Archiv für Mai 2008

Zum Thema Wachstum im Fairen Handel diskutierten Ursula Brunner (Gründungsmitglied der Bananenfrauen und der gebana), Robin Cornelius (Social Entrepreneur, Gründer und VR-Präsident von Switcher), Beat Schuhmacher (CEO von claro fair trade) und Markus Schrader (SECO).

Wie bereits im NZZ Artikel erwähnt, wehr sich Ursula Brunner gegen Fairtrade als Modetrend. Dass der faire Handel salonfähig geworden ist, wertet sie zwar als Fortschritt. Nach der Pionierphase sei der faire Handel nun aber institutionalisiert und bürokratisiert worden. Dabei gerate in Vergessenheit, dass Fairtrade eine politische Bewegung sei. Siehe Beitrag vom 20. Mai.

Ganzes Video der Podiumsdiskussion:


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Die Voten von Ursula Brunner


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Statements aus der Podiumsdiskussion

Ursula Brunner: Mit den Labels wurde der Faire Handel Institutionalisiert. Die Menschen können heute ganz einfach Max Havelaar Produkte kaufen. Das ist nicht negativ - aber es gibt eine Verflachung, eine Verwässerung. Der Fairer Handel wurde salonfähig. Der Faire Handel hat aber noch eine andere Dimension als nur Wachstum. Der Faire Handel ist nicht eine Institution, die einfach immer grösser werden muss. Der Fairer Handel ist eine Bewegung, er ist ein Weg. Die KonsumentInnen müssen heute neu sensibilisert werden für den Fairen Handel. Der Faire Handel wird einerseits von den ProduzentInnen und ArbeiterInnen im Süden gelebt und auf der anderen Seite sind es die KonsumentInnen in der Schweiz, die Masse, welche dem Fairen Handel zum Erfolg verhelfen. Der Faire Handel ist aber ein System, dass wir KonsumentInnen über die ProduzentInnen im Süden gekippt haben. Es ist nicht von der Produzentenseite gekommen. Es ist etwas völlig fremdes für die Menschen im Süden. Es ist schwierig den Menschen im Süden die Idee des Fairen Handles näher zu bringen, wenn sie sich vorstellen, dass die wenigsten Schreiben und Lesen können. Um zertifiziert zu sein, müssen sie sich organisieren und sich der Zertifizierungsorganisation beugen. Das ist sehr fremd für diese Menschen. Wir müssen uns heute mehr um diese Frage kümmern.

Der Grundgedanke der Bananenfrauenbewegung war: Es braucht mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt. In diesem Sinne müssen wir vorwärts arbeiten. … Fairer Handel muss von der Basis aus gehen. … Der Faire Handel gibt uns Handlungsmöglichkeiten um etwas für die Welt zu tun. Dazu will ich aufmuntern.

Beat Schuhmacher: Es ist wichtig, das Thema Fairen Handel in die öffentliche Agenda zu setzen, mit dem Ziel, neue Konsumenten anzusprechen. Vom Fairtrade als Lifestyle sind wir noch weit weg. Beim Wachstum geht es nicht um den Wachstumswillen, sondern vom Wachstum profitieren vor allem die Kleinbauern im Süden.

Robin Cornelius: Fairtrade, resp. Vernünftig-Trade braucht Zeit. Zu schnelles Wachstum hat keine Wurzeln.

Heute fehlt es vor allem an politischem Engagement. Die Menschen müssen sich bewusst werden, wie ein Produkt hergestellt wird. Wir müssen bewusster leben und bewusster konsumieren. Dazu brauchen wir ein Instrument: die NGOs. Die NGOs sind die Jury, sie bewerten die Produkte, sie machen den Link zwischen den Produzenten und den Konsumenten. Die NGOs sind die weiblichen Polizisten der Wirtschaft. Die Firmen haben eine kurzfristige ökonomische Vision, die NGOs dagegen eine langfristige politische. Es braucht beides: NGOs öffnen der Wirtschaft die Augen. Heute kann es sich kein CEO mehr leisten NGOs zu ignorieren. Die Wirtschaft braucht deshalb einen politischen Auftritt.

Gibt es im ethischen Kaffeemarkt zu viele Labels und dadurch zu wenig Transparenz? Zum Labelsalat diskutierten André Siegenthaler von Café Rebeldía, Marc Bloch von La Semeuse, Andre Radlinsky von Coop und Ueli Ramseier von Max Havelaar.

Geert van Dok von Caritas Schweiz und Präsident der Max Havelaar-Stiftung Schweizt sinierte über den Fairen Handel und seine Zukunft und stellte an der LIFEFair dazu folgende Thesen auf:

  • Der Faire Handel muss neue Marktfelder und Marktakteure erreichen und dafür muss er seine Fairhandels-Ansätze weiterentwickeln.
  • Der Faire Handel muss zusätzliche Ansätze für die ärmsten Länder, für die lokalen und regionalen Märkte im Süden entwickeln.
  • Es braucht vermehrt breitgefächerte, marktorientierte und sozio-politische Entwicklungsimpulse, in Kombination mit Anstrengungen der Entwicklungszusammenarbeit.
  • Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, muss der Faire Handel verschiedenen Anforderungen genügen: Langfristigkeit, Reichweite, Breitenwirksamkeit, Innovationskraft.

Nachtrag vom 5.6.2008: Auf der Website von Swiss Fairtrade ist die Präsentation von Geert van Dok nun zum runterladen freigeschaltet worden.

Die SWISS FAIRTRADE organisierte an der LIFEfair einen Fachkongress zum Thema: Fairer Handel im Megatrend der Nachhaltigkeit. Unsere Praktikantinnen Seraina Peña und Franziska Ruef führten die Teilnehmer des Kongresses in die Welt des fairen Handels ein.

Ihr Handlungsvorschlag für Jedermann für eine faire Woche sieht wie folgt aus:

Präsentation als PDF runterladen.



Rückblick auf die LIFEfair Teil 1: Buntgemischte Messe

Letztes Wochenende fand in der Maag-Eventhall zum ersten Mal die LIFEfair Messe, die Messe für nachhaltiges Leben statt.

Das Publikum war bunt gemischt, wie auch die Aussteller: Jugendliche, junge Familien, aktive und ehemalige Aktivistinnen und Symphatisanten trafen auf 80 Aussteller aus den Bereichen Bauen und Wohnen, Gastronomie und Nahrungsmittel, fairer Handel, Mobilität und Energie, nachhaltiges Investieren oder Freizeit und Reisen.

An der Messe präsentierte sich zum ersten Mal auch die Referenzorganisation des fairen Handels in der Schweiz, die SWISS FAIRTRADE einem breiten Publikum. So wurde neben der seperaten Fairtrade-Ausstellung und Lounge auch ein Kongress zum fairen Handel in der Schweiz organisiert. So kam es, dass an der Messe neben so kommerziellen Firmen wie BMW, ZKB und Coop auch die Erklärung von Bern, Helvetas, Claro, El Tucan, gebana und weitere Fairtrader vertretten waren.

Der Tages-Anzeiger berichtete vom Einkaufsbummel ohne schlechtes Gewissen und die NZZ vom Basar der Nachhaltigkeit. Wie bereits in diesem Blog berichtet, publizierte die NZZ auch ein Portrait über Ursula Brunner, Mitgründerin der Bananenfrauenbewegung der 70er Jahren und Gründungsmutter der gebana. DRS 2 brachte diese Woche nachträglich ein Special zur Messe im Thema der Woche (via http://blog.faircustomer.ch/?p=109)

Fairer Handel darf nicht zum blossen Lifestyle verkommen

Am Montag 19. Mai 2008 erschien in der NZZ ein Portrait über Ursula Brunner, die Gründungsmutter der gebana und Aktivistin für den fairen Handel.

http://www.nzz.ch/…/fairer_handel_darf_nicht_zum_blossen_lifestyle_verkommen.html

In diesem Artikal wehrt sich Ursula Brunner gegen Fairtrade als Modetrend. Dass der faire Handel salonfähig geworden ist, wertet sie zwar als Fortschritt. Nach der Pionierphase sei der faire Handel nun aber institutionalisiert und bürokratisiert worden. Dabei gerate in Vergessenheit, dass Fairtrade eine politische Bewegung sei. Damit es den Menschen im Süden besser geht, braucht es auch politische Rahmenbedingungen. “Fairer Handel darf nicht zum blossen Lifestyle verkommen”, sagt Ursula Brunner.

Zum Artikel in der NZZ gibt es noch eine Richtigstellung:
Falsch ist: “Wenig später hörten die Pionierinnen der Gebana AG auf und übergaben 1997 ihr Unternehmen für fairen Handel jüngeren Generationen. Diese führen heute die Firma unter dem Namen Terrafair weiter.”

Richtig ist: Die gebana AG heisst noch immer gebana AG. Unter dem Namen Terrafair formierte sich der ehemalige Verein gebana neu. Sie vertretten heute die KonsumentInnensicht im Fairen Handel. Sie leisten aktive Informations- und Bildungsarbeit zum Fairen Handel, recherchieren zu Produktionsbedingungen, Handelsmechanismen und Konsum und machen dieses Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugängig.

Anmerken wollen wir, dass die Journalistin Dorothee Vögeli trotz der Bitte von Ursula Brunner und der gebana nichts zu privaten Themen zu schreiben, es nicht sein lassen konnte.

Impressionen von den Afropfingsten 2008

Es ist bereits Tradition: Alljährlich an den Pfingsten sind wir mit einem Stand an der Afropfingsten in Winterthur vertretten. Es war ein farbenfroher Markt mit viel Musik und gut gelaunten Menschen.

Das Interesse an unserern bio&fair Produkten überstieg all unsere Erwartungen. Unsere Mangos waren so begehrt, dass sie bereits am Samstagmittag ausverkauft waren.

Hier ein paar wunderschöne Eindrücke von den Afropfingsten von incuboy auf Flickr. Unbedingt ansehen!


Praktikanten in Tunesien Teil 6: Besuch der Oase Derjine

Nach der Schulung der Kooperativen am Tag zuvor, steht heute der Besuch und die direkte Diskussion mit den Dattelbauern an. Es geht einerseits darum mit den Bauern über ihre Arbeit zu sprechen und ihnen die Vorteile aber auch die Grenzen des Fairen Handels zu erklären. Andererseits möchten wir Portraits von verschiedenen Bauern zusammenstellen, um die KonsumentInnen in Europa genauer über ihre Lebenssituation zu informieren.
Von Kebili bis Derjine dauert die Fahrt mit dem Auto fast eine Stunde. Wegen der buckeligen Landstrasse kann die übliche Fahrgeschwindigkeit von 100km/h nicht gehalten werden. Bei der Ankunft im Dörfchen Derjine sehen wir, dass deren Bewohner wirklich sehr bescheiden leben. Ihre Behausungen sind kleine und einfache Backstein- oder Palmblatthäuschen. Später erfahren wir, dass die 300 Einwohner zählende Gemeinschaft fast ausschliesslich von ihren Dattelplantagen lebt und daher auf deren guten Erträge angewiesen ist. Die Mehrheit der im Dorf lebenden Menschen ist miteinander verwandt. Fast keine Menschen entschliessen sich heute noch in dieses arme Dorf zu ziehen, um hier zu leben. Nur zweimal täglich fährt ein Bus von Derjine nach Kebili. Im Dorf gibt es keine Apotheke, aber einige wenige Medikamente für den Notfall.
Gemeinsam mit dem Präsidenten der Kooperative sowie mit Hamdia und Adel besuchen wir die Bauern in Ihren Plantagen. Insgesamt sprechen wir mit sieben verschiedenen Bauern, die alle Bio-zertifiziert sind. Es handelt sich also um diejenigen Datteln, die von der gebana Schweiz im Direktversand verkauft werden.
Im Gespräch mit den Bauern versuchen wir herauszufinden, was ihre grössten Sorgen sind und welche Wünsche sie für die Zukunft haben. Da die Kooperative noch keine Fair Trade Prämie erhalten hat, konnten bis jetzt noch keine Projekte realisiert werden. Dafür können wir im Gespräch bereits einige Ideen für künftige Projekte ausfindig machen. Unter anderem könnte mit einem Teil der Prämie das Zentrum für traditionelle Handarbeit im Dorf wieder geöffnet werden. Dort wurden früher von den Frauen des Dorfes traditionelle Hüte, Teppiche u.a. hergestellt. Aus Geldmangel musste es vor einigen Jahren leider geschlossen werden. Falls das Zentrum wieder in Betrieb gesetzt würde, könnten die Frauen des Dorfes dort arbeiten und ihre Produkte vielleicht sogar verkauft werden.
Der grössere Teil der besuchten Bauern ist bereits informiert über die Prinzipien des Fairen Handels und setzt sehr viel Hoffnung in ihn.
Ein grosses Problem in Derjine ist die Desertifikation. Vor allem die Bauern am Rand der Oase, angrenzend an die Wüste, leiden unter der Ausbreitung des Sandes. Sie hoffen, dass mit der Fair Trade Prämie etwas gegen diese Entwicklung unternommen werden kann.
Ein anderes Problem ist das unregelmässige Einkommen der Dattelbauern.
Mohammed sagt: „Wir Dattelbauern haben kein regelmässiges Einkommen. Nur einmal im Jahr, beim Verkauf der Datteln erhalten wir einen Lohn für unsere Arbeit. Davon brauchen wir rund einen Drittel für die Pflege unserer Parzelle. Zwei Drittel müssen für die Familie für ein ganzes Jahr ausreichen. Für die Finanzierung des Studiums unserer Kinder fehlt das Geld. Dann ist da noch das Problem der Arbeitslosigkeit, die überall hier ein Thema ist.“ Ein anderer Mohammed (etwa die Hälfte der Bauern heissen Mohammed) findet, dass mehr Geld in mechanische Maschinen zur Pflege der Palmgärten zur Verfügung gestellt werden sollten, z.B. für das Umackern des Bodens oder die Abfallzerkleinerung und -entsorgung. Auf die Frage nach seinen Problemen erzählt er uns dass seine Palmen von einem Insekt befallen sind, das die Palmblätter abfrisst. Er fragt Hamdia um Rat und Hilfe.
Alle Bauern empfingen uns sehr herzlich und beantworteten unsere Fragen ausführlich. Die Sprache war natürlich ein gewisses Hindernis. Hamdia übersetzte zwar alles für uns, doch ging bei der Übersetzung sicher ein Teil an Informationen verloren.

Am Mittwochnachmittag sind alle Vorbereitungen für die Schulung der Kooperativen getroffen: Wir Praktikanten haben die Einleitung, den allgemeinen Teil über den Fairen Handel und die Information über das Zertifizierungssystem von FLO vorbereitet. Hamdia, Amina und Fatma übersetzten alle für die Bauern und Kooperativen wichtigen Zertifizierungskriterien ins Arabisch und druckten Informationsbroschüren aus. Diese können wir den Bauern am Ende der Schulung mitgeben.

Die Schulung

Datum: 6. Mai 2008, 17 Uhr
Ort: Büro in der neuen Fabrik von gebana Maghreb, Kebili
Leitung der Veranstaltung:
Hamdia, Andrea und Sandro, Amina assistiert bei der Übersetzung
Teilnehmende:
Präsident der Kooperative Barghoutia, zwei Bauernvertreter von Barghoutia
Präsident und Financier der Kooperative Derjine, drei Bauernvertreter von Derjine
Programm:
- Fairer Handel generell und aus Sicht der europäischen Kunden (Sandro)
- Vorstellen von FLO, Einführung in das Zertifizierungssystem von FLO (Andrea)
- Wichtigste Zertifizierungskriterien für die Kooperativen und Bauern (Hamdia)
- Diskussion über die Verwendung der Fair Trade Prämie
Sprache:
Französisch-Arabisch, Arabisch-Französisch
Dauer der Veranstaltung: etwa 2 Stunden

Eindrücke:

- Die Teilnehmenden waren sehr konzentriert, machten sich zum Teil Notizen und wollten die behandelten Themen wirklich verstehen. Bei Unklarheiten fragten sie nach.
- Zwischdurch klingelte immer wieder ein Handy. In voller Lautstärke trällerte jeweils ein arabisches Lied aus dem kleinen Gerät.
- Über die Organisation FLO und das Zertifizierungssystem wussten die Teilnehmenden vor der Schulung nichts. Auch über die einzelnen Zertifizierungskriterien waren sie noch nicht informiert. Sie sind froh über die Schulung zu diesen Themen, damit sie sich selbständig besser auf die Zertifizierung vorbereiten können.

Diskussion über die Fair Trade Prämie:

Wenn es um die Verwendung der Prämie geht, gibt es zwischen den Kooperativleitungen und den Kooperativmitgliedern einige Differenzen. Einige Bauern fordern immer wieder, dass die Prämie unter den Mitgliedern aufgeteilt wird und jeder individuell über deren Verwendung entscheiden kann. FLO schreibt aber vor, dass diese Prämie für Entwicklungsprojekte in der Kooperative verwendet werden soll.
Im letzten Jahr wurde ein Teil der Prämie in Baghoutia gebraucht um Stromrechnungen der Kooperative zu bezahlen. Dies dient zwar der ganzen Kooperative, doch leistet es keinen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinschaft. In der Diskussion versuchen wir zu erklären, dass die Prämie, wenn es irgendwie geht, nicht zur Bezahlung von alltäglichen Kosten verwendet werden soll. Im letzten Teil der Diskussion geht es um die Frage, wie die Bauern besser in die Entscheidung über die Verwendung der Prämie miteinbezogen werden können. Die Idee eines Fragebogens wird geäussert, in welchem die Bauern ihre Wünsche für Projekte mitteilen können. Die Kooperativenleitung könnte dann diese Ideen auswerten und der GV einen Vorschlag präsentieren.

 

Name: Hamdia Salah

Alter: 29

Arbeit bei gebana Maghreb: Interne Inspektorin. Hamdia ist im ständigen Kontakt mit den Bauernkooperativen und deren Mitglieder. Bei Problemen oder Unklarheiten wird mit ihr Kontakt aufgenommen. Zudem leitet sie Schulungen zum Thema Bioanbau und besucht die Lieferanten von gebana Maghreb regelmässig, um die Einhaltung der Biokriterien zu kontrollieren. Sie macht die Arbeit sehr gerne und der direkte Kontakt mit den Bauern sorgt für viel Abwechslung in ihrem Beruf.

Zum Fairen Handel: Hamdia hofft, dass der Faire Handel die Situation im Dorf Derjine verbessern kann. Das Leben in Derjine ist schwierig, denn die Oase liegt weit entfernt von der nächsten Stadt und es fehlt den knapp 300 Einwohnern an vielen Einrichtungen (z.B. Apotheke). Für die Entwicklung des Dorfes ist es wichtig, dass die Kooperative die Fair Trade Prämie in gut überlegte und geplante Projekte investiert. Gebana Maghreb hat die Aufgabe die Kooperativen in dieser Frage zu unterstützen und zu beraten.

Zukunft: Hamdia ist im sechsten Monat schwanger. Nach dem ein monatigen Mutterschaftsurlaub (die Dauer des Mutterschaftsurlaubes wird vom Staat so festgesetzt) wird sie weiter für gebana Maghreb arbeiten.

“Für uns ist der Austausch und der Kontakt mit gebana Schweiz sehr wichtig. Ich wünsche mir dass es ein- oder zweimal im Jahr eine Schulung für uns gibt, in der wir über Fair Trade Themen und das Zertifizierunssystem informiert werden. Viele Informationen gibt es im Internet nur auf Englisch, darum sind wir froh, wenn jemand hierherkommt und die Themen auf Französisch mit uns diskutiert.”

Name: Fatma Buis

Alter: 25

Arbeit bei gebana Maghreb: ganze Administration, Verantwortlich für die Arbeiterinnen in der Fabrik, Verantwortliche für die Umsetzung vom HACCP-Qualitätssicherungssystem. Fatma mag an ihrer Arbeit vor allem die ganze Organisation des Exports und den Kontakt mit den Kunden. Stressig wird es für sie jeweils am Ende der Dattelsaison.

Zukunft: Fatma möchte irgendwann gerne ein eigenes kleines Projekt realisieren, damit sie ihre eigene Chefin sein kann. Sie hat noch keine konkrete Vorstellung, wie das Projekt aussehen soll.

“J’espère que les clients soient satisfaits par nos produits. Maintenant nous sommes en train de faire des recherches pour améliorer la qualité. J’espère aussi qu’on trouve des nouveaux clients et des nouveaux marchés.”

Name: Adel Rezig

Alter: 38

Arbeit bei gebana Maghreb: Seit 2002 ist er bei gebana Maghreb als Fahrer von allen möglichen Fahrzeugen: Jeden Morgen fährt er die beiden Mitarbeiterinnen Hamdia und Fatma ins Büro. Er fährt den Bus für die Arbeiterinnen in die Fabrik. Während der Erntezeit holt er die Datteln in den Kooperativen ab und bringt sie mit dem Lastwagen in die Fabrik in Kebili. In der Fabrik bedient er den fahrbaren Gabelstapler und platziert die Dattelpaletten in den Kühlkammern.

Zukunft: Am 10. August 2008 wird Adel heiraten und mit seiner Frau zusammen in ein Haus in Kebili umziehen. Ihm gefällt die Arbeit bei gebana Maghreb und er will sie gerne weiterführen.

“J’espère que le commerce équitable s’avance bien dans la Tunisie et que gebana Maghreb réussit d’encore améliorer le système pour réaliser cette idée.”

Name: Amina Foudhaili

Alter: 24

Ausbildung: Studentin, les études génie biologique à Tunis

Funktion: Assistentin bei der Entwicklung und Verbesserung des Mangementsystems von gebana Maghreb.

Vorteile des Fairen Handels:
- Im Fairen Handel gelangt der Preis für die Produkte möglichst direkt zu den Produzenten. Das ist gerecht und wichtig.
- Amina hofft, dass mit der Fair Trade Prämie die Arbeits- und Produktionsstrategie der Bauernkooperativen verbessert werden kann.
- Alle Personen der Handelskette, von den Bauern bis zu den Konsumenten, sind gleich und respektieren einander. Das gibt allen Partnern eine gewisse Befriedigung und steigert ihre Lebensqualität.
- Fair Trade liefert Qualitätsprodukte, weil er Kriterien festlegt, die für eine gute Qualität der Produkte grundlegend sind.

Das gibt es noch zu tun: Eine wichtige Aufgabe für gebana Maghreb ist es, den Bauern die Prinzipien des Fairen Handels weiterhin in Schulungen zu vermitteln. Ausserdem sollen die Bauern die Zertifizierungskriterien genau kennen, damit sie sich selbstständig danach richten können. Um eine höhere Faire Trade Prämie zu erhalten und somit grössere Entwicklungsprojekte verwirklichen zu können, muss die Kooperative wachsen. Ich hoffe, dass sich in der Zukunft immer mehr Kleinbauern für die Produktion nach den Kriterien des Fairen Handels entscheiden. Gleichzeitig muss aber auch die Anzahl der Kunden gesteigert werden, die bereit sind Fair Trade Produkte zu kaufen.

Zukunft: Amina möchte ihr Masterstudium gerne in Frankreich oder in der Schweiz absolvieren und doktorieren. Danach würde sie gerne weiterhin für gebana Maghreb arbeiten, wenn das möglich ist.

„J’espère d’être à la hauteur de cette responsabilité, d’être utile et de donner un plus pour toute la famille de gebana.“