Archiv für Mai 2008

Praktikanten in Tunesien Teil 3: FLO Certifikat

Unsere Arbeit mit gebana Maghreb beginnt am Morgen mit Fatma, Hamdia, Amina und Taieb. Fatma und Hamdia arbeiten beide in Kebili für gebana Maghreb. Amina studiert eigentlich in Tunis und erledigt von dort aus administrative Arbeiten für gebana.
Das Zertifizierungssystem von FLO (Fair Trade Labelling Organisation) wurde überarbeitet und ist seit dem April 2008 eingeführt. Ziel des heutigen Tages ist es, dass unsere MitarbeiterInnen von gebana das neue System kennen lernen. Zuerst geht es um den Ablauf der Zertifizierung. Das Zertifikat wird für drei Jahre ausgestellt und wird jährlich kontrolliert. Nach jeweils drei Jahren wir das Zertifikat erneuert, wenn die Organisation alle geforderten Kriterien erfüllt. Bei den Zertifizierungskriterien handelt es sich um eine Liste mit gut 180 Punkten. Diese Regeln z.B die soziale Entwicklung und Struktur der Kooperative (Büro, Konten, Leitung der Kooperative, Mitglieder GV), wer über die Verwendung der Fair Trade Prämie entscheiden kann (GV), die Anwendung von Dünger, die Nicht-Diskriminierung der MitgliederInnen, bis zur Versammlungsfreiheit der Angestellten der Kooperative.
Am Nachmittag gilt es für uns alle diese Punkte durchzuackern. Für die MitarbeiterInnen von gebana ist es sehr wichtig, dass sie alle diese Kriterien kennen und genau verstehen, weil sie danach die AnsprechspartnerInnen für die Kooperativen sind, wenn es um die Frage der Zertifizierung geht.

Um die Arbeit für die Kooperativen zu vereinfachen sind die Kriterien in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe beinhaltet die Grundprinzipien des Fairen Handels, mit denen die Kooperativen von Anfang an konform sein sollen. Bei der Erneuerung des Zertifikats nach drei Jahren werden zusätzlich Messlatten gesetzt: Die Dokumentation aller Aktionen der Kooperative und Pläne zur Erreichung einer möglichst effizienten und gerechten Einsatz der Prämie. Weitere drei Jahre später sollten die Kooperativenmitglieder selber mehr Verantwortung für den Verkauf und die Vermarktung ihrer Datteln übernehmen.

Organisations-Strukturen

Klare Organisationsstrukturen wie Statuten, Generalversammlung, Abstimmungen, Protokoll, Verwaltung, Budget, Abrechnung werden vorausgesetzt. Die Mitglieder, also die Bauern, müssen in kleinbäuerlichen Strukturen arbeiten und über den Fairen Handel informiert sein. Wichtig ist dass über den Einsatz der FairTrade Prämie zum Wohle der ganzen Gemeinschaft sinnvolle Projekte ausgewählt und umgesetzt werden.

Die Prämie

Im vergangenen Jahr wurden über 20′000 Franken Prämie an die Association Barghoutia, eine der beiden Kooperativen von denen gebana ihre Datteln bezieht, ausbezahlt. Einige Bauern wollten dass diese Prämie unter ihnen aufgeteilt und ausbezahlt wird. Die Mehrheit in der GV entschied sich dann aber für Projekte zur Entwicklung der ganzen Gemeinschaft: Unter anderem wurden neue Geräte gekauft, Wasserleitungen repariert, Strom sowie kleinere Infrastrukturbauten finanziert (15′000 Fr.). Weitere 4000 Fr. wurden für soziale Projekte investiert: z.B. ein Zentrum, in welchem die Frauen und Mädchen des Dorfes traditioneller Handarbeit nachgehen können und für die Region typische Gegenstände herstellen. Auch werden mit diesem Geld Familien unterstützt, die sich die Schulmaterialien für ihre Kinder aus eigener Kraft nicht leisten können. Die restlichen 1000 Franken wurden für Schulungen im Bereich des biologischen Anbaus gebraucht.

Das genaue Studium aller Kriterien dauert den ganzen Tag und die Arbeit ist sehr anstrengend. Das Umdenken in andere Sprachen fordert das Hirn zusätzlich. (Die Liste mit den Zertifizierungskriterien ist auf Englisch, unsere Diskussion ist hauptsächlich auf Französisch, zum Teil besprechen unsere KollegInnen von gebana Maghreb etwas auf Arabisch und übersetzen dann für uns). Doch es beklagt sich niemand. Zwischendurch habe ich das Gefühl ich bin nicht mehr fähig etwas zu erklären oder ein Kriterium zu diskutieren. Dann erinnere ich mich daran, dass Amina die ganze letzte Nacht im Bus von Tunis nach Kebili verbracht hat und bereits seit 5 Uhr morgens wach ist. Doch sie lässt sich nichts anmerken und ist engagiert bei der Sache. Also beisse auch ich die Zähne zusammen.
Schliesslich endet der Tag mit einem Ausblick auf die kommende Woche. In einer Schulung am folgenden Mittwoch werden wir die von uns erarbeiteten Informationen den Kooperativen und einigen Bauern vereinfacht erklären. Die Schulung soll auch Gelegenheit bieten nochmals mit den Bauern die Grundprinzipien des Fairen Handels zu diskutieren.

Weitere Informationen zu FLO und dem FLO-Zertifizierungssystem unter www.fairtrade.net und
www.flo-cert.net

Besichtigung der beiden Verarbeitungsbetriebe von gebana Maghreb

Seit Anfang Jahr besitzt gebana Maghreb eine zweite Fabrik und der Ablauf der Dattelverarbeitung wurde komplett umstrukturiert. Hier eine kurze Schilderung des Ablaufs.

Die frisch geernteten Datteln werden von den Bauern in die neue Fabrik geliefert. Nach der Eingangskontrolle und der Gewichtsmessung werden die Datteln von den Fabrikarbeiterinnen verlesen: Datteln, die nicht den europäischen Qualitätsnormen entsprechen werden aussortiert, um später als Futter für Ziegen und Schafe zu dienen.

Noch grüne Datteln werden separat gelagert, damit sie ihren Reifungsprozess weiterführen können.
Die Datteln können nun in einer der vier Kühlkammern zwischen 0.9 und 2.4 eingelagert werden oder direkt in die zweite Fabrik zur Weiterverarbeitung geliefert werden. Dort ist momentan der Umbau im Gange. Da bisher alles in dieser Fabrik gemacht wurde, ist nun viel mehr Platzt vorhanden. Die Räumlichkeiten werden angepasst und das gesamte Mobiliar erneuert. Die angelieferten Datteln werden im ersten Schritt erneut geprüft, mit einer neuen Anlage gewaschen und getrocknet. Daraufhin wird je nach Kundenwunsch entsteint oder gleich an der Rispe abgepackt und palettisiert. Fast 350 Tonnen verlassen im Jahr 2007 auf diesem Weg die Fabrik und gelangen nach Europa. Für diesen gesamten Ablauf hat die gebana Maghreb ein ausgeklügeltes HACCP-System (Hazad analysis and critical control points) mit dem gesundheitsgefährdende Risiken ausgeschlossen werden können. So steht zum Beispiel am Ende der Verarbeitungskette ein Metalldetektor bereit um jede Kiste nach möglichen Fremdkörpern zu überprüfen. Aufbauend zu diesem System strebt die gebana Maghreb die Zertifizierung nach ISO22000 Standard an. Taieb Foudhaili rechnet mit der Zertifizierung noch für dieses Jahr.

Besuch der Palmgärten von Barghoutia

Am Nachmittag chauffiert uns Adel (Ein Portrait von Adel folgt im Blog) in die Oase Barghoutia. Etwa zwanzig Minuten fahren wir durch das hier übliche karge Land, Sand soweit das Auge reicht, ab und zu niedrige trockene Stauden. Der Fahrtwind liefert eine angenehme Erfrischung bei diesem heissen Wetter. Dann sehen wir die ersten Palmen und bald haben wir das kleine Oasendörfchen mit gerade etwa 400 Einwohnern erreicht.

Adel kennt sich bestens aus in dem Palmgartenlabyrinth, in dem wir die Orientierung längst verloren hätten. Kleine Parzellen von durchschnittlich etwa 50 Aren reihen sich hier aneinander. Zäune aus getrockneten Palmblättern trennen die verschiedenen Palmgärten voneinander. Beim Eingang einer dieser Gärten empfängt uns Abdallah Bubaker. Er ist der Präsident der Dattelbauerkooperative von Barghoutia und besitzt selber einen Palmgarten, den er mit Hilfe seiner Familie bewirtschaftet.

Name: Abdallah Bubaker
Alter: 44 Jahre alt
Familie: verheiratet und 2 Kinder
Funktion: Dattelbauer und seit 2007 Präsident der Kooperative von Barghoutia

Im Schatten einer Palme sitzt eine runzlige alte Frau und lacht uns mit ihrem Zahnlückenmund entgegen. Daneben sitzt eine viel jüngere Frau und ein junger Mann ist zwischen den Palmen an der Arbeit. Wie wir erfahren handelt es sich dabei um Bubakers Mutter und Geschwister, die ihm bei der Arbeit helfen, oder einfach die Zeit draussen mit ihrer Familie geniessen.

Informationen rund um den Palmgarten

Die Palmen tragen bereits Rispen mit den kleinen grünen Dattelknospen. Zur Bestäubung wurden die Blüten der weiblichen Palmen zu kleinen Büscheln zusammengebunden. In die Mitte der Büschel wurde jeweils von Hand ein Zweig einer männlichen Palme platziert. Dieser ist voller Pollen, die im Laufe weniger Wochen vom Wind auf die Blütenstände verteilt werden.

Im Palmgarten von Bubaker gibt es nur 4 männliche Palmen.
- Im Moment brauchen die Palmen praktisch keine Pflege. Arbeit gibt es erst wieder im August, wenn die Dattelrispen mit einem Plastik umhüllt und so vor dem Regen geschützt werden müssen.
- Während dem Jahr pflegen die Bauern ihre Parzellen selber oder mit Hilfe ihrer Familie. Während der Erntezeit im Oktober und November müssen sie zusätzliche Helfer anstellen, um die viele Arbeit bewältigen zu können.
- Um den Palmgarten besser auszunützen, findet man neben den Palmen noch viele andere Pflanzen auf Bubakers Land. Somit hat er eine eigene kleine Nahrungsmittelquelle für sich und seine Familie. Ausser Datteln liefert sein Palmgarten ein wenig Getreide, Trauben, Zwiebeln, Zucchetti und Kräuter. Viele andere Bauern machen es genau so.

- Die Datteln sind nicht das einzige Produkt, das von den Palmen geliefert wird. Mit grossen getrockneten Palmblättern werden Zäune rund um die verschiedenen Parzellen gebaut. Diese dienen einerseits zur Eingrenzung des jeweiligen Besitzes. Wichtiger ist aber die Funktion als Schutz vor der Ausbreitung des Sandes, der vom Ostwind in die Oase getragen wird.

Die Fasern der langen Palmblätter werden zu Schnüren umfunktioniert. Bei der manuellen Bestäubung der Dattelblüten werden die Dattelrispen z.B. mit solch einer Palmfaser zusammengebunden.
- Die Palme besitzt Stacheln.
- Im Moment gibt es genügend Wasser für die Oase Barghoutia, doch Bubaker macht sich Gedanken, wie lange es noch reichen wird. Schon heute wird das Wasser sehr ökonomisch gebraucht: Drei Angestellte der Bauernkooperative regeln die Verteilung des Wassers unter den Mitgliedern der Kooperative genau: pro Aare Land, die ein Bauer bewirtschaftet, erhält er während 7 Minuten 2 Sekunden den Zugang zum Wasser. Die verschiedenen Parzellen werden so im regelmässigen Turnus bewässert. Das Wasser läuft von 7 Uhr morgens bis um 23 Uhr Abends.

Zum Schluss unseres Besuches demonstriert uns Bubaker, wie er die Palme hinaufklettert, z.B. für die Dattelernte. Anstatt gewöhnlich wieder hinunter zu klettern, rutscht er elegant an einem langen Palmblatt wieder zu uns auf den Boden.

Nach unserer Ankunft auf der Touristeninsel Djerba wird uns gleich bewusst, dass die Zeit hier in Tunesien eine andere Bedeutung hat. Die Flughafenpolizei prüft alle Pässe mit Liebe zum Detail und ist ganz interessiert an unserem kompletten Reiseprogramm. Draussen vor dem Flughafengebäude bläst uns die warme Luft ins Gesicht und in der Ferne über dem flachen, sandigen Boden erspähen wir das Meer. Wir machen uns auf die Suche nach einem Sammeltaxi, taxi louage, in Richtung Kebili. Das Taxi fährt erst, wenn alle acht Plätze besetzt sind, und bis dahin gilt es gelassen zu warten. Einmal unterwegs geht es dafür umso schneller: Der Fahrer rast über die holprigen Strassen und lässt Mofas und Privatwagen gekonnt hinter sich – dazu schallt aus dem Radio ununterbrochen arabische Musik. Wir staunen über die gewagten Manöver. Bei der Überfahrt mit der Fähre aufs Festland kommen wir mit einem Reisegenossen ins Gespräch. Bicher kehrt von seinem zwei Monatigen Arbeitseinsatz auf Djerba zurück zu seiner Familie in El Hamma. (Ob es das El Hamma von Mani Matter’s Sidi abdel Assar ist können wir nicht mit Sicherheit sagen, da es in Tunesien zwei El Hamma gibt.)

Unser Weg führt weiter ins Landesinnere, vorbei an kleinen sandigen Dörfern, Olivenbäumen, einzelnen Ziegen und Schafen, trockenen Feldern und Palmgärten. Die Strassen sind voller Leben und alle 500 Meter werden am Strassenrand aufeinandergestapelte Benzinkanister zum Kauf angeboten. Bei der grossen Station der taxi louage in Gabes müssen wir umsteigen. Der letzte Abschnitt unserer Reise führt durch karges Land entlang dem Gebirgsgzug Djebel Tebaga. Schliesslich gibt es einen Unterbruch in der Hügelkette und wie durch ein riesiges Tor gelangen wir in das Städtchen Kebili. Taieb Foudhaili, der Geschäftsleiter von gebana Maghreb empfängt uns herzlich. Müde von all den neuen Eindrücken und gespannt auf die kommende Woche sinken wir bald darauf ins Bett.

gebana-Praktikanten in Tunesien

Zum Abschluss und Höhepunkt unseres mehrmonatigen Praktikums bei gebana reisen wir gemeinsam nach Kebili, im Südwesten von Tunesien. Hier arbeiten wir während einer Woche mit unseren KollegInnen von gebana Maghreb zusammen. Gemeinsam mit den Dattelbauern diskutieren wir Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten des Fairen Handels. Zudem informieren wir unsere tunesischen PartnerInnen in Schulungen über die Neuerungen des FLO-Zertifizierungssystems.

Aktuelle Informationen zu gebana Maghreb und Berichte unserer Erlebnisse in Tunesien veröffentlichen wir möglichst regelmässig hier im gebana-blog.

Wir, das sind:


Sandro Fornallaz
Alter: 21 Jahre
Dauer des Praktikums bei gebana: 20 Monate
Zukunft: Betriebsökonomiestudium an der ZHAW
Sonstiges: Pfadi mit Leib und Seele (www.pfadi-zueriberg.ch)


Andrea Oertli
Alter: 20 Jahre
Dauer des Praktikums bei gebana: 8 Monate
Zukunft: Politologie- und Arabischstudium

Afropfingsten - ein Festival für die Sinne

Auffahrt ist vorbei - Pfingsten steht vor der Tür und damit auch Afropfingsten. Das Festival bietet mit seiner Vielzahl an Veranstaltungen rund um Afrika die ideale Gelegenheit, sich langsam, aber sicher auf den Sommer einzustellen.

  • Für Musikbegeisterte wird ein attraktives Konzertprogramm geboten.
  • Kino-Liebhaber sollten sich das Filmfest nicht entgehen lassen.
  • Wer sich gerne weiterbilden möchte, kann an einem Workshop teilnehmen.
  • Auch kulinarische Geniesser kommen auf ihre Rechnung - natürlich mit afrikanischen Leckerbissen.
  • Schliesslich laden die farbenfrohen Märkte zum flanieren ein. An der FairFair, einem Markt zum Thema „Fairness”, kann man sich zudem über verschiedene Themen informieren.

Auch die gebana ist wieder mit einem Stand am Welt-Bazar vertreten und bietet hauptsächlich Produkte aus Afrika zum Verkauf an. Gezielte Sucher finden uns an der Metzggasse. Der Markt ist folgendermassen geöffnet:

Freitag, 9. Mai von 12h - 21h
Samstag 10. Mai, von 10h - 21h.

Natürlich freuen wir uns auf möglichst viele Besucher in Winterthur.

Mehr Infos zu Afropfingsten finden Sie unter: www.afro-pfingsten.ch