähriges Bestehen – aus diesem Anlass möchten wir auf die Wurzeln der gebana zurückschauen, die in der Bewegung der Bananenfrauen liegen.
Januar 1973: „Bananera Libertad“
Man könnte an vielen Punkten ansetzen; ausschlaggebend war aber sicher der Film von Peter von Gunten „Bananera Libertad“, welcher die Gegensätze zwischen den harten Bedingungen in den Bananenplantagen und den billigen Bananen, die in Europa verkauft wurden und werden, aufzeigt. Im Rahmen eines Frauen- Diskussionsabends schaute sich eine Gruppe von Frauen in Frauenfeld diesen Film im Januar 1973 an. Einige unter ihnen waren danach so erschüttert, dass sie die Entscheidung fassten, etwas gegen diese ungerechten Umstände zu unternehmen.
Missgestaltetes Mädchen einer Bananenplantage
Februar 1973: Brief an die Migros
Wie es der Zufall wollte, proklamierte die Migros im Februar 1973 das sogenannte Bananenwunder: „Dank“ der Dollarabwertung kosteten die Bananen pro Kilo nur noch Fr. 1.35 statt 1.50. Dies inspirierte die aufgerüttelten Frauen zu konkretem Handeln. In einem ersten Schritt wurde ein Brief an die Migros verfasst: Anstatt die Bananen um 15 Rappen billiger zu verkaufen, könnten diese in Entwicklungsprojekte in Zentralamerika investiert werden.
Doch die Migros war nicht empfänglich für solche Ideen, weder bei diesem ersten Versuch, noch bei verschiedenen weiteren Anläufen, welche die Frauen in den folgenden Jahren unternahmen. Auf die Ablehnung der Migros reagierten die Frauen mit einer witzigen Aktion: Mit der breitgestreuten Aufforderung, die 15 Rappen der Migros zurückzusenden. So wurde die Migros mit vielen Einzahlungen von 15, 30 oder 45 Rappen belästigt, begleitet vom Vermerk „Bananengeld, es gehört nicht uns, wir wollen es nicht“.