Impressionen von den Afropfingsten 2008

Es ist bereits Tradition: Alljährlich an den Pfingsten sind wir mit einem Stand an der Afropfingsten in Winterthur vertretten. Es war ein farbenfroher Markt mit viel Musik und gut gelaunten Menschen.

Das Interesse an unserern bio&fair Produkten überstieg all unsere Erwartungen. Unsere Mangos waren so begehrt, dass sie bereits am Samstagmittag ausverkauft waren.

Hier ein paar wunderschöne Eindrücke von den Afropfingsten von incuboy auf Flickr. Unbedingt ansehen!


Praktikanten in Tunesien Teil 6: Besuch der Oase Derjine

Nach der Schulung der Kooperativen am Tag zuvor, steht heute der Besuch und die direkte Diskussion mit den Dattelbauern an. Es geht einerseits darum mit den Bauern über ihre Arbeit zu sprechen und ihnen die Vorteile aber auch die Grenzen des Fairen Handels zu erklären. Andererseits möchten wir Portraits von verschiedenen Bauern zusammenstellen, um die KonsumentInnen in Europa genauer über ihre Lebenssituation zu informieren.
Von Kebili bis Derjine dauert die Fahrt mit dem Auto fast eine Stunde. Wegen der buckeligen Landstrasse kann die übliche Fahrgeschwindigkeit von 100km/h nicht gehalten werden. Bei der Ankunft im Dörfchen Derjine sehen wir, dass deren Bewohner wirklich sehr bescheiden leben. Ihre Behausungen sind kleine und einfache Backstein- oder Palmblatthäuschen. Später erfahren wir, dass die 300 Einwohner zählende Gemeinschaft fast ausschliesslich von ihren Dattelplantagen lebt und daher auf deren guten Erträge angewiesen ist. Die Mehrheit der im Dorf lebenden Menschen ist miteinander verwandt. Fast keine Menschen entschliessen sich heute noch in dieses arme Dorf zu ziehen, um hier zu leben. Nur zweimal täglich fährt ein Bus von Derjine nach Kebili. Im Dorf gibt es keine Apotheke, aber einige wenige Medikamente für den Notfall.
Gemeinsam mit dem Präsidenten der Kooperative sowie mit Hamdia und Adel besuchen wir die Bauern in Ihren Plantagen. Insgesamt sprechen wir mit sieben verschiedenen Bauern, die alle Bio-zertifiziert sind. Es handelt sich also um diejenigen Datteln, die von der gebana Schweiz im Direktversand verkauft werden.
Im Gespräch mit den Bauern versuchen wir herauszufinden, was ihre grössten Sorgen sind und welche Wünsche sie für die Zukunft haben. Da die Kooperative noch keine Fair Trade Prämie erhalten hat, konnten bis jetzt noch keine Projekte realisiert werden. Dafür können wir im Gespräch bereits einige Ideen für künftige Projekte ausfindig machen. Unter anderem könnte mit einem Teil der Prämie das Zentrum für traditionelle Handarbeit im Dorf wieder geöffnet werden. Dort wurden früher von den Frauen des Dorfes traditionelle Hüte, Teppiche u.a. hergestellt. Aus Geldmangel musste es vor einigen Jahren leider geschlossen werden. Falls das Zentrum wieder in Betrieb gesetzt würde, könnten die Frauen des Dorfes dort arbeiten und ihre Produkte vielleicht sogar verkauft werden.
Der grössere Teil der besuchten Bauern ist bereits informiert über die Prinzipien des Fairen Handels und setzt sehr viel Hoffnung in ihn.
Ein grosses Problem in Derjine ist die Desertifikation. Vor allem die Bauern am Rand der Oase, angrenzend an die Wüste, leiden unter der Ausbreitung des Sandes. Sie hoffen, dass mit der Fair Trade Prämie etwas gegen diese Entwicklung unternommen werden kann.
Ein anderes Problem ist das unregelmässige Einkommen der Dattelbauern.
Mohammed sagt: „Wir Dattelbauern haben kein regelmässiges Einkommen. Nur einmal im Jahr, beim Verkauf der Datteln erhalten wir einen Lohn für unsere Arbeit. Davon brauchen wir rund einen Drittel für die Pflege unserer Parzelle. Zwei Drittel müssen für die Familie für ein ganzes Jahr ausreichen. Für die Finanzierung des Studiums unserer Kinder fehlt das Geld. Dann ist da noch das Problem der Arbeitslosigkeit, die überall hier ein Thema ist.“ Ein anderer Mohammed (etwa die Hälfte der Bauern heissen Mohammed) findet, dass mehr Geld in mechanische Maschinen zur Pflege der Palmgärten zur Verfügung gestellt werden sollten, z.B. für das Umackern des Bodens oder die Abfallzerkleinerung und -entsorgung. Auf die Frage nach seinen Problemen erzählt er uns dass seine Palmen von einem Insekt befallen sind, das die Palmblätter abfrisst. Er fragt Hamdia um Rat und Hilfe.
Alle Bauern empfingen uns sehr herzlich und beantworteten unsere Fragen ausführlich. Die Sprache war natürlich ein gewisses Hindernis. Hamdia übersetzte zwar alles für uns, doch ging bei der Übersetzung sicher ein Teil an Informationen verloren.

Am Mittwochnachmittag sind alle Vorbereitungen für die Schulung der Kooperativen getroffen: Wir Praktikanten haben die Einleitung, den allgemeinen Teil über den Fairen Handel und die Information über das Zertifizierungssystem von FLO vorbereitet. Hamdia, Amina und Fatma übersetzten alle für die Bauern und Kooperativen wichtigen Zertifizierungskriterien ins Arabisch und druckten Informationsbroschüren aus. Diese können wir den Bauern am Ende der Schulung mitgeben.

Die Schulung

Datum: 6. Mai 2008, 17 Uhr
Ort: Büro in der neuen Fabrik von gebana Maghreb, Kebili
Leitung der Veranstaltung:
Hamdia, Andrea und Sandro, Amina assistiert bei der Übersetzung
Teilnehmende:
Präsident der Kooperative Barghoutia, zwei Bauernvertreter von Barghoutia
Präsident und Financier der Kooperative Derjine, drei Bauernvertreter von Derjine
Programm:
- Fairer Handel generell und aus Sicht der europäischen Kunden (Sandro)
- Vorstellen von FLO, Einführung in das Zertifizierungssystem von FLO (Andrea)
- Wichtigste Zertifizierungskriterien für die Kooperativen und Bauern (Hamdia)
- Diskussion über die Verwendung der Fair Trade Prämie
Sprache:
Französisch-Arabisch, Arabisch-Französisch
Dauer der Veranstaltung: etwa 2 Stunden

Eindrücke:

- Die Teilnehmenden waren sehr konzentriert, machten sich zum Teil Notizen und wollten die behandelten Themen wirklich verstehen. Bei Unklarheiten fragten sie nach.
- Zwischdurch klingelte immer wieder ein Handy. In voller Lautstärke trällerte jeweils ein arabisches Lied aus dem kleinen Gerät.
- Über die Organisation FLO und das Zertifizierungssystem wussten die Teilnehmenden vor der Schulung nichts. Auch über die einzelnen Zertifizierungskriterien waren sie noch nicht informiert. Sie sind froh über die Schulung zu diesen Themen, damit sie sich selbständig besser auf die Zertifizierung vorbereiten können.

Diskussion über die Fair Trade Prämie:

Wenn es um die Verwendung der Prämie geht, gibt es zwischen den Kooperativleitungen und den Kooperativmitgliedern einige Differenzen. Einige Bauern fordern immer wieder, dass die Prämie unter den Mitgliedern aufgeteilt wird und jeder individuell über deren Verwendung entscheiden kann. FLO schreibt aber vor, dass diese Prämie für Entwicklungsprojekte in der Kooperative verwendet werden soll.
Im letzten Jahr wurde ein Teil der Prämie in Baghoutia gebraucht um Stromrechnungen der Kooperative zu bezahlen. Dies dient zwar der ganzen Kooperative, doch leistet es keinen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinschaft. In der Diskussion versuchen wir zu erklären, dass die Prämie, wenn es irgendwie geht, nicht zur Bezahlung von alltäglichen Kosten verwendet werden soll. Im letzten Teil der Diskussion geht es um die Frage, wie die Bauern besser in die Entscheidung über die Verwendung der Prämie miteinbezogen werden können. Die Idee eines Fragebogens wird geäussert, in welchem die Bauern ihre Wünsche für Projekte mitteilen können. Die Kooperativenleitung könnte dann diese Ideen auswerten und der GV einen Vorschlag präsentieren.

 

Name: Hamdia Salah

Alter: 29

Arbeit bei gebana Maghreb: Interne Inspektorin. Hamdia ist im ständigen Kontakt mit den Bauernkooperativen und deren Mitglieder. Bei Problemen oder Unklarheiten wird mit ihr Kontakt aufgenommen. Zudem leitet sie Schulungen zum Thema Bioanbau und besucht die Lieferanten von gebana Maghreb regelmässig, um die Einhaltung der Biokriterien zu kontrollieren. Sie macht die Arbeit sehr gerne und der direkte Kontakt mit den Bauern sorgt für viel Abwechslung in ihrem Beruf.

Zum Fairen Handel: Hamdia hofft, dass der Faire Handel die Situation im Dorf Derjine verbessern kann. Das Leben in Derjine ist schwierig, denn die Oase liegt weit entfernt von der nächsten Stadt und es fehlt den knapp 300 Einwohnern an vielen Einrichtungen (z.B. Apotheke). Für die Entwicklung des Dorfes ist es wichtig, dass die Kooperative die Fair Trade Prämie in gut überlegte und geplante Projekte investiert. Gebana Maghreb hat die Aufgabe die Kooperativen in dieser Frage zu unterstützen und zu beraten.

Zukunft: Hamdia ist im sechsten Monat schwanger. Nach dem ein monatigen Mutterschaftsurlaub (die Dauer des Mutterschaftsurlaubes wird vom Staat so festgesetzt) wird sie weiter für gebana Maghreb arbeiten.

“Für uns ist der Austausch und der Kontakt mit gebana Schweiz sehr wichtig. Ich wünsche mir dass es ein- oder zweimal im Jahr eine Schulung für uns gibt, in der wir über Fair Trade Themen und das Zertifizierunssystem informiert werden. Viele Informationen gibt es im Internet nur auf Englisch, darum sind wir froh, wenn jemand hierherkommt und die Themen auf Französisch mit uns diskutiert.”

Name: Fatma Buis

Alter: 25

Arbeit bei gebana Maghreb: ganze Administration, Verantwortlich für die Arbeiterinnen in der Fabrik, Verantwortliche für die Umsetzung vom HACCP-Qualitätssicherungssystem. Fatma mag an ihrer Arbeit vor allem die ganze Organisation des Exports und den Kontakt mit den Kunden. Stressig wird es für sie jeweils am Ende der Dattelsaison.

Zukunft: Fatma möchte irgendwann gerne ein eigenes kleines Projekt realisieren, damit sie ihre eigene Chefin sein kann. Sie hat noch keine konkrete Vorstellung, wie das Projekt aussehen soll.

“J’espère que les clients soient satisfaits par nos produits. Maintenant nous sommes en train de faire des recherches pour améliorer la qualité. J’espère aussi qu’on trouve des nouveaux clients et des nouveaux marchés.”

Name: Adel Rezig

Alter: 38

Arbeit bei gebana Maghreb: Seit 2002 ist er bei gebana Maghreb als Fahrer von allen möglichen Fahrzeugen: Jeden Morgen fährt er die beiden Mitarbeiterinnen Hamdia und Fatma ins Büro. Er fährt den Bus für die Arbeiterinnen in die Fabrik. Während der Erntezeit holt er die Datteln in den Kooperativen ab und bringt sie mit dem Lastwagen in die Fabrik in Kebili. In der Fabrik bedient er den fahrbaren Gabelstapler und platziert die Dattelpaletten in den Kühlkammern.

Zukunft: Am 10. August 2008 wird Adel heiraten und mit seiner Frau zusammen in ein Haus in Kebili umziehen. Ihm gefällt die Arbeit bei gebana Maghreb und er will sie gerne weiterführen.

“J’espère que le commerce équitable s’avance bien dans la Tunisie et que gebana Maghreb réussit d’encore améliorer le système pour réaliser cette idée.”

Name: Amina Foudhaili

Alter: 24

Ausbildung: Studentin, les études génie biologique à Tunis

Funktion: Assistentin bei der Entwicklung und Verbesserung des Mangementsystems von gebana Maghreb.

Vorteile des Fairen Handels:
- Im Fairen Handel gelangt der Preis für die Produkte möglichst direkt zu den Produzenten. Das ist gerecht und wichtig.
- Amina hofft, dass mit der Fair Trade Prämie die Arbeits- und Produktionsstrategie der Bauernkooperativen verbessert werden kann.
- Alle Personen der Handelskette, von den Bauern bis zu den Konsumenten, sind gleich und respektieren einander. Das gibt allen Partnern eine gewisse Befriedigung und steigert ihre Lebensqualität.
- Fair Trade liefert Qualitätsprodukte, weil er Kriterien festlegt, die für eine gute Qualität der Produkte grundlegend sind.

Das gibt es noch zu tun: Eine wichtige Aufgabe für gebana Maghreb ist es, den Bauern die Prinzipien des Fairen Handels weiterhin in Schulungen zu vermitteln. Ausserdem sollen die Bauern die Zertifizierungskriterien genau kennen, damit sie sich selbstständig danach richten können. Um eine höhere Faire Trade Prämie zu erhalten und somit grössere Entwicklungsprojekte verwirklichen zu können, muss die Kooperative wachsen. Ich hoffe, dass sich in der Zukunft immer mehr Kleinbauern für die Produktion nach den Kriterien des Fairen Handels entscheiden. Gleichzeitig muss aber auch die Anzahl der Kunden gesteigert werden, die bereit sind Fair Trade Produkte zu kaufen.

Zukunft: Amina möchte ihr Masterstudium gerne in Frankreich oder in der Schweiz absolvieren und doktorieren. Danach würde sie gerne weiterhin für gebana Maghreb arbeiten, wenn das möglich ist.

„J’espère d’être à la hauteur de cette responsabilité, d’être utile et de donner un plus pour toute la famille de gebana.“

Praktikanten in Tunesien Teil 3: FLO Certifikat

Unsere Arbeit mit gebana Maghreb beginnt am Morgen mit Fatma, Hamdia, Amina und Taieb. Fatma und Hamdia arbeiten beide in Kebili für gebana Maghreb. Amina studiert eigentlich in Tunis und erledigt von dort aus administrative Arbeiten für gebana.
Das Zertifizierungssystem von FLO (Fair Trade Labelling Organisation) wurde überarbeitet und ist seit dem April 2008 eingeführt. Ziel des heutigen Tages ist es, dass unsere MitarbeiterInnen von gebana das neue System kennen lernen. Zuerst geht es um den Ablauf der Zertifizierung. Das Zertifikat wird für drei Jahre ausgestellt und wird jährlich kontrolliert. Nach jeweils drei Jahren wir das Zertifikat erneuert, wenn die Organisation alle geforderten Kriterien erfüllt. Bei den Zertifizierungskriterien handelt es sich um eine Liste mit gut 180 Punkten. Diese Regeln z.B die soziale Entwicklung und Struktur der Kooperative (Büro, Konten, Leitung der Kooperative, Mitglieder GV), wer über die Verwendung der Fair Trade Prämie entscheiden kann (GV), die Anwendung von Dünger, die Nicht-Diskriminierung der MitgliederInnen, bis zur Versammlungsfreiheit der Angestellten der Kooperative.
Am Nachmittag gilt es für uns alle diese Punkte durchzuackern. Für die MitarbeiterInnen von gebana ist es sehr wichtig, dass sie alle diese Kriterien kennen und genau verstehen, weil sie danach die AnsprechspartnerInnen für die Kooperativen sind, wenn es um die Frage der Zertifizierung geht.

Um die Arbeit für die Kooperativen zu vereinfachen sind die Kriterien in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe beinhaltet die Grundprinzipien des Fairen Handels, mit denen die Kooperativen von Anfang an konform sein sollen. Bei der Erneuerung des Zertifikats nach drei Jahren werden zusätzlich Messlatten gesetzt: Die Dokumentation aller Aktionen der Kooperative und Pläne zur Erreichung einer möglichst effizienten und gerechten Einsatz der Prämie. Weitere drei Jahre später sollten die Kooperativenmitglieder selber mehr Verantwortung für den Verkauf und die Vermarktung ihrer Datteln übernehmen.

Organisations-Strukturen

Klare Organisationsstrukturen wie Statuten, Generalversammlung, Abstimmungen, Protokoll, Verwaltung, Budget, Abrechnung werden vorausgesetzt. Die Mitglieder, also die Bauern, müssen in kleinbäuerlichen Strukturen arbeiten und über den Fairen Handel informiert sein. Wichtig ist dass über den Einsatz der FairTrade Prämie zum Wohle der ganzen Gemeinschaft sinnvolle Projekte ausgewählt und umgesetzt werden.

Die Prämie

Im vergangenen Jahr wurden über 20′000 Franken Prämie an die Association Barghoutia, eine der beiden Kooperativen von denen gebana ihre Datteln bezieht, ausbezahlt. Einige Bauern wollten dass diese Prämie unter ihnen aufgeteilt und ausbezahlt wird. Die Mehrheit in der GV entschied sich dann aber für Projekte zur Entwicklung der ganzen Gemeinschaft: Unter anderem wurden neue Geräte gekauft, Wasserleitungen repariert, Strom sowie kleinere Infrastrukturbauten finanziert (15′000 Fr.). Weitere 4000 Fr. wurden für soziale Projekte investiert: z.B. ein Zentrum, in welchem die Frauen und Mädchen des Dorfes traditioneller Handarbeit nachgehen können und für die Region typische Gegenstände herstellen. Auch werden mit diesem Geld Familien unterstützt, die sich die Schulmaterialien für ihre Kinder aus eigener Kraft nicht leisten können. Die restlichen 1000 Franken wurden für Schulungen im Bereich des biologischen Anbaus gebraucht.

Das genaue Studium aller Kriterien dauert den ganzen Tag und die Arbeit ist sehr anstrengend. Das Umdenken in andere Sprachen fordert das Hirn zusätzlich. (Die Liste mit den Zertifizierungskriterien ist auf Englisch, unsere Diskussion ist hauptsächlich auf Französisch, zum Teil besprechen unsere KollegInnen von gebana Maghreb etwas auf Arabisch und übersetzen dann für uns). Doch es beklagt sich niemand. Zwischendurch habe ich das Gefühl ich bin nicht mehr fähig etwas zu erklären oder ein Kriterium zu diskutieren. Dann erinnere ich mich daran, dass Amina die ganze letzte Nacht im Bus von Tunis nach Kebili verbracht hat und bereits seit 5 Uhr morgens wach ist. Doch sie lässt sich nichts anmerken und ist engagiert bei der Sache. Also beisse auch ich die Zähne zusammen.
Schliesslich endet der Tag mit einem Ausblick auf die kommende Woche. In einer Schulung am folgenden Mittwoch werden wir die von uns erarbeiteten Informationen den Kooperativen und einigen Bauern vereinfacht erklären. Die Schulung soll auch Gelegenheit bieten nochmals mit den Bauern die Grundprinzipien des Fairen Handels zu diskutieren.

Weitere Informationen zu FLO und dem FLO-Zertifizierungssystem unter www.fairtrade.net und
www.flo-cert.net

Besichtigung der beiden Verarbeitungsbetriebe von gebana Maghreb

Seit Anfang Jahr besitzt gebana Maghreb eine zweite Fabrik und der Ablauf der Dattelverarbeitung wurde komplett umstrukturiert. Hier eine kurze Schilderung des Ablaufs.

Die frisch geernteten Datteln werden von den Bauern in die neue Fabrik geliefert. Nach der Eingangskontrolle und der Gewichtsmessung werden die Datteln von den Fabrikarbeiterinnen verlesen: Datteln, die nicht den europäischen Qualitätsnormen entsprechen werden aussortiert, um später als Futter für Ziegen und Schafe zu dienen.

Noch grüne Datteln werden separat gelagert, damit sie ihren Reifungsprozess weiterführen können.
Die Datteln können nun in einer der vier Kühlkammern zwischen 0.9 und 2.4 eingelagert werden oder direkt in die zweite Fabrik zur Weiterverarbeitung geliefert werden. Dort ist momentan der Umbau im Gange. Da bisher alles in dieser Fabrik gemacht wurde, ist nun viel mehr Platzt vorhanden. Die Räumlichkeiten werden angepasst und das gesamte Mobiliar erneuert. Die angelieferten Datteln werden im ersten Schritt erneut geprüft, mit einer neuen Anlage gewaschen und getrocknet. Daraufhin wird je nach Kundenwunsch entsteint oder gleich an der Rispe abgepackt und palettisiert. Fast 350 Tonnen verlassen im Jahr 2007 auf diesem Weg die Fabrik und gelangen nach Europa. Für diesen gesamten Ablauf hat die gebana Maghreb ein ausgeklügeltes HACCP-System (Hazad analysis and critical control points) mit dem gesundheitsgefährdende Risiken ausgeschlossen werden können. So steht zum Beispiel am Ende der Verarbeitungskette ein Metalldetektor bereit um jede Kiste nach möglichen Fremdkörpern zu überprüfen. Aufbauend zu diesem System strebt die gebana Maghreb die Zertifizierung nach ISO22000 Standard an. Taieb Foudhaili rechnet mit der Zertifizierung noch für dieses Jahr.

Besuch der Palmgärten von Barghoutia

Am Nachmittag chauffiert uns Adel (Ein Portrait von Adel folgt im Blog) in die Oase Barghoutia. Etwa zwanzig Minuten fahren wir durch das hier übliche karge Land, Sand soweit das Auge reicht, ab und zu niedrige trockene Stauden. Der Fahrtwind liefert eine angenehme Erfrischung bei diesem heissen Wetter. Dann sehen wir die ersten Palmen und bald haben wir das kleine Oasendörfchen mit gerade etwa 400 Einwohnern erreicht.

Adel kennt sich bestens aus in dem Palmgartenlabyrinth, in dem wir die Orientierung längst verloren hätten. Kleine Parzellen von durchschnittlich etwa 50 Aren reihen sich hier aneinander. Zäune aus getrockneten Palmblättern trennen die verschiedenen Palmgärten voneinander. Beim Eingang einer dieser Gärten empfängt uns Abdallah Bubaker. Er ist der Präsident der Dattelbauerkooperative von Barghoutia und besitzt selber einen Palmgarten, den er mit Hilfe seiner Familie bewirtschaftet.

Name: Abdallah Bubaker
Alter: 44 Jahre alt
Familie: verheiratet und 2 Kinder
Funktion: Dattelbauer und seit 2007 Präsident der Kooperative von Barghoutia

Im Schatten einer Palme sitzt eine runzlige alte Frau und lacht uns mit ihrem Zahnlückenmund entgegen. Daneben sitzt eine viel jüngere Frau und ein junger Mann ist zwischen den Palmen an der Arbeit. Wie wir erfahren handelt es sich dabei um Bubakers Mutter und Geschwister, die ihm bei der Arbeit helfen, oder einfach die Zeit draussen mit ihrer Familie geniessen.

Informationen rund um den Palmgarten

Die Palmen tragen bereits Rispen mit den kleinen grünen Dattelknospen. Zur Bestäubung wurden die Blüten der weiblichen Palmen zu kleinen Büscheln zusammengebunden. In die Mitte der Büschel wurde jeweils von Hand ein Zweig einer männlichen Palme platziert. Dieser ist voller Pollen, die im Laufe weniger Wochen vom Wind auf die Blütenstände verteilt werden.

Im Palmgarten von Bubaker gibt es nur 4 männliche Palmen.
- Im Moment brauchen die Palmen praktisch keine Pflege. Arbeit gibt es erst wieder im August, wenn die Dattelrispen mit einem Plastik umhüllt und so vor dem Regen geschützt werden müssen.
- Während dem Jahr pflegen die Bauern ihre Parzellen selber oder mit Hilfe ihrer Familie. Während der Erntezeit im Oktober und November müssen sie zusätzliche Helfer anstellen, um die viele Arbeit bewältigen zu können.
- Um den Palmgarten besser auszunützen, findet man neben den Palmen noch viele andere Pflanzen auf Bubakers Land. Somit hat er eine eigene kleine Nahrungsmittelquelle für sich und seine Familie. Ausser Datteln liefert sein Palmgarten ein wenig Getreide, Trauben, Zwiebeln, Zucchetti und Kräuter. Viele andere Bauern machen es genau so.

- Die Datteln sind nicht das einzige Produkt, das von den Palmen geliefert wird. Mit grossen getrockneten Palmblättern werden Zäune rund um die verschiedenen Parzellen gebaut. Diese dienen einerseits zur Eingrenzung des jeweiligen Besitzes. Wichtiger ist aber die Funktion als Schutz vor der Ausbreitung des Sandes, der vom Ostwind in die Oase getragen wird.

Die Fasern der langen Palmblätter werden zu Schnüren umfunktioniert. Bei der manuellen Bestäubung der Dattelblüten werden die Dattelrispen z.B. mit solch einer Palmfaser zusammengebunden.
- Die Palme besitzt Stacheln.
- Im Moment gibt es genügend Wasser für die Oase Barghoutia, doch Bubaker macht sich Gedanken, wie lange es noch reichen wird. Schon heute wird das Wasser sehr ökonomisch gebraucht: Drei Angestellte der Bauernkooperative regeln die Verteilung des Wassers unter den Mitgliedern der Kooperative genau: pro Aare Land, die ein Bauer bewirtschaftet, erhält er während 7 Minuten 2 Sekunden den Zugang zum Wasser. Die verschiedenen Parzellen werden so im regelmässigen Turnus bewässert. Das Wasser läuft von 7 Uhr morgens bis um 23 Uhr Abends.

Zum Schluss unseres Besuches demonstriert uns Bubaker, wie er die Palme hinaufklettert, z.B. für die Dattelernte. Anstatt gewöhnlich wieder hinunter zu klettern, rutscht er elegant an einem langen Palmblatt wieder zu uns auf den Boden.

Nach unserer Ankunft auf der Touristeninsel Djerba wird uns gleich bewusst, dass die Zeit hier in Tunesien eine andere Bedeutung hat. Die Flughafenpolizei prüft alle Pässe mit Liebe zum Detail und ist ganz interessiert an unserem kompletten Reiseprogramm. Draussen vor dem Flughafengebäude bläst uns die warme Luft ins Gesicht und in der Ferne über dem flachen, sandigen Boden erspähen wir das Meer. Wir machen uns auf die Suche nach einem Sammeltaxi, taxi louage, in Richtung Kebili. Das Taxi fährt erst, wenn alle acht Plätze besetzt sind, und bis dahin gilt es gelassen zu warten. Einmal unterwegs geht es dafür umso schneller: Der Fahrer rast über die holprigen Strassen und lässt Mofas und Privatwagen gekonnt hinter sich – dazu schallt aus dem Radio ununterbrochen arabische Musik. Wir staunen über die gewagten Manöver. Bei der Überfahrt mit der Fähre aufs Festland kommen wir mit einem Reisegenossen ins Gespräch. Bicher kehrt von seinem zwei Monatigen Arbeitseinsatz auf Djerba zurück zu seiner Familie in El Hamma. (Ob es das El Hamma von Mani Matter’s Sidi abdel Assar ist können wir nicht mit Sicherheit sagen, da es in Tunesien zwei El Hamma gibt.)

Unser Weg führt weiter ins Landesinnere, vorbei an kleinen sandigen Dörfern, Olivenbäumen, einzelnen Ziegen und Schafen, trockenen Feldern und Palmgärten. Die Strassen sind voller Leben und alle 500 Meter werden am Strassenrand aufeinandergestapelte Benzinkanister zum Kauf angeboten. Bei der grossen Station der taxi louage in Gabes müssen wir umsteigen. Der letzte Abschnitt unserer Reise führt durch karges Land entlang dem Gebirgsgzug Djebel Tebaga. Schliesslich gibt es einen Unterbruch in der Hügelkette und wie durch ein riesiges Tor gelangen wir in das Städtchen Kebili. Taieb Foudhaili, der Geschäftsleiter von gebana Maghreb empfängt uns herzlich. Müde von all den neuen Eindrücken und gespannt auf die kommende Woche sinken wir bald darauf ins Bett.

gebana-Praktikanten in Tunesien

Zum Abschluss und Höhepunkt unseres mehrmonatigen Praktikums bei gebana reisen wir gemeinsam nach Kebili, im Südwesten von Tunesien. Hier arbeiten wir während einer Woche mit unseren KollegInnen von gebana Maghreb zusammen. Gemeinsam mit den Dattelbauern diskutieren wir Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten des Fairen Handels. Zudem informieren wir unsere tunesischen PartnerInnen in Schulungen über die Neuerungen des FLO-Zertifizierungssystems.

Aktuelle Informationen zu gebana Maghreb und Berichte unserer Erlebnisse in Tunesien veröffentlichen wir möglichst regelmässig hier im gebana-blog.

Wir, das sind:


Sandro Fornallaz
Alter: 21 Jahre
Dauer des Praktikums bei gebana: 20 Monate
Zukunft: Betriebsökonomiestudium an der ZHAW
Sonstiges: Pfadi mit Leib und Seele (www.pfadi-zueriberg.ch)


Andrea Oertli
Alter: 20 Jahre
Dauer des Praktikums bei gebana: 8 Monate
Zukunft: Politologie- und Arabischstudium

Afropfingsten - ein Festival für die Sinne

Auffahrt ist vorbei - Pfingsten steht vor der Tür und damit auch Afropfingsten. Das Festival bietet mit seiner Vielzahl an Veranstaltungen rund um Afrika die ideale Gelegenheit, sich langsam, aber sicher auf den Sommer einzustellen.

  • Für Musikbegeisterte wird ein attraktives Konzertprogramm geboten.
  • Kino-Liebhaber sollten sich das Filmfest nicht entgehen lassen.
  • Wer sich gerne weiterbilden möchte, kann an einem Workshop teilnehmen.
  • Auch kulinarische Geniesser kommen auf ihre Rechnung - natürlich mit afrikanischen Leckerbissen.
  • Schliesslich laden die farbenfrohen Märkte zum flanieren ein. An der FairFair, einem Markt zum Thema „Fairness”, kann man sich zudem über verschiedene Themen informieren.

Auch die gebana ist wieder mit einem Stand am Welt-Bazar vertreten und bietet hauptsächlich Produkte aus Afrika zum Verkauf an. Gezielte Sucher finden uns an der Metzggasse. Der Markt ist folgendermassen geöffnet:

Freitag, 9. Mai von 12h - 21h
Samstag 10. Mai, von 10h - 21h.

Natürlich freuen wir uns auf möglichst viele Besucher in Winterthur.

Mehr Infos zu Afropfingsten finden Sie unter: www.afro-pfingsten.ch

Quinoa Ernte in Bolivien

Es ist wieder mal eine dieser mühsamen Reisen im bolivianischen Hochland. Seit Stunden kämpft sich der Jeep auf holpriger Piste in Richtung Salar de Uyuni, dem weltgrössten Salzsee (Fläche ca. ¼ der Schweiz). Auf rund 4’000müM brennt die Sonne viel intensiver, wir sind “geschlaucht”. Zugegeben die Zeitplanung war kein taktisches Meisterwerk, so dass wir die Salzwüste bei Dunkelheit überqueren müssen. Im Benzintank herrscht Leere, die letzten beiden Tankstellen waren den Namen nicht wert (“No hay gasolina”), bolivianischer Alltag halt. Oscar, Fahrer und Chef der Quinoakooperative, löscht das Licht der Karre aus und orientiert sich an den winzigen Lichtern der Dörfer am Rande des Salars. Auf dem Zahnfleisch erreichen wir Uyuni.

Salar de Uyuni - Salzsee
Salar de Uyuni - Salzsee

Im Gebiet um diesen mystischen Salzsee wächst Quinoa. Es ist fast unvorstellbar, dass auf diesen kargen Böden überhaupt etwas zu kultivieren ist. Umgeben von Lamas, Alpacas, Vicuñas und dürren Gräser blühen die Quinoafelder in intensiven Farbtönen.

Quinoa Pflanzen
Quinoa Pflanzen

Auf einer Anhöhe treffen wir eine Bauernfamilie bei der Ernte. Die Grossmutter ist für die Verpflegung zuständig, der Rest der Familie “malocht” auf dem Feld. Sämtliche Arbeitsschritte geschehen durch Muskelschmalz ohne Hilfe mechanisierter Geräte. Erst werden die Quinoastauden (bis zu 2m hoch)
ausgerissen, dann zu Bündeln zusammengetragen und auf dem Dreschplatz verteilt. Wir helfen mit. Die Sonne brennt wieder unerbärmlich. Auf 4’000 müM zu laufen ist eine Sache, Quinoabündel über Äcker zu schleppen ist was anderes. Wir spüren die Höhe, Sorache (Höhenkoller) schleicht sich an.

Quinoa Ernte
Quinoa-Bündel werden zusammengetragen und im Wind sortiert

Doch noch sind die Quinoakörner nicht gewonnen. Dazu wird ein weiterer Helfer eingespannt. Der Wind! In überdimensionalen Sieben wird das gedroschene Quinoa in die die Luft geworfen. Der Wind “sortiert” die
Quinoakörner vom Resten.


Lohn von 4 Stunden Arbeit

Unterdessen hat die Abuela (Grossmutter) auf dem offenen Feuer eine herrliche Quinoasuppe zubereitet. Wir sitzen mit den Bauern am Boden und unterhalten uns über Qualität, faire Preise, Konkurrenten und über
Möglichkeiten sie zu unterstützen.

In speziellen Anlagen wird das Korn später weiter gewaschen, entbittert, optisch nach Farben sortiert, entsteint und schlussendlich in 25kg-Säcke abgepackt und für den Export bereitgestellt. Nun folgt eine lange Reise mit Camion, Schiff, und Bahn.

Weitere Informationen zu den Projekten der swipala findet man auf www.swipala.com. Die Quinoa Produkte können bequem über den bio&fair Webshop bestellt werden.