| Autor: admin | 5. März 2010 |
Am 5. Februar 2010 haben wir von unserem Mitarbeiter in Togo folgende Zeilen mit dem Betreff “…ein typischer morgen in togo” erhalten
… ich wache auf durch beissenden rauch im zimmer, nebenan verbrennen sie wieder mal abfall. ok, aufstehen. super, kein Strom (später lerne ich, dass es für stunden keine strom geben wird und es auch nächste woche mit stromaufällen weitergehen wird). duschen? na ja, kein wasser, hole mit dem eimer wasser vom garten in den 2. stock.
ab richtung arbeit, auto springt nicht an, nachbarn helfen beim anstossen, hoffe nur dass ich am abend wieder nach hause komme. gut, ab zum beck, gipfeli… der hat aber kein wechselgeld auf 10 stutz, also gibt es nur brot zum frühstück.
dann weiter zur bank, hier gibt es ja keine bankautomaten, weshalb geld abheben jedes mal eine big operation ist. 30 leute am anstehen, geschätzte wartezeit über 1h, geh gleich wieder.ankunft im büro, heute hat es seba geöffnet, nicht wie vorgestern, als ich nicht reinkonnte. natürlich immer noch kein strom… dh auch kein ventilator in der bruthitze. abgesehen vom strom gibt es auch internet nur sporadisch, gestern abend ist zudem das natelnetz zusammengebrochen.
sitze nun auf der terrasse, mal schauen wie lange der akku vom laptop hält……also …deshalb ist es halt hier nicht immer so effizient ha ha. lg andreas
Zum Glück bleibt Andreas auch in solchen Situationen cool und lässt sich seine Freude an der Arbeit nicht nehmen. Von hier aus wünschen wir ihm viel Ausdauer für die alltäglichen Pannen in Togo.
| Autor: Sandra Dütschler | 5. März 2010 |
Immer wieder wurde in der Vergangenheit über unmenschliche Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit auf westafrikanischen Kakaoplantagen berichtet. Die Alternative dazu ist Kakao aus fairem Handel, der Marktanteil von Fair Trade Schokolade ist jedoch noch verschwindend klein.
Durch die Kritik von Seiten verschiedener Organisationen, Medien und Öffentlichkeit unter Druck geraten, müssen sich langsam aber sicher auch die “grossen” unter den Schokoladeherstellern Gedanken darüber machen, woher sie ihren Kakao beziehen. Hoffen wir, dass sie dies auch tatsächlich tun.
Die Sendung Kassensturz auf SF1 sendete am 1. Dezember 2009 einen Beitrag über Kindersklaven in der Côte d’Ivoire. Sehen Sie den Fernsehbeitrag oder lesen Sie eine Zusammenfassung davon.
| Autor: Sandra Dütschler | 4. Februar 2010 |
Unter diesem Titel organisieren die beiden kirchlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für Alle gemeinsam ihre diesjährige Kampagne. Dass über eine Milliarde Menschen auf der Welt noch immer zu wenig zu essen haben und damit vom Recht auf Nahrung ausgeschlossen sind, ist für die Veranstalter der Anlass, das Thema aufzugreifen. Diverse Veranstaltungen sowie konkrete Aktionen sollen auf die Thematik der (Un-)Fairness im globalen Handel aufmerksam machen.
Hier erfahren Sie mehr über die Ökumenische Kampagne 2010.
Ici vous trouvez plus d’informations sur la Campagne Oecumenique 2010.
| Autor: Sandra Dütschler | 1. Februar 2010 |
Lesen Sie hier den Beitrag des Journalisten Stefan Hartmann von seinem Besuch bei den Dattelbauern der gebana Maghreb, der vor Weihnachten in der Zeitschrift Bioterra erschienen ist.
| Autor: Stefanie Hollenstein | 26. August 2009 |
Vor einigen Tagen durfte ich die Arbeitsstelle als kaufmännische Praktikantin in der gebana ag antreten. Ich wurde sehr herzlich empfangen. Mittlerweile habe ich schon einen Einblick in die gebana ag bekommen. Jeden Tag lerne ich neue Dinge dazu das macht mir sehr viel Spass.;) Ich finde meine neue Arbeitsstelle sehr interessant und hoffe das ich in diesem Praktikumsjahr viel lernen und viele Eindrücke sammeln werde.

| Autor: Simon Brassel | 5. August 2009 |
In unserem Sommermailing stellten wir unter anderem einen handgemachten Radioempfänger vor - gefertigt in Südafrika aus Getränkedosen und Draht. Im Namen der Produzenten bedanken wir uns herzlich für das grosse Interesse und die zahlreichen Bestellungen und möchten die Gelegenehit nutzen, dieses Projekt an dieser Stelle kurz vorzustellen.
Streetwires entstand im Jahr 2000 dank der Initiative einer kleinen Gruppe südafrikanischer UnternehmerInnen und Kunsthandwerker. Hauptziel des Projektes ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und des tiefen Bildungsstandes, die bei der schwarzen Bevölkerung besonders stark verbreitet sind. So will Streetwires mit der Herstellung von Gegenständen aus Draht – ein Kunsthandwerk, das gewöhnlich im informellen Sektor ausgeübt wird – stabile Verdienstquellen und Ausbildungsmöglichkeiten schaffen. Das Produktions- und Ausbildungszentrum in Kapstadt, das zur Zeit gegen 120 Künstlerinnen und Künstler zählt, ist landesweit als Pilotprojekt anerkannt.

Die Radiokünstler aus Südafrika sind fussballbegeistert
Ein besonderes Anliegen gilt alleinstehenden Frauen und Jugendlichen ohne Schulabschluss. Streetwires ist es bereits gelungen, mehrere unqualifizierte HandwerkerInnen derart zu befähigen, dass sie heute für verantwortungsvolle Aufgaben (z.B. Verwaltung, Marketing, Qualitätskontrolle…) zuständig sind. Drahtartikel werden meist nur von Männern hergestellt. Bei der Produkteentwicklung nimmt Streetwires speziell Rücksicht auf Frauenförderung: Dank der Verzierung der Gegenstände mit Perlen steigt die Zahl der Arbeitsplätze für Frauen stetig. Ferner plant Streetwires, dezentralisierte Handwerks-Gruppen mit dem Aufbau eines Netzwerkes zu unterstützen.
|
||||
| Autor: Nicolas Blanchard | 22. Juli 2009 |
Der zweite Teil der «Rundschau»-Sommerserie führt in die Hauptstadt Burkina Fasos, die Peer Steinbrück in einem Atemzug mit der Schweiz als Steuerparadies kritisiert hat. In Ouagadougou organisiert der Westschweizer Philippe Fayet die Schweizer Entwicklungshilfe. «Rundschau»-Moderatorin Sonja Hasler ist mit dem Leiter des Deza-Büros unterwegs und zeigt, wie die jährlich rund 22 Millionen Franken Hilfsgelder investiert werden.
Ausstrahlung: Mittwoch 22. Juli 2009, 20:50, SF1
Weitere Infos: http://www.sf.tv/sendungen/rundschau
| Autor: Sandra Dütschler | 13. Juli 2009 |
Brasiliens Biobäuerinnen und -bauern befinden sich auf dem steinigen Weg zur Nachhaltigkeit. Der Anbau von genverändertem Soja ist eines der Hauptprobleme brasilianischer Biobauern. Im Südwesten des Bundesstaates Paraná bauen Kleinbauern erfolgreich Biosoja an. Doch die sich ausbreitende Gentechnik bedroht die nachhaltige Produktion. Ein Bericht von Sandra Dütschler in der aktuellen Ausgabe von Lateinamerika Nachrichten. Sie ist Mitarbeiterin bei gebana Brasil.
Die Sonne steht am höchsten Punkt, der Himmel ist tiefblau, die Hitze drückt in die Senke. Kühe liegen im Schatten der Bäume, die das Bächlein säumen, welches zwischen den Feldern und Wiesen hindurchfließt. Neben der Weide wächst ein Streifen Zuckerrohr, dahinter steigen rund um die Senke Wald die Hügel empor. Die Szenerie ist äußerst idyllisch – wäre da nicht das unablässige Rattern eines Mähdreschers.
Es ist Erntezeit in Capanema, im Süden Brasiliens. Roberto Rama, der in der zweiten Generation auf diesem Boden Landwirtschaft betreibt, erntet heute sein Soja. Dabei helfen ihm Vater und Bruder, mit denen er das Land teilt. Ein Nachbar stellt gegen ein Entgelt seinen Lastwagen für den Transport der Ernte zur Verfügung, von einem weiteren Bekannten wurde der Mähdrescher samt Fahrdiensten gemietet. Einen Lastwagen oder eigene Landwirtschaftsmaschinen können sich die Ramas als Kleinbauern nicht leisten.
“Monsanto hat die Preise in der Hand und kann sie beliebig der Rentabilität des Sojaanbaus anpassen.”
Wer das gängige Bild vom brasilianischen Großgrundbesitzer kennt, der die Mähdrescher gleich zu Dutzenden über seine Felder schickt, stutzt spätestens an dieser Stelle: Ein Sojabauer, der sich keine eigenen Maschinen leisten kann? Doch damit nicht genug: Roberto Rama wirtschaftet nach internationalen Richtlinien des biologischen Landbaus und führt seinen Hof nach den Regeln der biodynamischen Landwirtschaft, die Rudolf Steiner um 1924 entworfen hat. Roberto Rama ist einer von rund 300 Kleinbauern in der Region um Capanama, im Südwesten des brasilianischen Bundesstaates Paraná, die biologisches Soja produzieren. Viele von ihnen haben nie etwas anderes als Biolandwirtschaft betrieben: „Auf meinen Feldern wurde noch nie Gift angewandt“, so Roberto Rama nicht ohne Stolz. Andere haben zu einer Zeit auf ökologischen Landbau umgestellt, als Bio in Europa noch eine Randerscheinung war: Angetrieben von Vergiftungsvorfällen in ihren Familien und vom Fischsterben in den Flüssen, stellte eine Gruppe von Landwirten die konventionelle Anbauweise in Frage. Sie entschieden sich, auf die Anwendung von Chemikalien zu verzichten und suchten nach nachhaltigeren, für Mensch und Umwelt unschädlichen Produktionsmethoden. 1994 entstand in der Region die erste Firma, die mit biologischem Soja handelte und den Bauern für den deutlich größeren Arbeitsaufwand einen entsprechenden Aufpreis zahlte.
Heute ist die gebana Brasil im Geschäft mit Biosoja aktiv. Die 2002 gegründete Firma ist ein Schwesterunternehmen der gebana Schweiz, die aus einer der ersten Initiativen für gerechten Handel mit Bananen („gebana“ steht für „gerechte Banane“) hervorgegangen ist. Bis heute basieren die Grundsätze der gebana auf denjenigen des fairen Handels und der Nachhaltigkeit: Der Schwerpunkt der Produktion liegt bei Kleinbauern, denen ein direkter Marktzugang ermöglicht wird und für das bio-zertifizierte Soja werden Preise bezahlt, die bis zu 50 Prozent über dem üblichen Marktpreis liegen. In Kürze sollen außerdem die ersten Produzentenvereinigungen mit dem Fairhandelslabel FLO zertifiziert werden.
Doch die Wege der Bioproduzenten in Südbrasilien sind steinig, wie das Beispiel von Roberto Rama zeigt. Der junge Familienvater kann mit seiner Ernte eigentlich zufrieden sein: Die blassgelben Erbsen sind fest und gleichförmig groß, die Schoten hängen zahlreich von den Pflanzen. Dies ganz im Gegensatz zu vielen anderen Sojabauern der Region, die aufgrund einer ausgedehnten Trockenperiode einen Großteil ihrer Ernte verloren haben. Als Roberto seine Ladung jedoch am Firmensitz der gebana Brasil abliefert, zeigt ein Schnelltest, dass die Bohnen Spuren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aufweisen. Die Verunreinigung durch fremdes Pflanzengut kommt wahrscheinlich von dem Mähdrescher, der zuvor genverändertes Soja geerntet hatte, oder durch den Lastwagen, der solches transportiert hatte. Selbst bei gründlicher Reinigung können diese Maschinen durch kleinste Rückstände eine ganze Ladung verseuchen. Doch die kleinen Familienbetriebe sind auf die geliehenen Geräte angewiesen, eigene Maschinen sind für sie unerschwinglich. Roberto Rama bekommt trotz GVO-Spuren den vollen Demeter-Preis für sein Soja ausbezahlt, doch die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben: „Ich baue bewusst biologisch an und bemühe mich, alles richtig zu machen – und alles nützt nichts“, bemerkt Roberto ernüchtert und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Genverändertes Soja ist ein ernsthaftes Problem für uns“. Darin kann ihm Eduardo Mattioli Rizzi, Leiter des Sektors landwirtschaftliche Produktion der gebana Brasil, nur zustimmen. Bereits jetzt ist er daran, GVO-freies Saatgut für den nächsten Sommer zu besorgen, doch dies ist ein schwieriges Unterfangen. Die Saatgutproduktion ist mehrheitlich auf genveränderte Sorten ausgerichtet und selbst konventionelles Saatgut weist nicht selten GVOSpuren auf, denn auch die Saatgutproduzenten sind vor Kontamination durch den Blütenstaub benachbarter GVO-Felder nicht gefeit.
Das zweite große Problem der gebana Brasil sind Soja-Lieferungen der Bäuerinnen und Bauern, die durch Blütenstaub oder durch verschmutzte Maschinen kontaminiert worden sind. Während winzige Spuren, wie sie in der Ladung von Roberto Rama gefunden wurden, von den Bio-Normen noch toleriert werden, ist dies bei einer stärkeren Verseuchung nicht mehr der Fall. „Dieses Jahr mussten wir die Lieferung von zehn Bauern ablehnen, weil sie GVO-Werte aufwiesen, die über der Toleranzgrenze lagen“, erklärt Eduardo Rizzi. Dies tue niemand gern, meint er, doch die verseuchten Bohnen dürften auf keinen Fall in den firmeneigenen Verarbeitungsprozess gelangen. Den Frust abgewiesener Bäuerinnen und Bauern, die ihre Felder immer gemäß der Regeln gepflegt und in mühsamer Handarbeit gejätet haben, kann man sich nur allzu gut vorstellen.
Der Gefahr der Kontamination seines Biosojas durch GVO beugt Bauer Abelino Murinelli auf seine eigene Art und Weise vor. Einige Kilometer Luftlinie entfernt von Roberto Rama macht er sich zusammen mit seiner Frau, zwei Nachbarn und seinen beiden Söhnen auf zu seinem Feld. Lächelnd weist Abelino auf sein Arbeitsgerät, eine Sichel: „Ich mähe mein Soja immer von Hand“, erkärt er, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt. In der immer noch erbarmungslos auf die Erde prallenden Nachmittagssonne machen sich Abelino und seine HelferInnen daran, die ausgetrockneten Stängel büschelweise durchzuschneiden, zusammenzutragen und in einer benzinbetriebenen Dreschmaschine die Bohnen vom Rest der Pflanze zu trennen. Man scherzt und lacht zusammen, gönnt sich ab und zu einen Schluck Wasser aus der mitgebrachten Kanne und nimmt die körperlich harte Arbeit in Kauf: „So weiß ich wenigstens mit Sicherheit, dass mein Soja sauber bleibt“, erklärt Abelino.
Für die 1,5 Hektar Soja, die Abelino Murinelli diesen Sommer angebaut hat, mag die Handernte eine Alternative sein, doch selbst unter Kleinbäuerinnen und -bauern erntet heute kaum noch jemand manuell. Neben der anstrengenden körperlichen Arbeit hindert vor allem das Fehlen von Arbeitskräften, verursacht durch die Abwanderung der jungen Leute in städtische Gebiete, die Bäuerinnen und Bauern daran, mit der Sichel zu ernten. Es sind einerseits dieser Arbeitskräftemangel, vor allem aber die Kosten von Arbeitskräften, der in Brasilien immer mehr GroßgrundbesitzerInnen, aber auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe, zu genveränderten Sojasorten greifen lässt. Denn die aktuelle Generation genveränderten Sojas ist resistent gegen das aggressive Pflanzengift Glyphosat, das sämtliches Unkraut effizient abtötet und dem Anwender dadurch eine Menge Arbeit und Geld erspart. So lautet jedenfalls die Argumentationslogik, mit der 2004 die brasilianische Regierung nicht nur von Seiten des GVO-Herstellers Monsanto, sondern auch von Bauernvereinigungen massiv unter Druck gesetzt wurde, um den Anbau genveränderter Pflanzen freizugeben. Die oft massiv verschuldeten Landwirte sollten es so endlich schaffen, rentabel zu wirtschaften, hieß es damals. Doch wie sieht die finanzielle Situation der brasilianischen Bäuerinnen und Bauern heute, fünf Jahre nach der Einführung der Gentechnik, aus? „Kaum anders als ohne Gentechnik“, sagt der Agronom Eduardo Mattioli Rizzi und erklärt auch gleich, warum: „Monsanto bot ihr glyphosathaltiges Herbizid zu Beginn tatsächlich günstig an und der Anbau von genverändertem Soja verschaffte dem Bauern eine höhere Gewinnmarge. Doch dann sind die Preise massiv angestiegen und die Marge war Vergangenheit.“ Aufgrund ihrer Patentrechte hat das multinationale Unternehmen Monsanto die Preise in der Hand und kann sie beliebig der Rentabilität des Sojaanbaus anpassen. Dass die Bäuerinnen und Bauern von dieser Situation langfristig profitieren, ist kaum zu erwarten.
Die brasilianischen Bäuerinnen und Bauern haben mit vielerlei Arten von Abhängigkeit zu kämpfen, das zeigt das Beispiel von Oswaldo Jair Woiechowski. Er hatte zwölf Jahre lang für einen Verarbeitungsbetrieb Hühner gemästet. „Dabei habe ich nicht einmal gemerkt, dass ich ausgebeutet wurde“, sagt der heute 38-Jährige und schiebt seine Che Guevara-Mütze zurück. Doch irgendwann hat es Oswaldo gereicht, er hat die Hühnerfarm aufgegeben und begonnen, biologischen Ackerbau zu betreiben. „Damit du anfängst umzudenken, musst du ganz unten ankommen“, sagt er nachdenklich, und: „Heute verdiene ich weniger, aber mein Leben ist selbstbestimmt und ich bin unabhängiger – und glücklicher“.
Zum Anbau von genverändertem Soja meint Oswaldo: „Das Zerstörungspotential von GVO ist riesig, es trifft nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch Luft und Wasser.“ All diese Effekte würden von den Großkonzernen, die GVO-Saatgut und Spritzmittel anbieten, natürlich verschwiegen und gerade auf dem Land hätten die Leute nicht die Möglichkeit, diese Mechanismen zu hinterfragen, so Oswaldo. Der kritische Bauer spricht von „Bewusstseinsbildung“ und Widerstandskampf“. Doch die Zukunft der brasilianischen Landwirtschaft im Zusammenhang mit GVO sieht er pessimistisch: „Der Mensch gibt den Dingen erst dann Wert, wenn er sie nicht mehr hat. Zu diesem Effekt muss es mit dem Anbau von Gensoja kommen“, meint er und zieht den Vergleich mit dem eigenen Leben: „Erst wenn wir ganz unten angekommen sind, werden wir merken, dass Gentechnik das falsche Mittel ist.“
„Erst wenn wir ganz unten angekommen sind, werden wir merken, dass Gentechnik das falsche Mittel ist.“
Eduardo Mattioli Rizzi sieht es nicht ganz so düster, wenigstens nicht für die biologische Landwirtschaft. Die größte Herausforderung sei es, die Anbaukosten zu reduzieren, „das bedeutet vor allem, dass wir das Unkrautproblem mechanisch in den Griff kriegen müssen“, erklärt er. Darin, dass eine Erleichterung des ökologischen Anbaus zusammen mit der steigenden Nachfrage nach biologischen Produkten auch bei Großkonzernen das Interesse wecken könnte, sieht Eduardo sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits könnten diese Unternehmen die Forschung entscheidend vorantreiben, andererseits ist sich der Agronom bewusst, dass damit auch die Preise und damit die Gewinne der Bauern sinken würden.
Eine Chance könnte das steigende Interesse an nicht-genverändertem Soja bedeuten. Vor allem aus Europa werden zur Förderung vom Anbau von Sorten ohne Genveränderung derzeit Prämien und Projektgelder gesprochen. Werden diese finanziellen Mittel effektiv umgesetzt und gelangen bis zu den Produzenten, könnten auch in der Region Capanema die Bauern wieder vermehrt zur konventionellen oder sogar biologischen Landwirtschaft zurückkehren. Dies würde die Kontaminationsgefahr einschränken und den 300 Bio-Kleinbauern in der Region das Wirtschaften erheblich erleichtern.
| Autor: Nicolas Blanchard | 30. Juni 2009 |
Klaus Steig beleuchtet in seiner aktuellen Reportage, den Cashew-Anbau in Burkina Faso. Den lesenswerten Bericht finden Sie hier: eif_0709_reportage.pdf
| Autor: Mirjam Güntert | 15. Juni 2009 |
Reisebericht aus Burkina Faso, April 2009
Was mich in Burkina Faso erwartet, kann ich nur knapp erahnen. Bereits sind vier Jahre vergangen, seit ich das letzte Mal dort war - vieles wird sich seither verändert haben!
Gestartet hat die gebana in Burkina Faso im Jahr 2000 mit dem Verkauf von 5 Tonnen getrockneten Mangos. Innerhalb der nächsten 7 Jahre konnte die Menge dank des Booms von Fairtrade-zertifizierten Produkten auf 400 Tonnen Mango gesteigert werden. Damit wurde tausenden von Bauernfamilien ein kleines Einkommen gesichert. Die zu optimistische Planung der Grosskunden, verbunden mit dem durch die Finanzkrise ausgelösten Lagerabbau, bewirkte einen drastischen Rückgang der Verkäufe. Im laufenden Jahr werden wir nicht einmal die Hälfte des Rekordumsatzes von 2007 erreichen. Zusätzlich geraten die Mango-Preise massiv unter Druck. Die Boomjahre der Fairtrade und Bio-Trockenmangos sind vorbei.
Das Land ist karg, die Hitze enorm, Wüstenstaub überall - angespannt und mit vielen Fragen im Kopf reise ich von Ouagadougou zu einem Bauerntreffen nach Bobo-Dioulasso. Es gilt, die Bauern über die schlechte Marktsituation in Europa zu informieren und Massnahmen zu diskutieren. Zahlreiche Bauernfamilien werden den Anschluss an den Markt verlieren: Wie können Sie sich das Überleben in einem Land sichern, wo das durchschnittliche Tageseinkommen bei einem Dollar liegt? Werden sie der gebana weiterhin vertrauen? Wir wissen, dass die Bauern diejenigen sind, die am meisten unter dieser Situation leiden.
Das Treffen war wie erwartet angespannt, viele Fragen wurden gestellt und auch mit Kritik an den Kunden und an der gebana wurde nicht gespart. Dennoch scheint es, dass das Vertrauen in die gebana trotz dem schwierigen Marktumfeld bestehen bleibt - gerade auch, weil wir uns der Auseinandersetzung stellen und gemeinsame Lösungen suchen. Ich war tief beeindruckt vom Mut, von der Intelligenz und dem bissigen Humor mit dem die Bauern auf die Situation reagiert haben. Den Tag lassen wir bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Fairer Handel ist und bleibt eine Gratwanderung. Er bedeutet für alle Beteiligten immer wieder finanzielle Engpässe und Durststrecken, die es zu überbrücken gilt. Es ist ein langer und fast unmöglicher Prozess, für alle Beteiligten gerechte Ausgangslagen zu schaffen. Er erfordert Geduld und kommt nicht ohne Kompromisse aus. Vertrauensvolle Beziehungen zwischen allen Akteuren der Handelskette ermöglicht es dennoch, in dieser schwierigen Situation zu bestehen und ausgleichend zu wirken.
Mein Gepäck steht bereit. Die Tage in Burkina Faso waren gefüllt mit Erlebnissen, Eindrücken und Bildern - die Menschen, die Farben, das Licht und der blaue Himmel werden mir fehlen. Zurück im Büro in Zürich werde ich nun doppelt motiviert sein und mein Bestes geben, um die getrockneten Mangos zu verkaufen.